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Starinvestor verzichtet : Buffett kann seine Milliarden nicht mehr unterbringen

  • -Aktualisiert am

Selten unterlegen: Starinvestor Warren Buffett Bild: dpa

Die vereinbarte Übernahme eines großen texanischen Stromversorgers durch Berkshire Hathaway ist geplatzt. Eine Vertragsklausel könnte Warren Buffett aber ein Trostpflaster bescheren.

          3 Min.

          Der amerikanische Starinvestor Warren Buffett hat klare Grundsätze. Einer davon lautet: Lasse Dich nicht auf Bieterwettbewerbe ein. Wenn Buffett für seine Anlagegesellschaft Berkshire Hathaway Übernahmen von Unternehmen vereinbart, will er die künftigen Tochtergesellschaften möglichst günstig erwerben. Bieterwettbewerbe mit anderen Interessenten oder Auktionen stehen dem natürlich entgegen, weil sie den Preis nach oben schaukeln.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die Konsequenz mit der Buffett, der mit Anlagen in unterbewertete Aktien und Unternehmen zu einem der reichsten Männner der Welt wurde, an diesem Grundsatz festhält, ließ sich Anfang der Woche am Beispiel des texanischen, auf Stromübertragung spezialisierten Versorgers Oncor beobachten.

          Berkshire, die über die Tochtergesellschaft Berkshire Energy seit fast 20 Jahren stark im Stromversorgungsgeschäft aktiv ist, hatte 9 Milliarden Dollar für einen Anteil von 80 Prozent an Oncors Muttergesellschaft Energy Future geboten. Am Montag zog Berkshire das Angebot zurück, nachdem Energy Future eine etwas höhere Gegenofferte akzeptiert hatte.

          Berkshire Energy liefert derzeit Strom an fast 12 Millionen Kunden im Westen der Vereinigten Staaten sowie in Großbritannien und Kanada und steuert rund ein Zehntel zum Nettogewinn von Berkshire bei. Mit Oncor wären 10 Millionen Kunden in Texas dazugekommen und so der Einzugsbereich größer geworden. Die Anfang Juli vereinbarte Übernahme hatte aber ohnehin für mehr Widerstand gesorgt, als Buffett gewohnt ist.

          Barmittel von knapp 100 Milliarden Dollar

          Erst hatte der bekannte und auf ausfallgefährdete Kredite sowie Klagen vor Konkursgerichten spezialisierte Hedgefonds-Manager Paul Singer, der Gründer von Elliott Management, opponiert. Singer hatte Anleihen der insolventen Holding Energy Future im Wert von 3 Milliarden Dollar erworben und war damit der größte Gläubiger.

          Energy Future hieß früher TXU und war 2007 von einer Reihe von Beteiligungsgesellschaften für den Rekordpreis von 45 Milliarden Dollar übernommen worden. Sieben Jahre später meldete das hochverschuldete Unternehmen dann Insolvenz an und beantragte Gläubigerschutz, um sich neu auszurichten. Bevor Buffett sein Angebot unterbreitete, waren bereits zwei andere Offerten am Widerstand der texanischen Regulierungsbehörde gescheitert.

          Wegen der finanziellen Schwierigkeiten von Energy Future hatte auch Buffett schon Geld verloren. Berkshire hatte einst Anleihen des Unternehmens für 2 Milliarden Dollar erworben und sie schließlich mit einem Verlust von 873 Millionen Dollar vor vier Jahren wieder verkauft. „Das war ein Fehler“, räumte Buffett später vor Berkshire-Aktionären ein.

          Singer versprach sich von einem höheren Angebot bessere Konditionen für die Gläubiger, wollte Buffetts Gebot im Konkursgericht blockieren und war offenbar auf der Suche nach Partnern, um eine eigene Gegenofferte zu unterbreiten. Am Montag gab dann der kalifornische Versorger Sempra Energy den Kauf von Energy Future für 9,45 Milliarden Dollar bekannt – gerade mal 5 Prozent mehr, als Berkshire geboten hatte. Singer befürwortete das Gebot und Buffett blieb sich treu. Berkshire zog das Angebot zurück. „Wir sind enttäuscht“, sagte Greg Abel, der Vorstandsvorsitzende von Berkshire Energy und ein potentieller Nachfolger des fast 87 Jahre alten Buffett an der Spitze von Berkshire. Am Geld kann es nicht gelegen haben. Berkshire Hathaway verfügte am Ende des zweiten Quartals über Barmittel von knapp 100 Milliarden Dollar. Buffett will dieses Geld anlegen, hat aber angesichts der gestiegenen Aktienkurse Schwierigkeiten, geeignete Objekte zu finden.

          Zahlung von 270 Millionen Dollar wegen Vertragsbruchs

          Berkshire ist im Kern eine Versicherungsgesellschaft. Sie nutzt die Prämieneinnahmen, die nicht für Versicherungsfälle ausgezahlt werden müssen, zum Erwerb großer Aktienpakete und ganzer Unternehmen. Zu den größten Aktienbeteiligungen gehören seit Jahren der Getränkehersteller Coca-Cola und die Bank Wells Fargo. Die bisher größten Übernahmen von Berkshire, unter deren Dach sich mehr als 80 Tochtergesellschaften befinden, waren die Frachteisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe und der Luftfahrtausrüster Precision Castparts für jeweils mehr als 30 Milliarden Dollar.

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          Der gescheiterte Übernahmeversuch von Energy Future war bereits das zweite Mal in diesem Jahr, dass Buffett erfolglos blieb – oder es zumindest bekannt wurde. Buffett erwähnt immer mal wieder, wenn größere Transaktionen nicht zustande gekommen sind. Er nennt aber nie Namen.

          Im Februar hatte der britisch-niederländische Konsumgüterkonzern Unilever eine 140-Milliarden-Dollar-Offerte des amerikanischen Nahrungsmittelherstellers Kraft Heinz ausgeschlagen, an dem Berkshire und die brasilianische Beteiligungsgesellschaft 3G große Minderheitspositionen halten. Buffett sagte später in einem Interview, dass das Kaufangebot für Unilever von deren Spitzenmanagern möglicherweise als feindlicher Übernahmeversuch interpretiert wurde, obgleich es nicht so gemeint war.

          Die Ablehnung feindlicher Übernahmen ist ein anderer Grundsatz Buffetts. Ein Trostpflaster bleibt Buffett aber möglicherweise. Die Übernahme von Energy Future enthielt eine Klausel, die im Falle eines Rückzugs die Zahlung von 270 Millionen Dollar wegen Vertragsbruchs an Berkshire vorsieht. Singers Anwälte haben das allerdings in Frage gestellt.

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