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Wall Street : Börsenneulinge enttäuschen die Investoren

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Die Laune an der New Yorker Wall Street trübt sich ein, Börsenneulinge wie Lyft oder Uber enttäuschten bisher. Bild: Reuters

Die Laune an der Wall Street trübt sich ein. Unternehmen wie Lyft und Uber können die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Nun könnte es zum nächsten prominenten Flop kommen.

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          Die Aktienkurse der beiden Fahrdienstvermittler Lyft und Uber sind nach neuerlichen Verlustmeldungen auf neue Tiefststände gefallen. Beide Tech-Unternehmen waren erst im Frühling an die Börse gegangen. „Investoren wollen in Bezug auf Profitabilität ein Licht am Ende des Tunnels sehen“, sagte Fondsmanager Daniel Morgan vom Vermögensverwalter Synovus.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Auch der an der Wall Street seit Monaten mit Spannung erwartete Börsengang des großen Büroraum-Vermittlers Wework droht zum Debakel zu werden. Das unprofitable Unternehmen, das mittlerweile als We Co. firmiert und dessen Börsengang für Ende September oder Anfang Oktober erwartet wird, antizipiert nach Gesprächen mit potentiellen Investoren eine deutlich schwächere als bislang erwartete Bewertung.

          Nach amerikanischen Medienberichten gehen We und seine Investmentbanken angesichts verhaltender Nachfrage derzeit von einer Bewertung um 20 Milliarden Dollar aus. Im Januar war die Gesellschaft noch mit 47 Milliarden Dollar bewertet worden, also mehr als doppelt so hoch.

          Der nächste prominente Flop?

          We Co. wäre der nächste prominente Flop unter lange Zeit hochgehandelten Start-ups, die in diesem Jahr an die Börse drängen. Einige Investoren von We haben offenbar vorgeschlagen, den Börsengang (IPO) auf das kommende Jahr zu verschieben. „Ich habe keine einzige optimistische Stimme gehört“, sagte Rett Wallace, der Vorstandsvorsitzende der auf Börsendebütanten spezialisierten Analysegesellschaft Triton Research.

          Selbst bei Lyft und Uber habe es zuversichtliche Anleger gegeben. Trotz der hochkarätigen Fehlschläge läuft der Markt für Börsengänge insgesamt aber gut. Nach Angaben des Wertpapierhauses Renaissance Capital haben junge Unternehmen in diesem Jahr Aktien im Wert von insgesamt mehr als 42 Milliarden Dollar an den amerikanischen Börsen emittiert – fast ein Viertel mehr als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres.

          Renaissance-Analysten kalkulierten nach den bisher 107 Börsengängen für den Rest des Jahres mit weiteren 50 bis 70 Neulingen. Als weitere Kandidaten für Erstemissionen gelten neben We die Hollywood-Talentagentur Endeavor und Peloton, ein Hersteller von populären Heimtrainern. Als Triebfedern für die anhaltende Nachfrage gelten die insgesamt kräftigen Kursgewinne der Börsenneulinge und ein großer Bestand von Wachstumsunternehmen, die noch nicht börsennotiert sind.

          S&P 500

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          Ein Barometer für Neuemissionen, der Renaissance IPO-Index, ist seit Anfang des Jahres trotz der Rückschläge bei Lyft und Uber um 34 Prozent geklettert. Zum Vergleich: Der breit gefasste Aktienindex S&P 500 liegt in diesem Jahr knapp 19 Prozent im Plus.

          Wichtiger Indikator für die Börsenstimmung

          Der Markt für Börsengänge ist ein wichtiger Indikator für die allgemeine Stimmung an der Börse. Hohe Nachfrage nach jungen Unternehmen deutet auf einen erhöhten Risikoappetit von Investoren hin, da deren Kurse zwar hohes Wachstumspotential versprechen, aber gleichzeitig sehr schwankungsanfällig sind. Investoren scheinen bei Neuemissionen aber stärker auf die Profitabilität oder zumindest auf das Potential zukünftiger Gewinne zu achten. We hatte für die vergangenen zwölf Monate bis Ende Juni einen Verlust von 1,7 Milliarden Dollar ausgewiesen.

          Das 2010 gegründete Unternehmen ist Vorreiter des sogenannten Co-Working. Das Unternehmen mietet langfristig Räumlichkeiten an, bessert sie technisch und optisch auf und vermietet sie dann weiter. Die Büroräume werden gemeinschaftlich genutzt, in ihnen arbeiten in der Regel nicht nur Mitarbeiter eines Unternehmens, sondern eine Mischung aus Freiberuflern und Start-ups. We vermietete seine Räumlichkeiten zuletzt aber auch zunehmend an größere Unternehmen wie den Softwarekonzern Microsoft und den Autohersteller General Motors.

          In den vergangenen Monaten machten Gerüchte die Runde, dass sich der weltgrößte Online-Einzelhändler Amazon.com mit We über die Anmietung des ehemaligen Hauptquartiers des Warenhauses Lord & Taylor in New York befindet. Ein Mietvertrag mit Amazon noch vor dem geplanten Börsengang wurde als wichtiges Gütesiegel in Gesprächen mit potentiellen Investoren gehandelt. Bisher haben sich die Gerüchte noch nicht konkretisiert, und Amazon prüft auch andere Standorte in Manhattan. We hat nach eigenen Angaben in aller Welt 528 Standorte. We hatte zuletzt auch wegen fragwürdiger Unternehmensführung negative Schlagzeilen gemacht.

          Einfluss von Investoren stark begrenzt

          Das Unternehmen gewährte dem Mitgründer Adam Neumann vor einiger Zeit einen Millionenkredit zu sehr günstigen Konditionen und ist Mieter von Gebäuden, zu deren Eigentümern er gehört. Neumann, der in Personalunion Vorstandsvorsitzender und Vorsitzender des eigentlich als Aufsichtsgremium gedachten Verwaltungsrats ist, verfügt zudem über eine Mehrheit der Stimmrechte, die den Einfluss von Investoren stark begrenzen.

          Auch wird immer mehr Kritik am Geschäftsmodell laut, weil We angesichts der eigenen langfristigen Mietverträge im Falle einer konjunkturellen Abkühlung in Schwierigkeiten geraten könnte, wenn Untermieter ihre Mieten nicht mehr zahlen können oder pleitegehen. Außerdem gelten die Markteintrittsbarrieren im Gewerbeimmobilienmarkt als niedrig. Der Immobilienunternehmer Sam Zell hält das Geschäftsmodell von We nicht für sonderlich innovativ. Diese Art von Unternehmen gebe es schon seit den fünfziger Jahren, als die Untervermietung von Büroräumen aufkam. „Jedes Unternehmen in diesem Bereich ist pleitegegangen“, sagte Zell dem Wirtschaftssender CNBC mit Hinweis auf den hohen Verluste von We.

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