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Norwegischer Pensionsfonds : Staatsfonds verkauft Hälfte der VW-Beteiligung

  • -Aktualisiert am

Yngve Slyngstad steuert den norwegischen Staatsfonds. Bild: EPA

Der erste Verlust seit 2011 und das zweitschlechteste Ergebnis seit 1998. Das ist die Jahresbilanz von Norwegens Staatsfonds. Eine Aktienbeteiligung wurde drastisch zurückgefahren.

          Der norwegische Pensionsfonds, einer der größten Staatsfonds der Welt, hat angesichts der Kursschwankungen an den internationalen Aktienmärkten im vergangenen Jahr Einbußen verkraften müssen. Die Rendite des auch als Ölfonds bekannten Finanzbestands des skandinavischen Landes fiel 2018 um 6,1 Prozent, wie Norwegens Zentralbank am Mittwoch bekanntgab.

          Das entsprach einem Verlust von 485 Milliarden norwegischen Kronen (umgerechnet fast 50 Milliarden Euro). Der Fonds verbuchte damit den ersten Verlust seit 2011 und das zweitschlechteste Ergebnis seit dem Jahr 1998.

          Der Wert des Staatsfonds betrug Ende 2018 nach Angaben der Norwegischen Notenbank 8256 Milliarden Norwegische Kronen (umgerechnet 850 Milliarden Euro). Noch ein Jahr zuvor hatte der Fonds ein Rekordergebnis erzielen können. Für das schlechte Ergebnis war vor allem das Aktiengeschäft des Fonds verantwortlich.

          Die Aktienanlagen des Fonds erzielten demnach eine Rendite von minus 9,5 Prozent. Für das schwache Ergebnis machte der Fonds vor allem die Entwicklung der Aktienanteile im Bereich der Rohstoff-, Konsumgüter- und Automobilindustrie im Portfolio verantwortlich. VW-Aktien scheinen hingegen nicht mehr so in der Gunst des Fonds zu stehen. Im vergangenen Jahr wurde über die Hälfte der noch 2017 mit 11.091 Millionen Kronen bewertete Anteile an Volkswagen verkauft. In der Bilanz für 2018 führt der Fonds lediglich für VW einen Aktienwert von 5278 Millionen Kronen (umgerechnet 542 Millionen Euro) auf.

          Investitionen in Anleihen und festverzinsliche Wertanlagen brachten dagegen ein minimales Plus von 0,6 Prozent, und Erträge aus dem Immobiliengeschäft ergaben ein Plus von 7,5 Prozent.

          Slyngstad hält an Anlagestrategie fest

          Die norwegische Notenbank betonte bei der Präsentation der Zahlen, dass die Anlageklasse Aktien auch künftig eine wichtige Rolle in der Strategie des Fonds spiele. Die Aktiengewichtung hatte im Laufe der Jahre deutlich zugenommen und die Rendite aus Aktienanlagen sei, so Yngve Slyngstad, der Vorstandsvorsitzende des norwegischen Staatsfonds, jetzt noch wichtiger für die Gesamtperformance des Fonds als in den vergangenen Jahren. Bereits 2017 wurde beschlossen, den Anteil der Aktiengeschäfte des Fonds auf 70 Prozent anzuheben. Ende 2018 lag dieser bei 66,3 Prozent, 3,0 Prozent in Immobilien und 30,7 Prozent in festverzinslichen Wertpapieren.

          Der Staatsfonds, der im Durchschnitt 1,4 Prozent der globalen Aktien hält, wird von vielen Börsenexperten immer wieder als Musterbeispiel für den erfolgreichen Vermögensaufbau mit Aktien herangezogen. Der norwegische Staat darf jedes Jahr aber dafür nur maximal drei Prozent des Wertes in den Haushalt des Fonds überführen. Dieses Geld kommt vor allem aus den Einnahmen aus der norwegischen Öl- und Gasförderung. Verwaltet wird er von der Notenbank des Landes, im Auftrag des Finanzministeriums.

          Der Anlagehorizont des Fonds ist sehr langfristig und basiert auf der Erwartung, dass ethische Entscheidungen hier und jetzt tatsächlich wirtschaftlich sinnvoll sind. Entsprechend ist es dem Fonds nicht erlaubt, sich an Unternehmen zu beteiligen, die beispielsweise der Umwelt schaden, Kinder beschäftigen oder Waffen produzieren. Mit Blick auf mehrere Generationen erwartet der Fonds, dass Aufmerksamkeit für den Schutz der Meere und des Klimas finanzielle Vorteile bieten.

          Fokus liegt auf Amerika

          Der Staatsfonds von Norwegen ist in mehr als 9000 Unternehmen in mehr als 70 Ländern investiert. Zu den größten Positionen gehören derzeit die Tech-Riesen Microsoft, Apple, Alphabet und Amazon. Diese Anteile zeigen deutlich auf, wie stark der Fonds auf Nordamerika setzt. Der Fonds ist mit fast 40 Prozent seines Aktienanteils in Konzerne aus den Vereinigten Staaten investiert.

          Ebenso unter den größten zehn Aktien-Investitionen befinden sich europäische Großkonzerne wie Nestlé, Royal Dutch Shell, Roche oder Novartis. Deutsche Dax-Konzerne sind hingegen nicht aufgelistet. Die größten Positionen 2018 bei Anleihen waren derweil amerikanische, japanische und deutsche Staatsanleihen.

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          Slyngstad machte deutlich, dass die Investitionen in Aktien langfristig ausgerichtet seien, das Management auf erhebliche Schwankungen der Rendite des Fonds von Jahr zu Jahr vorbereitet wäre und man die Rendite des Fonds daher im längeren Zeitverlauf bewerten müsse. Die Vergangenheit gibt ihm Recht:

          Auf Sicht der vergangenen zehn Jahre konnte der Fonds im Schnitt eine jährliche Rendite von 5,5 Prozent erwirtschaften. Die Nettorendite nach Abzug der Inflations- und Verwaltungskosten betrug durchschnittlich in diesem Zeitraum 3,6 Prozent.

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