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Amerikanische Börsen : Der neunte Jahrestag der Hausse

  • -Aktualisiert am

Reges Treiben auf der New Yorker Wall Street. Bild: Bloomberg

Die Aufwärtsbewegung der amerikanischen Aktienbörse hält mittlerweile schon länger als neun Jahre an. Es spricht nichts zwingend dagegen, dass die Kurse noch weiter steigen.

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          Die Wall Street feiert Geburtstag. Am vergangenen Freitag jährte sich zum neunten Mal der Tag, an dem der Absturz der Kurse nach der großen Finanz- und Wirtschaftskrise zu Ende ging und eine neue Haussephase begann. Dass der 9. März 2009 der Anfang der bislang zweitlängsten Hausse in der Geschichte der Wall Street werden würde, hatte damals natürlich niemand vorhergesehen.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Der S&P 500 hatte sich vom 9. Oktober 2007 an, als die schwere Krise im amerikanischen Häusermarkt ihren Anfang nahm, bis zur Wende im März 2009 mehr als halbiert. Es war ein dramatischer und rapider Absturz, der die Aktienkurse damals auf das Niveau von 1996 zurückwarf. Die Stimmung war entsprechend schlecht.

          Der berühmte Investor Warren Buffett hatte aber schon Mitte Oktober 2008, also einen Monat nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers, einen pointierten Meinungsbeitrag veröffentlicht, in dem er Privatanlegern den Kauf amerikanischer Aktien empfahl. Es war ein Lehrstück darüber, wie der mehrfache Milliardär denkt. „Sei ängstlich, wenn alle anderen gierig sind, und sei gierig, wenn alle ängstlich sind“, schrieb Buffett.

          Die damaligen Zweifel am langfristigen Erfolg großer amerikanischer Unternehmen hielt er für überzogen. „Die meisten großen Unternehmen werden in 5, 10, und 20 Jahren Rekordgewinne machen“, schrieb er – und behielt recht. Wer im März 2009 also genug Geld und Mut hatte und einen Indexfonds auf den S&P 500 kaufte, hat den Einsatz vervierfacht. Nur die von Technologie- und Internetaktien getriebene Hausse, die nach dem Börsenkrach vom Oktober 1987 begann und im Jahr 2000 in einem heftigen Absturz endete, hielt noch länger an.

          Anleger an der Wall Street stellen sich nun die Frage, wie lange die aktuelle Hausse noch Bestand haben kann. Der S&P 500 liegt auch in diesem Jahr mehr als drei Prozent im Plus. Die jüngsten Kursschwankungen signalisieren aber eine gestiegene Nervosität.

          Anlässe für eine mögliche Trendwende gibt es genug. Die Notenbank Fed hat begonnen, die Leitzinsen anzuheben, deren extrem niedriges Niveau in den vergangenen Jahren ein Fundament des Marktes war. Dazu kommen geopolitische Risiken. Zuletzt hatte Amerikas Präsident Donald Trump mit einer protektionistischen Handelspolitik für Verunsicherung gesorgt.

          Die Regierung hatte die Importzölle auf Stahl und Aluminium deutlich angehoben, was sowohl zu starken Kursschwankungen bei Stahl- und Aluminiumherstellern als auch bei ihren Abnehmern in der Industrie führte. Händler an der Wall Street kalkulierten zudem die Wahrscheinlichkeit eines Handelskonflikts ein, falls etwa die EU mit Einfuhrzöllen auf amerikanische Produkte Vergeltung üben sollte.

          S&P 500

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          Investoren halten das Wachstum der amerikanischen Unternehmensgewinne für kräftig genug, um weitere Kursgewinne zu rechtfertigen. Die Gewinne der im S&P 500 abgebildeten Unternehmen sind im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent gestiegen – so kräftig wie seit dem zweiten Halbjahr 2011 nicht mehr. Analysten haben nach der jüngst verabschiedeten Steuerreform die Gewinnerwartungen für das Jahr 2018 von 12 Prozent am Anfang des Jahres auf 19 Prozent angehoben.

          Aber möglicherweise reflektieren die Kurse diese Erwartungen bereits. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22 ist der S&P 500 jedenfalls überdurchschnittlich hoch bewertet. Auch Buffett hatte in seinem jüngsten Aktionärsbrief gemurrt, dass die Preise für Unternehmen sehr stark gestiegen seien.

          Als Stützungsfaktor für die Aktienkurse gelten aber die massiven Rückkäufe eigener Aktien, die amerikanische Unternehmen nach der Steuerreform angekündigt hatten. Die neuen Steuergesetze sehen unter anderem eine Senkung des Körperschaftsteuersatzes von 35 Prozent auf 21 Prozent vor. Dazu können Unternehmen Vermögen, das bei Tochtergesellschaften im Ausland liegt, einmalig günstiger versteuern, wenn sie es in die Vereinigten Staaten zurückholen. Fachleute gehen davon aus, dass der Trend zu Aktienrückkäufen anhalten wird.

          Im Gegensatz zur Interneteuphorie Ende der neunziger Jahre fehlt an der Börse derzeit auch der Überschwang der Kleinanleger, der in der Regel auf das bevorstehende Ende einer Hausse hindeutet. Zwar war das Interesse der Kleinanleger an Aktien Ende des vergangenen Jahres deutlich gestiegen, aber die Rückschläge im Februar haben das Interesse offenbar wieder abgekühlt.

          Nach einer Umfrage des amerikanischen Kleinanlegerverbandes AAII glauben derzeit nur 26 Prozent der Befragten an steigende Aktienkurse in den kommenden sechs Monaten. Kurz bevor die spekulative Blase im Jahr 2000 platzte, hatten 75 Prozent der vom AAII befragen Privatanleger fest mit weiter steigenden Kursen gerechnet. Diese Mega-Hausse hatte 3109 Handelstage gehalten. Die aktuelle Hausse ist von diesem Rekord noch rund 840 Handelstage entfernt – noch fast dreieinhalb Jahre.

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