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Währungsprognosen : Kann der Euro 2019 auf 0,90 Dollar fallen?

Im Handelsraum der Deutschen Börse AG: Sollten Anleger im Jahr 2019 auf einen steigenden oder fallenden Euro setzen? Bild: Marc-Steffen Unger

Der technische Analyst Heribert Müller macht wieder einmal eine gewagte Prognose: Er sieht den Euro im Abwärtstrend – entgegen der Mehrheitsmeinung vieler Banken.

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          Technische Analysten lieben es, gegen den Strom der Prognosen zu schwimmen. Für diese Außenseiter an der Börse ist eine gute Stimmung gegenüber einer Aktie oder Währung ein Kontraindikator – also ein Signal dafür, dass dieser Anlage wahrscheinlich schwere Zeiten bevorstehen. Denn oft folgt die Stimmung der schon getroffenen Anlageentscheidung. Die Mehrheit der Anleger kauft eine bestimmte Geldanlage zuerst und wird dann – quasi um sich selbst zu bestätigen und sich selbst zu vergewissern – in ihrer Einstellung und in ihren öffentlichen Äußerungen zu ebendieser Anlage positiv bestärkt.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Heribert Müller ist seit mehr als 50 Jahren an der Börse technischer Marktanalyst, und deshalb stimmen ihn „schon von Natur aus“ die Prognosen skeptisch, die von Banken in diesen Tagen abgegeben werden. So zum Beispiel die Mehrheitsmeinung zum Euro, die der europäischen Gemeinschaftswährung für 2019 zum Dollar Aufholpotential zubilligt. Im Durchschnitt schätzen die Analysten der großen Banken in diesen Tagen, dass der Euro von Kursen um derzeit 1,14 im kommenden Jahr auf 1,17 Dollar klettern wird. Die größten Optimisten trauen dem Euro für das Jahr 2019 sogar einen Sprung auf 1,24 Dollar zu.

          Müller vertritt dagegen eine ganz andere Meinung, was nicht überrascht. Denn Müller fällt sogar innerhalb der kleinen Gruppe der technischen Analysten mit besonders gewagten Prognosen auf. Vor gut fünfzehn Jahren veröffentlichte die F.A.Z. unter der Überschrift „Der Euro klettert bis zum Jahr 2011 auf 1,80 oder gar 2 Dollar“ erstmals eine Analyse Müllers. Es folgten weitere Außenseiterprognosen wie im August 2004 die Prognose „Der Ölpreis steigt auf mindestens 61 Dollar“ oder im Sommer 2006 „Der Dax wird langfristig unter 2000 Punkte fallen“. Fast immer erwiesen sich Müllers Aussagen als übertrieben (nicht so beim Öl), aber zumindest in der Tendenz oft als richtig. Für das Jahr 2018 rechnete Müller mit Blick auf die Aktienmärkte mit „überraschend deutlich ausfallenden Korrekturen“ der Kurse nach unten und behielt damit recht. Jetzt wagt sich Müller abermals mit einer überraschenden Prognose für den Euro hervor.

          Klare Muster statt „Seitwärtsbewegungen“

          Von Krefeld aus, fern der Frankfurter Börse, beginnt Müller seine Prognosen stets mit einer Vergangenheits- und Zustandsbeschreibung des Marktes. Dabei leitet Müller die Überzeugung, dass die Kurse von Menschen gemacht werden und dass diese Menschen in ihrem Verhalten zumindest unbewusst ganz bestimmten Mustern folgen. Das wiederum bildet sich dann in den langfristigen Kursverläufen ab. Für den Euro, den es an den Kapitalmärkten erst seit Jahresanfang 1999 und in den Taschen der Menschen erst seit dem Jahr 2001 gibt, hat Müller den Wert in Dollar bis in das Jahr 1956 zurückgerechnet. Beim Blick auf den Kursverlauf erkennt Müller ein Muster aus fünf ausgeprägten mehrjährigen Bewegungen. Er nennt sie „Megawellen“: Dreimal ging es aufwärts, dazwischen zweimal abwärts. Aus diesem Kursbild leitet Müller eine zentrale Interpretationsthese ab: „Welle V könnte der Euro bei 1,5991 Dollar komplettiert haben. Damit könnte der Euro schon 2008 seinen seit 1956 zu beobachtenden Aufwärtstrend beendet haben.“

          Für Müller gibt es nichts Halbes und nichts Ganzes. Was andere technische Analysten vielleicht als „Seitwärtsbewegung“ bezeichnen würden, hat für den Anhänger der Elliott-Wellen-Theorie immer eine klare Bewegung, will heißen: In der Grundrichtung geht es für ein Wertpapier oder eine andere Geldanlage im Wert entweder klar auf- oder klar abwärts. „Falls der Euro im Jahr 2008 tatsächlich seinen jahrzehntelangen Aufwärtstrend beendet hat, befände er sich seit 2008 auch schon in einem Abwärtstrend, also einem Bärenmarkt“, sagt Müller. Das hätte große Konsequenzen für 2019.

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