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New Yorker Börse : Die Hundestaffel der Wall Street steht bereit

  • -Aktualisiert am

Auf welche Wall-Street-Werte sollen Anleger setzen? Passanten vor der New Yorker Börse Bild: AFP

Nach einem guten Börsenjahr 2017 wetten viele Anleger an der Wall Street weiter auf die Favoriten. Besser schneiden aber oft die Nachzügler ab – die „Dogs of the Dow“.

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          Das neue Börsenjahr an der Wall Street begann, wie das alte aufgehört hatte: Mit deutlichen Kursgewinnen von Technologieaktien, die schon 2017 die klaren Favoriten gewesen waren. Apple sorgte im vergangenen Jahr mit neuen iPhones und hohen Gewinnen für Schlagzeilen, und der Aktienkurs kletterte um 46 Prozent. Das machte die beliebteste Auslandsaktie deutscher Anleger zum drittbesten Wert im Dow-Jones-Index, gleichauf mit dem Kreditkartenkonzern Visa, aber hinter dem Flugzeugbauer Boeing (plus 89 Prozent) und dem Baumaschinenhersteller Caterpillar (plus 69 Prozent), die beide vom globalen Wirtschaftsaufschwung profitierten.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Der Dow Jones hängte den breiter gefassten Konkurrenzindex S&P 500 mit Kursgewinnen von rund 25 Prozent im vergangenen Jahr ungewöhnlich deutlich ab. Inklusive der von Unternehmen ausgeschütteten Dividenden legte das populäre Aktienbarometer, in dem 30 amerikanische Standardwerte abgebildet sind, sogar um mehr als 28 Prozent zu. Der S&P 500 kam unter Berücksichtigung der Dividenden auf einen Gesamtgewinn von knapp 22 Prozent.

          Aber wie geht es nach einem solch fulminanten Jahr weiter? Die Anlagestrategen an der Wall Street, die den Aufschwung des vergangenen Jahres unterschätzt hatten, prognostizieren für das kommende Jahr wie üblich moderate Kursgewinne. Demnach dürfte der konjunkturelle Aufschwung anhalten. Die Kreditkarten der amerikanischen Verbraucher dürften angesichts fallender Arbeitslosenzahlen und steigender Löhne lockerer sitzen. Zudem hoffen die Strategen auf positive Effekte der kürzlich verabschiedeten Steuerreform, die eine Senkung der Steuern für Unternehmen und Privatpersonen vorsieht.

          Auguren kalkulieren nach Angaben des Informationsdienstes Factset für 2018 mit einem durchschnittlichen Wachstum der Unternehmensgewinne für die im S&P 500 vertretenen Gesellschaften um 12 Prozent. Das wäre das beste Ergebnis seit 2011. „Es gibt eine enorme Menge Optimismus für 2018“, sagte Steven Wagner, Vorstandschef des Vermögensverwalters Omnia Family Wealth in Florida.

          Sollte der schon fast neun Jahre dauernde Kursaufschwung der Kurse noch ein weiteres Jahr anhalten, wäre es die längste Hausse in der Geschichte der Wall Street – länger noch als die von Internet- und Technologieaktien beflügelte Börsenparty der neunziger Jahre. An der Wall Street ist deswegen immer wieder von einer „Spätphase“ des Aufschwungs die Rede. Haussen gehen aber immer irgendwann zu Ende. Rezessionen können einen Aktienaufschwung abwürgen, stark steigende Zinsen oder das Platzen einer spekulativen Blase.

          Eine Möglichkeit, sich auf das Ende des Aufschwungs vorzubereiten, könnte eine auch von Privatanlegern einfach zu kopierende Anlagestrategie sein, die nicht auf die Gewinner des Vorjahres setzt, sondern auf die Verlierer und Nachzügler – die Anlage in die sogenannten „Dogs of the Dow“, die „Hunde des Dow“. Das sind die jeweils zehn Aktien im Dow-Jones-Index, die am Anfang eines Jahres auf die höchste Dividendenrendite kommen. Um die Dividendenrendite zu errechnen, muss man die jährliche Ausschüttung in Relation zum Kurs einer Aktie setzen. Fällt der Kurs einer Aktie, steigt bei gleichbleibender Dividende die Rendite.

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