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Währungskrise : Die Türkei besteuert Dollar und Euro

Emine und Recep Tayyip Erdogan beim Parteikongress Mitte August. Bild: dpa

Die türkische Lira ist schwach. Türken sollten Dollar und Euro verkaufen, findet Präsident Erdogan – doch seine Landsleute hören nicht hin. Deshalb greift die Regierung jetzt zu härteren Maßnahmen.

          Bisher haben die Appelle des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, zur Stützung der Lira Devisen zu verkaufen, nicht viel bewirkt. Deshalb schafft die Regierung jetzt fiskalische Anreize. Am Freitag erhöhte sie die Steuern auf Dollar- oder Euro-Einlagen und senkte sie für Lira-Guthaben. Daraufhin stabilisierte sich die Lira etwas, nachdem sie am Donnerstag 5 Prozent verloren hatte. Unterdessen wurde bekannt, dass der Vizegouverneur der Zentralbank, Erkan Kilimci, zur Entwicklungsbank wechselt. Möglicherweise reagiert er damit auf einen Erlass, wonach Erdogan die Personalentscheidungen an der Spitze der Notenbank allein treffen kann.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Seit Jahresbeginn hat die Lira mehr als 40 Prozent eingebüßt. Die Währungskrise ist gravierend für Banken und Unternehmen. Sie lässt verschuldete Privatleute aber kalt. Das liegt daran, dass diese seit der Krise von 2009 keine Verbindlichkeiten in Fremdwährung mehr aufnehmen dürfen. Darlehen in Devisen sind für Privathaushalte dann interessant, wenn die Zinsen niedriger sind als zuhause. Das führte zum Beispiel in Ungarn, Polen und Rumänien zu einer massiven Kreditaufnahme in Schweizer Franken. Doch als dieser kräftig an Wert zulegte, gerieten viele Schuldner in Schwierigkeiten.

          „Das Risiko liegt eher bei den Unternehmen“

          Diese Schwierigkeit habe die Türkei nicht, sagen Volkswirte, die Devisenkredite der Haushalte seien annähernd null. „Hier besteht kein systemisches Risiko, das liegt eher bei den Unternehmen“, sagt Richard Grieveson, Türkei-Ökonom am Wiener Institut WIIW. Besonders heikel sei die Lage in der Immobilienwirtschaft, die zu geringe Einnahmen in Valuta habe. Bisher hätten die Banken die Verluste abfedern können: „Aber der derzeitige Lira-Ausverkauf bedeutet, dass sie wahrscheinlich bald Probleme bekommen werden“. Die Gesamtforderungen gegenüber der Türkei belaufen sich auf 80 Milliarden Dollar und 70 Milliarden Euro. Das meiste davon betrifft Banken und Betriebe.

          TRY/USD

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          Während der Dollar-Teil seit 2008 kaum gestiegen sei, hätten sich die Euro-Schulden verdoppelt, sagt Gunter Deuber, Leitender Volkswirt von Raiffeisen Research. Dahinter stünden kurzfristige Baufinanzierungen. Es sei völlig unklar, was passiere, wenn die Forderungsposition rasch geschlossen würden. Nach WIIW-Berechnungen betrug im August der Anteil der Devisenschulden an allen Bankverbindlichkeiten 35,3 Prozent. Das waren 8 Punkte mehr als zu Beginn des Jahres, was eine Verdopplung seit 2010 bedeutete. Alle Fremdwährungsschulden des Staates, der Banken und Unternehmen zusammengenommen sind seitdem von rund 40 Prozent der Wirtschaftsleistung auf fast 70 Prozent gestiegen. Nirgendwo auf der Welt ist der Wert höher.

          Weil Bürger diese Last nicht direkt spüren, kann sich Erdogan den dringend gebotenen Zinserhöhungen widersetzen, ohne dass sein Rückhalt im Volk bröckelt. WIIW-Experte Grieveson gibt aber zu bedenken, dass es durchaus zu einer politischen Erosion kommen könnte. Zum einen führten die Belastungen der Unternehmen zu Personalabbau. Zum anderen leide die Entwicklung der Reallöhne unter der hohen Inflation. Der Anstieg der Bruttobezüge im zweiten Quartal um 13Prozent sei vom ähnlich hohen Preisauftrieb aufgezehrt worden. „Falls sich die Sache zu einer Wirtschaftskrise ausweitet, wird der Rückhalt für die Regierungspartei AKP in jedem Falle leiden“, erwartet Grieveson.

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