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Jeffrey Epstein : Abgründe an der Wall Street

  • -Aktualisiert am

Donald Trump mit seiner heutigen Frau Melania, Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell im Jahr 2000 in Mar-a-Lago. Bild: Getty

Der mysteriöse Hedgefondsmanager Jeffrey Epstein wird wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen angeklagt. Es dürfte nicht allein bei diesen Vorwürfen bleiben.

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          Der New Yorker Hedgefondsmanager Jeffrey Epstein war in den elitären Zirkeln von Macht und Geld lange eine bekannte Figur. Als Immobilienunternehmer Donald Trump noch vor allem die Boulevardzeitungen mit seinen Eskapaden bediente, gab der spätere amerikanische Präsident der Zeitschrift „New York“ im Jahr 2002 für ein Porträt über Epstein ein vielsagendes Zitat. Epstein sei ein „toller Kerl“, den er schon seit 15 Jahren kenne. „Es macht eine Menge Spaß, mit ihm zusammen zu sein. Es heißt sogar, dass er schöne Frauen so sehr mag wie ich, und viele von ihnen sind auf der jüngeren Seite.“ Erst kürzlich wurde Epstein wegen seines Umgangs mit sehr jungen Frauen verhaftet – noch am Flughafen Teterboro in New Jersey, nachdem er mit seinem Privatflugzeug aus Paris zurückgekehrt war.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die New Yorker Bundesstaatsanwaltschaft wirft dem 66 Jahre alten Finanzier vor, Dutzende minderjähriger Mädchen missbraucht und zwischen 2002 und 2005 einen illegalen Sexhandelsring aufgebaut zu haben. Einige der Mädchen seien erst 14 Jahre alt gewesen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Bei einer Hausdurchsuchung seien Hunderte von Nacktfotos minderjähriger Mädchen sichergestellt worden. Epsteins Haus gilt als das größte Anwesen in Manhattan, ein Stadthaus in bester Lage an der noblen Upper East Side.

          Der Deal mit Epsteins Anwälten

          Die Gerüchte und Anschuldigungen gegen Epstein, der einst den früheren Präsidenten Bill Clinton und den britischen Prinz Andrew zu seinen Freunden zählte, gibt es schon seit Jahren. Der Mann ist als Sexualstraftäter registriert und verbüßte vor zehn Jahren eine 13-monatige Gefängnisstrafe in Florida. Aber die Regionalzeitung „Miami Herald“ deckte kürzlich in einer Reihe von investigativen Geschichten auf, wie Epstein aufgrund seiner guten Verbindungen schärferen Strafen bisher entkommen war.

          So war Epstein während seiner Haft in Florida Freigänger und konnte während der Zeit sechs Tage die Woche in seinem Büro arbeiten. Die Bundesstaatsanwaltschaft in Florida hatte zwar ursprünglich auch eine Anklage vorbereitet, verzichtete dann aber auf Strafverfolgung und ließ sich auf einen Deal mit Epsteins Anwälten ein. Im Rahmen dieser Vereinbarung hatte sich Epstein vor einem Gericht des Bundesstaats Florida zweier Straftaten in Zusammenhang mit Prostitution schuldig bekannt – wofür er die kurze Gefängnisstrafe erhielt. Im Fall einer Verurteilung in einem Bundesverfahren hätte Epstein eine lebenslange Freiheitsstrafe gedroht. In New York drohen ihm nun maximal 45 Jahre Haft.

          Pikant ist die Angelegenheit, weil der damals zuständige Bundesstaatsanwalt in Florida, Alexander Acosta, heute Arbeitsminister im Kabinett von Donald Trump ist. Acosta war persönlich in den Fall involviert und traf sich privat mit einem von Epsteins Anwälten, einem seiner früheren Kollegen. Virginia Giuffre, eine der Frauen, die Epstein beschuldigen, sie als Teenager sexuell missbraucht zu haben, arbeitete damals im Club Mar-a-Lago in Palm Beach, der Trump gehört. Ein Anwalt von Trump hat mittlerweile dementiert, dass der Präsident mit Epstein gesellschaftlichen Umgang pflegte.

          Epstein wird häufig als Milliardär bezeichnet, aber die Quellen seines Reichtums sind in der Finanzbranche ein Mysterium. „Er soll eine enorme Devisenhandelsfirma leiten. Aber ich habe noch nie von ihm oder seiner Firma gehört, weder mit ihm gearbeitet noch gehandelt“, sagte Enrique Diaz-Alvarez, der das Risikomanagement beim britischen Wertpapierhaus Ebury verantwortet. Bekannt ist nur, dass Epstein im New Yorker Stadtteil Brooklyn aufwuchs und an zwei Universitäten studierte, die er ohne Abschluss wieder verließ.

          Gerüchte: Wie er zu seinem Vermögen kam

          In den siebziger Jahren arbeitete er zwei Jahre als Mathematik-Lehrer an der exklusiven New Yorker Privatschule Dalton und wechselte dann als Assistent eines Börsenhändlers zur Investmentbank Bear Stearns. Der Sohn des damaligen Bear-Stearns-Chairman Alan Greenberg war einer seiner Schüler gewesen. Epstein spezialisierte sich auf Optionshandel und wurde nur vier Jahre später Partner. 1981 verließ Epstein Bear Stearns und machte sich mit einem Hedgefonds selbständig. Bear Stearns soll bis zu deren Beinahe-Zusammenbruch und Notverkauf während der Finanzkrise ein Kunde gewesen sein.

          Ansonsten ist nicht viel bekannt über Epsteins damaligen Hedgefonds J. Epstein & Co., der seit den neunziger Jahren auf den Jungferninseln sitzt und jetzt unter Financial Trust Co. firmiert. Nach Medienberichten soll Epstein nur Milliardäre als Kunden akzeptiert, eine Pauschalgebühr in Rechnung gestellt und schließlich die völlige Kontrolle über die Anlagen gehabt haben. In der Finanzszene hielten sich Gerüchte, dass Les Wexner, der jetzt 81 Jahre alte Vorstandsvorsitzende des Bekleidungskonzerns L Brands (Victoria’s Secret) der größte Kunde und die wichtigste Quelle seines Vermögens war.

          Epstein saß im Beirat von Wexners Stiftung. Wexner soll Epstein auch das Stadthaus in Manhattan überschrieben haben. Mittlerweile wird dessen Wert auf 77 Millionen Dollar beziffert. Wexler, der einst Epsteins Fähigkeiten pries, „Muster in Politik und Finanzmärkten zu erkennen“, hatte sich nach den ersten Anklagen wegen sexuellen Missbrauchs allerdings von Epstein abgewandt. Das Wirtschaftsmagazin „Forbes“, bekannt für seine Liste der reichsten Amerikaner, machte in einem Blog nach Epsteins Entlassung aus dem Gefängnis vor zehn Jahren unmissverständlich klar, dass dessen Vermögen deutlich unter den in den Medien verbreiteten Schätzungen lag. „Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ist kein Milliardär“, lautete die Schlagzeile.

          In New York wird unterdessen vermutet, dass die Staatsanwälte jetzt nicht nur Epstein im Visier haben. Die zuständigen Strafverfolger sind nicht auf Sexualstraftaten, sondern auf „öffentliche Korruption“ spezialisiert, also Bestechung, Veruntreuung oder Betrug bei Behörden. Man darf annehmen, dass die Finanzen von Epstein jetzt genauer untersucht werden.

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