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Technische Analyse : Warum Alphabet mit Problemen zu kämpfen hat

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Für den Google-Mutterkonzern und die Aktie ist nicht alles so rosig, wie es scheint. Bild: Reuters

Für den Google-Mutterkonzern ist nicht alles so rosig, wie es scheint. Ist der Aufwärtstrend der Aktie passé?

          3 Min.

          In grauer Vorzeit, als ein Tastaturfestnetztelefon noch das technologische Nonplusultra der Kommunikationstechnologie war, studierte ich einst in Bamberg Betriebswirtschaftslehre. Ich erinnere mich noch gut daran, was für ein Elend es aus heutiger Sicht oft war, an so etwas Banales wie „Information“ zu kommen. Im Regelfall ging man in die Bücherei, schaute nach, was es zum Thema gab, und musste dann oft genug feststellen, dass man nicht der Einzige war, der sich für einen bestimmten Titel interessierte.

          Wenn noch Pech hinzukam und die Fernleihe auch nicht funktionierte, konnte es Wochen dauern, bis man endlich die gesuchte Information in Händen hielt. Ein fester Abgabetermin, beispielsweise für die Diplomarbeit, konnte dieses Warten zu einer nervenaufreibenden Veranstaltung machen.

          Mit einem „Die Zeiten ändern sich!“ weiterzumachen, würden der Revolution, die in den vergangenen drei Jahrzehnten bei den Informationsbeschaffungsmöglichkeiten stattgefunden hat, wohl nur sehr bedingt gerecht werden. Heute kann man auch dort sein, wo gemeinhin das Ende der Welt vermutet wird, und selbst dort noch binnen Sekunden Zugriff auf fast das gesamte Wissen der Menschheit inklusive dazu passender Kommentare, Bilder und Videos haben.

          Möglich macht das ein extrem leistungsstarker Mini-Computer namens Handy, gepaart mit, so ehrlich wird man sein müssen, der Suchmaschine Google von Alphabet. Andere Suchmaschinen wie Bing von Microsoft hängen noch immer hinterher und haben beispielsweise hierzulande nur einen sehr kleinen Marktanteil.

          Die beste Erfolgsstory kennt Brüche

          Die Geschichte der Alphabet-, früher Google-Aktie ist ein Spiegelbild der Entwicklung, die Google im vergangenen Jahrzehnt in unser aller Leben eingenommen hat. Seit der Erstnotiz im Jahr 2004 hat sich ihr Kurs rund verfünfundzwanzigfacht. Viel mehr wird man sich kaum wünschen dürfen. Leider lehrt die Erfahrung, dass auch die beste Erfolgsstory Brüche kennt.

          Schaut man sich die aktuelle Situation der Aktie an, dann könnte einer dieser Brüche gerade begonnen haben. Das Kernproblem ist im abgebildeten Chart leicht zu erkennen: Alphabet hat den seit dem Tiefpunkt der großen abendländischen Finanzkrise im Jahr 2009 intakten Aufwärtstrend gebrochen. Für sich allein genommen ist ein solcher Bruch zwar nicht unbedingt das, was man sich als zuversichtlicher Investor wünschen sollte.

          Aber er wäre noch kein richtiger Beinbruch – wenn da nicht seine ziemlich fiesen Begleiterscheinungen wären. Zuletzt war die Dynamik nach oben beispielsweise stets kleiner und die nach unten immer größer geworden. Die Investoren sind also schneller bereit, zu verkaufen als zu kaufen. Das war einst anders.

          Zu erkennen ist dieses relativ neue Verhaltensmuster auch an den in den vergangenen beiden Jahren nach jedem neuen historischen Hoch immer kleiner werdenden Kursgewinnen. Besonders gut sichtbar wird diese Entwicklung aber am MACD-Indikator auf Basis von Wochenschlusskursen. Dieser MACD ist zwar so etwas wie ein Feld-, Wald- und Wiesen-Indikator der technischen Analyse und unterdrückt deshalb schon mal die eine oder andere aus den Kursen hervorgehende Information, über die man besser nicht hinweggehen sollte. Aber dafür zeichnet er sich in den meisten Situationen durch besondere Robustheit aus. Und gerade die braucht es, wenn man auf der Suche nach einer mittel- bis langfristig tragenden Orientierung ist.

          Ist der Aufwärtstrend passé?

          Dieser MACD hat also nun schon die zweite „negative Divergenz“ ausgebildet: Während der Kurs der Aktie noch neue Hochs erzielte, gelang dies dem Indikator nicht. Ohne langes Drumherumgerede: Dieses Auseinanderlaufen ist aus analytischer Sicht hochproblematisch. So kann schon einmal der Beginn eines größeres Problems aussehen. Denn letztlich sind solche „negativen Divergenzen“ ein Ausdruck des schwindenden Vertrauens der Anleger.

          Sie rechnen mehrheitlich in einer solchen technischen Situation nicht mehr damit, dass die Zukunft so wie die Vergangenheit aussehen wird. Für eine Aktie, die sich bislang in einem dynamischen Aufwärtstrend befand, wird dies nolens volens heißen müssen, dass der Aufwärtstrend passé ist.

          Wahrscheinlich ist also in meinen Augen, dass der Kurs der Aktie von Alphabet in den nächsten 6 bis 12 Monaten zurückkommen wird. Als Ziel bieten sich momentan Werte zwischen rund 800 und 1000 Dollar an. Ob dafür letztlich die Konsequenzen des Handelsstreites mit China den Ausschlag geben werden, die Konkurrenz stärker wird oder aber einfach nur mal Luft rausgelassen wird, das kann wohl erst die Zukunft wirklich zeigen.

          Für unseren Alltag dürfte das kaum Konsequenzen haben. Google wird Google bleiben, oder besser: Eine Suchmaschine wird eine Suchmaschine bleiben und damit ein für mich noch immer unfassbar genialer Zugang zu allem, was die Welt bewegt, bewegt hat und wahrscheinlich noch bewegen wird.

          Der Autor leitet die Staud Research GmbH in Bad Homburg.

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