https://www.faz.net/-gv6-9919c

Währungen im Abwärtsstrudel : Warum Lira, Rubel & Co taumeln

  • Aktualisiert am

Die Aussicht auf neue amerikanische Sanktionen belastet den russischen Rubel. Bild: dpa

Lange profitierten aufstrebende Volkswirtschaften von den Niedrigzinsen in den Industrieländern. Massenweise fließt Kapital in Schwellenländer. Doch der Geldstrom lässt nach - mit erheblichen Auswirkungen auf die einstigen Boomländer-Währungen.

          Seit Jahren locken Schwellenländer Geldgeber, die wegen der historisch niedrigen Zinsen in den Wirtschaftsmächten auf der Suche nach Profit auch Risiken in Kauf nehmen. Doch jetzt sorgen der amerikanische Handelsstreit mit China, neue Russland-Sanktionen sowie die Zuspitzung im Syrien-Krieg für Verunsicherung. Anleger ziehen ihr Geld aus aufstrebenden Ökonomien ab - und bringen deren Währungen ins Taumeln. Die türkische Lira fällt von einem Rekordtief zum nächsten, der russische Rubel stürzt ab. Auch andere Schwellenländerwährungen geraten unter Druck. Neben dem globalen Umfeld trägt aber auch die Politik der Länder erheblich zu den Problemen bei.

          Rubel

          Nach der Ankündigung neuer amerikanischer Sanktionen hat die russische Währung allein diese Woche mehr als 10 Prozent ihres Wertes verloren. Am Mittwoch mussten für einen Dollar erstmals seit Ende 2016 über 65 Rubel gezahlt werden. Die Sanktionen treffen Russland ins Mark. Sie richten sich gegen 38 Firmen und Einzelpersonen, darunter sieben Oligarchen. Betroffen sind einige der reichsten Russen und deren Firmen, die eng mit Präsident Wladimir Putin verbunden sind.

          „Die Sanktionen sollen es den Unternehmen so gut wie unmöglich machen, ihre Geschäfte in Dollar abzuwickeln“, sagt Eugen Weinberg, Experte bei der Commerzbank. Auch der Staat ist betroffen. Das Finanzministerium hat bereits eine für Mittwoch vorgesehene Anleiheauktion abgesagt. Warnungen Trumps, Raketen nach Syrien zu schicken, sorgten zuletzt für zusätzlichen Druck.

          Lira

          Die türkische Währung stürzt ins Bodenlose. Am Mittwoch mussten für einen Dollar bis zu 4,19 Lira und für einen Euro 5,19 Lira hingeblättert werden - beides ist so viel wie nie zuvor. Die globale Verunsicherung macht der Währung zu schaffen, aber das eigentliche Problem liegt tiefer. Experten verweisen darauf, dass die türkischen Importe die Exporte chronisch übersteigen. Zudem ist die Inflation mit über 10 Prozent extrem hoch, ohne dass die Notenbank die Zinsen deutlich anhebt.

          Trotz einer guten Konjunktur fordert Staatschef Recep Tayyip Erdogan sogar Zinssenkungen. Experten warnen: Es drohe eine Überhitzung der Wirtschaft, also eine durch günstige Kredite zu hohe Produktion, die die Nachfrage übersteigt und in eine Stagnation oder gar Rezession umschlägt. Die Zentralbank „hat und wird notwendige Maßnahmen ergreifen, wenn dies erforderlich ist“, versicherte Ministerpräsident Binali Yildirim am Mittwoch.

          Real

          Die brasilianische Währung hat innerhalb gut eines Monats sieben Prozent an Wert verloren und ist diese Woche auf den schwächsten Stand seit Ende 2016 bei 3,43 Real je Dollar gefallen. Zwar ist Brasiliens Wirtschaft nach zwei Jahren Rezession zuletzt wieder gewachsen. Das Land schreckt aber Anleger wegen einer hohen Verschuldung und vor allem wegen politischer Turbulenzen ab.

          Gegen Staatschef Michel Temer wird wegen Korruptionsvorwürfen ermittelt. Der laut Umfragen aussichtsreichste Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen im Oktober, Ex-Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva, ist bereits wegen Korruption zu einer Haftstrafe verurteilt. Seine Arbeiterpartei (PT) hält aber trotzdem an seiner Kandidatur fest. Wirtschaftlich bedrohen zudem die amerikanischen Strafzölle Brasilien als zweit wichtigsten Stahllieferanten der Vereinigten Staaten.

          Rand

          Südafrikas Währung geriet zuletzt unter Druck und verlor innerhalb von gut zwei Wochen rund vier Prozent an Wert. Ähnlich wie in Brasilien war der Kurs der Landeswährung in Südafrika lange Zeit stark durch politische Skandale bestimmt. Unter anderem durch unberechenbare Personalwechsel im Finanzministerium hatte Ex-Präsident Jacob Zuma die Landeswährung immer wieder stark unter Druck gebracht. Seit dem Amtsantritt seines Nachfolgers Cyril Ramaphosa im Februar hat sich die Lage zwar beruhigt. Jetzt ist der Rand aber wieder auf den schwächsten Stand seit Zumas Sturz gefallen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Jahr beendet, Saison noch nicht: Arjen Robben bei Bayern München.

          Bayern München : Fußball-Jahr für Robben beendet

          Seine Bayern-Karriere endet am Saisonende. Nun geht Robben auch verfrüht in die Winterpause. Trainer Kovac bezeichnet derweil Sportdirektor Salihamidzic und sich als „bad boy und good boy“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.