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Wall Street : Donald Trump gegen Warren Buffett

  • -Aktualisiert am

Starinvestor Warren Buffett Bild: dpa

Neue Milliardenstrafen kommen auf die amerikanische Großbank Wells Fargo zu, an der Großanleger Warren Buffett beteiligt ist. Was hat das mit Donald Trump zu tun?

          Starinvestor Warren Buffett, der Vorstandschef der Anlagegesellschaft Berkshire Hathaway, ist ein geduldiger Mann. Geduldiger jedenfalls als sein kauziger Geschäftspartner Charlie Munger. Munger sagte Mitte Februar auf einem Investorentreffen, es sei endlich an der Zeit, dass die Aufsichtsbehörden von der amerikanischen Großbank Wells Fargo „abließen“. Die Bank korrigiere die Fehler im Umgang mit ihren Kunden, und sie werde am Ende „besser dastehen“. Wells Fargo, deren einst exzellenter Ruf Ende 2016 von einem Phantomkonten-Skandal erschüttert wurde, ist seit Jahren eine der größten Beteiligungen von Berkshire.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die Bankenaufseher haben Munger nicht zugehört. Wells Fargo hat jetzt im Rahmen eines Vergleichs mit zwei Behörden einer neuen Strafzahlung von 1 Milliarde Dollar zugestimmt. Die Behörden hatten der Bank vorgeworfen, Kunden unnötige Versicherungen für Autokredite aufgedrängt zu haben. Dazu hat die Bank Hypothekenkunden unlautere Gebühren für die Festsetzung von Zinssätzen berechnet und sich nicht angemessen um Risikomanagement und die Einhaltung von Regularien (Compliance) gekümmert. Es ist die bisher höchste Strafe gegen eine Bank seit Amtsantritt des amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Bei den Behörden handelt es sich um eine Bundes-Bankenaufsicht (Office of the Comptroller of the Currency) sowie um die Verbraucherschutzbehörde für Finanzen (Consumer Financial Protection Bureau/CFPB).

          Gewinnwarnung wegen erwarteter Strafe

          Der Aktienkurs der Bank hängt im Branchenvergleich seit geraumer Zeit deutlich hinterher. Der Wells-Fargo-Kurs hat in den vergangenen zwölf Monaten leicht nachgegeben. Der Kurs des Branchenbarometers KBW Nasdaq Bank Index ist im gleichen Zeitraum allerdings um mehr als 20 Prozent gestiegen. Wells Fargo, die drittgrößte amerikanische Bank nach JP Morgan Chase und der Bank of America, hat vor einer Woche einen Quartalsgewinn von fast 6 Milliarden Dollar bekanntgegeben. Trotz eines Rückgangs des Kreditvolumens übertraf die Bank damit die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten. Die Bank hatte aber schon gewarnt, dass die Quartalszahlen wegen der erwarteten Strafe neu kalkuliert werden müssten.

          WELLS FARGO

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          Das harte Vorgehen der jungen Verbraucherschutzbehörde gegen Wells Fargo ist auf den ersten Blick überraschend, weil Trump die Regulierung der Finanzbranche lockern will und dabei insbesondere die CFPB im Visier hatte. Die Hoffnung auf nachlassende Regulierung war eine wichtige Triebfeder für den Kursaufschwung der Bankaktien im vergangenen Jahr.

          Die Finanz-Verbraucherschutzbehörde wurde mit dem Dodd-Frank-Finanzreformgesetz ins Leben gerufen, das 2010 von einer demokratischen Mehrheit im Kongress als Reaktion auf die Finanzkrise verabschiedet worden war. Die Demokraten hatten die Behörde als unabhängigen und scharfen Wachhund für Banken konzipiert. Republikanern gilt sie als Beispiel für Regulierungswahn. Trump hatte sie auf Twitter schon mal als „totales Desaster“ bezeichnet und den Budgetdirektor des Weißen Hauses Mick Mulvaney zu ihrem kommissarischen Leiter ernannt. Im Fall von Wells Fargo machte der oft unberechenbare Präsident aber eine Ausnahme.

          Schon seit 2016 im Fokus

          „Bußgelder und Strafen gegen Wells wegen des schlechten Umgangs mit ihren Kunden werden nicht fallengelassen, sondern werden verfolgt und, wenn überhaupt, deutlich erhöht. Ich will Regulierung kappen, aber Strafen drastisch machen, wenn man beim Betrug erwischt wird“, twitterte Trump. Für einen Präsidenten ist es höchst ungewöhnlich, sich mit den Details von regulatorischen Verfahren zu beschäftigen, aber der kommissarische Leiter der CFPB setzt offenbar beide Marschbefehle um. Mulvaney versucht die Behörde von innen auszuhöhlen und hat unter anderem keinen einzigen Dollar für den Quartalshaushalt der Behörde beantragt. „Die Behörde ist viel zu mächtig und wird kaum kontrolliert“, schrieb er kürzlich an den Kongress.

          Gleichzeitig drängte er auf eine hohe Strafe gegen Wells Fargo. Losgetreten wurden die Ermittlungen gegen die Bank ebenfalls vom CFPB, das im Oktober 2016 gemeinsam mit anderen Aufsehern eine Strafe von 185 Millionen Dollar wegen der Scheinkonten verhängte. Die Bank hatte in den Jahren davor rund 2 Millionen fiktive und gebührenpflichtige Konten für Kunden der Bank ohne deren Einwilligung eröffnet. Mitarbeiter standen unter hohem Druck, ambitionierte Vertriebsziele zu erreichen. Die stärker als ihre Konkurrenten im Privatkundengeschäft verankerte Bank hatte sich darauf konzentriert, bestehenden Kunden zusätzlich Produkte wie Autokredite oder Kreditkarten anzubieten. Bei dieser Strafe blieb es nicht. Seit Anfang 2016 haben Aufsichtsbehörden und das Justizministerium insgesamt Strafen von 1,5 Milliarden Dollar gegen Wells Fargo verhängt. Die Verfehlungen reichten von der Bestrafung interner Hinweisgeber (Whistleblower) bis zur illegalen Wiederinbesitznahme der Autos von Armeeangehörigen.

          Im Februar hatte dann die Notenbank Federal Reserve in ihrer Rolle als Bankenaufseher Wells Fargo in einem beispiellosen Schritt Fesseln angelegt. Die Fed verfügte, dass Wells Fargo ihre Bilanzsumme von zuletzt 1,95 Billionen Dollar erst wieder steigern dürfe, wenn sie ihre Unternehmensführung und Kontrollen ausreichend verbessere. Das war der Auslöser für Charlie Mungers Ungeduld. Aber es sieht nicht danach aus, dass Wells Fargo jetzt aus dem Visier der Behörden verschwindet. Nach jüngsten Berichten ermitteln Justizministerium und Börsenaufsicht wegen fragwürdiger Geschäftsmethoden der Wells-Fargo-Vermögensverwaltung.

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