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Wall Street : Technologieaktien melden wieder Führungsanspruch an

  • -Aktualisiert am

Aktienhändler an der Wall Street Bild: AP

Die Technologiebranche an der Wall Street hat sich trotz einiger Ausreißer insgesamt fulminant erholt. Ein anderes Marktsegment schnitt allerdings noch besser ab.

          An der Wall Street melden sich die Technologiewerte nach den heftigen Kursverlusten Ende des vergangenen Jahres wieder zurück. Der technologielastige Composite-Index der elektronischen Börse Nasdaq hat im Januar um fast 10 Prozent zugelegt – gut 2 Prozentpunkte mehr als das breiter gefasste Marktbarometer S&P 500. Gestützt wurden die Kursgewinne von überraschend gut ausgefallenen Quartalsergebnissen etwa des sozialen Netzwerks Facebook, die den allgemeinen Appetit von Investoren auf Tech-Werte vergrößerten. Für Enttäuschung sorgte am Donnerstagabend allerdings der große Online-Händler Amazon. Trotz eines neuerlichen Rekordgewinns gab der Aktienkurs von Amazon am Freitag im frühen Handel an der Nasdaq um zeitweilig 4 Prozent nach, liegt in diesem Jahr mit Kursgewinnen von 10 Prozent aber dennoch weiter deutlich im Plus. Die negative Reaktion folgte auf eine schwächer als erwartete Umsatzprognose für das erste Quartal. Insgesamt notierten die Aktienkurse an der Wall Street am Freitag aber unverändert.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Technologiewerte spielen für den allgemeinen Trend der Wall Street eine große Rolle, weil sie gemessen am Börsenwert das größte Gewicht im S&P 500 haben. Auf diese Titel entfällt allein ein Fünftel der gesamten Marktkapitalisierung der amerikanischen Börsen, gefolgt von Gesundheitswerten (15 Prozent) und Finanztiteln (14 Prozent). In den vergangenen Jahren hatten die Tech-Werte die Führungsrolle der seit fast zehn Jahre währenden Hausse inne.

          Auch Finanztitel trugen im Januar stark zur allgemeinen Erholung bei. Das wichtigste Branchenbarometer für Banken, der KBW Nasdaq Bank Index, legte im Januar um mehr als 12 Prozent zu. Die angesichts des nachlassenden Wirtschaftswachstums in China und Europa aufgekommenen Rezessionsängste, die noch im vergangenen Jahr an der Wall Street grassierten, scheinen weitgehend verflogen. „Unsere Sicht basiert auf der unserer Kunden und das stützt eine solide Wachstumserwartung“, sagte Brian Moynihan, der Vorstandsvorsitzende der Bank of America kürzlich. Der Aktienkurs des zweitgrößten amerikanischen Kreditinstituts ist im Januar um 16 Prozent gestiegen. Allerdings gibt es nach wie vor auch kritische Stimmen. „Wir beginnen uns um die Perspektiven des amerikanischen Wirtschaftswachstums zu sorgen“, sagte Torsten Slok, Chefökonom der Deutschen Bank in dieser Woche. Slok nannte die globalen Handelskonflikte und das nachlassende Weltwirtschaftswachstum als Risiken. Er konstatierte auch eine merkliche Zurückhaltung amerikanischer Verbraucher beim Kauf von Autos und Häusern. Das ist nach Einschätzung Sloks zusammen mit den gestiegenen Ausfallraten für Verbraucherkredite ein Indiz für eine mögliche konjunkturelle Abkühlung. „Eine Rezession prognostizieren wir allerdings nicht“, sagte Slok.

          Entscheidend für längerfristigen Trend ist Gewinnentwicklung von Unternehmen

          Beflügelt wurden die Kurse an der Wall Street in dieser Woche auch von der amerikanischen Notenbank Fed, die nach ihrer Sitzung am Mittwoch eine Abkehr von der straffen Geldpolitik signalisierte. Der Fed-Vorsitzende Jerome Powell plädierte jetzt für eine „geduldige Geldpolitik, nachdem er im Dezember noch zwei Leitzinserhöhungen für 2019 angekündigt hatte. Aktien reagieren häufig negativ auf steigende Zinsen, weil sich dadurch die Finanzierung von Unternehmen verteuert. Zudem bekommen Investoren mit höherverzinsten Anleihen eine attraktivere Anlagealternative zu Aktien.

          Entscheidend für den längerfristigen Trend der Aktienkurse ist allerdings die Gewinnentwicklung von Unternehmen, da Aktien Anteile an den Gesellschaften verbriefen. Trotz der starken Kurserholung im Januar – für den S&P 500 war es der beste Jahresauftakt seit 30 Jahren – kalkulieren Analysten mit im Vergleich zum Vorjahr deutlich nachlassendem Gewinnwachstum. Nach Angaben des Informationsdienstes Factset prognostizieren sie für die im S&P 500 abgebildeten Unternehmen im Gesamtjahr 2019 ein durchschnittliches Gewinnwachstum von etwas mehr als 6 Prozent. Für Technologiewerte fallen die Prognosen zudem etwas geringer aus. Im Jahr 2018 war das Wachstum noch deutlich stärker. Zum Teil von den Steuersenkungen getrieben, kletterten die Unternehmensgewinne insgesamt um rund 20 Prozent. Das geht aus den aktuellen Factset-Angaben kurz vor den Ende der Bilanzsaison für das vierte Quartal hervor. Für das Schlussviertel 2018 prognostizieren die Auguren derzeit ein Gewinnwachstum von knapp 11 Prozent, etwas weniger als noch vor einem Monat.

          Angesichts der kräftigen Kursgewinne im Januar könnte das weitere Gewinnpotential aber begrenzt sein. Der Aktienstratege Chris Harvey von der Bank Wells Fargo glaubt, dass die Jahreshöchststände für 2019 bereits erreicht sind. „Man muss vorsichtig vorgehen“, sagte er. Harvey rechnet insgesamt mit einstelligen Kursgewinne für das laufende Jahr und glaubt, dass die Schätzungen für die Unternehmensgewinne immer noch zu hoch sind. „Wir wollen, dass diese Prognosen gesenkt werden“, sagte er in einem Interview mit dem Wirtschaftssender CNBC. Seine Kollegin Savita Subramanian von der Bank of America unterstellt weitere Kursgewinne von insgesamt 7 Prozent für den S&P 500. Allerdings müssten Anleger im Laufe des Jahres mit deutlich steigenden Kursschwankungen rechnen.

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