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Star-Investor : Buffett lässt seine Nachfolger nicht aufs Podium

Trotz seiner 88 Jahre beantwortete Warren Buffett stundenlang die Fragen seiner Aktionäre. Bild: Reuters

Auf der Hauptversammlung von Berkshire hat Star-Investor Warren Buffett einen Vorgeschmack auf die Zeit nach ihm gegeben. Aufs Podium ließ der 88 Jahre alte Buffett die Hoffnungsträger aber nicht.

          Warren Buffett hat den Aktionären seiner Gesellschaft Berkshire Hathaway erste Hinweise auf die Zeit nach ihm gegeben. Auf der Hauptversammlung von Berkshire am Samstag gab der 88 Jahre alte Buffett die Beantwortung gleich mehrerer Aktionärsfragen an die Spitzenmanager Ajit Jain und Greg Abel ab. Die beiden gelten als aussichtsreichste Kandidaten für die Nachfolge von Buffett an der Spitze von Berkshire. Jain ist seit Anfang 2018 für das gesamte Versicherungsgeschäft von Berkshire verantwortlich. Abel leitet seither die Nichtversicherungssparten des Konglomerats. Beide sind in der Öffentlichkeit bisher kaum aufgetreten, weswegen die hervorgehobene Rolle auf große Resonanz stieß. „Sie können keine besseren Manager für das operative Geschäft haben als Greg und Ajit. Es ist einfach phantastisch, was sie erreicht haben“, lobte Buffett.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Buffett vermied aber jeglichen Hinweis darauf, wer der beiden als Favorit für den späteren Vorstandsvorsitz gilt. Die offizielle Sprachregelung lautet, dass dem Verwaltungsrat der Name des Nachfolgers bekannt sei, falls Buffett sterben oder nicht mehr Herr seiner Sinne sein sollte.

          Buffett und sein 95 Jahre alter Geschäftspartner Charlie Munger machen allerdings keine Anstalten, die Führung von Berkshire aufzugeben. Wie in den Jahren zuvor saßen Buffett und Munger allein auf der Bühne der Sportarena der Provinzmetropole Omaha, des Sitzes von Berkshire, und antworteten stundenlang auf Fragen von Aktionären und Analysten. Den Vorschlag, Jain und Abel auch auf das Podium zu holen, bezeichnete Buffett als „wahrscheinlich ziemlich gute“ Idee. „Wir haben darüber geredet“, sagte Buffett. Munger hielt offenbar nichts davon. „Sie werden uns einfach ertragen müssen“, sagte der für seine kauzigen Kommentare bekannte Munger.

          Mehr als 110 Milliarden Dollar Barmittel

          Buffett hat Berkshire Hathaway in den vergangenen 50 Jahren aus einer kleinen Anlagegesellschaft zu einem der bedeutendsten amerikanischen Konzerne gemacht – einer der Gründe, warum die Nachfolgeregelung ein vieldiskutiertes Thema ist. Mit einem Börsenwert von 537 Milliarden Dollar ist Berkshire derzeit die wertvollste amerikanische Aktiengesellschaft, die nicht aus der Technologiebranche stammt. Berkshire ist im Kern eine große Versicherungsgesellschaft, die die eingenommenen Prämien in Aktien investiert. In den vergangenen Jahren war Buffett aber mehr und mehr dazu übergegangen, ganze Unternehmen zu akquirieren.

          Berkshire verfügte zuletzt über mehr als 110 Milliarden Dollar Barmittel, die für Übernahmen und Wertpapierkäufe zur Verfügung stehen. Das ist in etwa so viel wie Bayer, die Deutsche Bank und die Deutsche Post zusammen an der Börse wert sind. Buffett beklagt allerdings angesichts der „himmelhohen Preise für Unternehmen mit langfristig ordentlichen Aussichten“ einen Mangel an günstigen Gelegenheiten für Akquisitionen. Der jüngste Deal von Buffett ist eine 10-Milliarden-Dollar-Finanzspritze für den amerikanischen Ölkonzern Occidental Petroleum, der den Konkurrenten Anadarko Petroleum übernehmen will. Kommt Occidental zum Zug, erhält Berkshire eine Dividende von 8 Prozent im Jahr.

          Zu Berkshire gehört neben einer großen Sachversicherungssparte ein Sammelsurium von mehr als 60 Tochtergesellschaften, die von mittelgroßen Herstellern von Süßigkeiten (See’s Candies) und Cowboystiefeln (Justin Brands) bis zu großen Industriekonzernen (Precision Castparts), Stromversorgern (Berkshire Hathaway Energy) und Frachteisenbahngesellschaften (Burlington Northern Santa Fe) reichen. Die meisten Tochtergesellschaften sind amerikanisch, aber zu Berkshire gehören auch deutsche Mittelständler wie die Wilhelm Schulz GmbH, ein Hersteller von Rohrleitungssystemen, oder der Motorradzubehör-Händler Detlev Louis.

          Wer darf ans Mikro?

          Buffett bekräftigte auf der Hauptversammlung erneut sein Interesse an internationaler Expansion. Der operative Gewinn von Berkshire war im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozent auf 5,6 Milliarden Dollar gestiegen.

          Buffett verwaltet auch ein Aktienportfolio im Wert von zuletzt rund 200 Milliarden Dollar. Berkshire ist Großaktionär des Technologiekonzerns Apple, des Getränkeherstellers Coca-Cola und mehrerer großer Finanzdienstleister wie Wells Fargo oder American Express. Jeweils 13 Milliarden Dollar des Portfolios werden mittlerweile aber von den ehemaligen Hegdefondsmanagern Ted Weschler und Todd Combs verwaltet, die nach dem Ende der Ära Buffett für das gesamte Wertpapierportfolio verantwortlich werden dürften. Die beiden ließ Buffett allerdings nicht ans Mikrofon.

          „Es ist nicht unser Geschäft zu erklären, warum wir eine Aktie halten“, sagte Buffett, dessen Anlagen häufig kopiert werden. Am Freitag hatte Buffett bekanntgegeben, dass einer der beiden Berkshire-Fondsmanager Aktien des Online-Händlers Amazon gekauft hatte. Der Aktienkurs von Amazon reagierte darauf mit einem Plus von mehr als 3Prozent.

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