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Betriebssystem Android : Googles Macht über die Handys

LG, HTC, Huawei, Blackberry, Motorola, Samsung: Auf all diesen Smartphones läuft das Betriebssystem von Google. Bild: Frank Röth

Vier von fünf Smartphones laufen mit Googles Betriebssystem Android. Die EU will das ändern. Was haben wir davon?

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          Marktmacht springt nicht immer gleich ins Auge, sie kann auch diskret daher kommen. Selbst im Fall von Google und seiner Muttergesellschaft Alphabet. Dass der amerikanische Internetkonzern mit seiner Suchmaschine eine dominierende Stellung hat, mögen die meisten mitbekommen haben. Aber schon bei den Smartphones sorgen die Fakten noch für Überraschung. Denn: Google ist überall. Mit seinem Betriebssystem Android herrscht es über die ganze Smartphone-Welt außerhalb der überraschend kleinen aber elitären iPhone-Exklave von Apple. Dabei baut Google selbst nur ein einziges Modell: Pixel. Aber viele andere, ob Samsung, Motorola, Sony, Huawei, HTC oder LG nutzen das kostenlose Android-System mit all den handlichen Google-Applicationen: die Karten-App Maps, die Suchmaschine, das E-Mail-Programm, um nur einige zu nennen.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          In nackten Zahlen bedeutet das: 3,2 Milliarden Smartphones gibt es auf der Welt, in mehr als 80 Prozent der Geräte steckt das Betriebssystem von Google. Apple mag zwar in der öffentlichen Wahrnehmung alles dominieren, doch der kalifornische Hersteller zählt nicht einmal 20 Prozent der Smartphone-Nutzer zu seinen Kunden. So viel Dominanz ist selten.

          Mag der Kunde auch ignorant sein – die Wettbewerber und die dazu gehörigen Interessenverbände sind es nicht. Ganz im Gegenteil: Sie sind entrüstet. Google missbrauche seine Marktmacht, setze Geschäftskunden unter Druck, schließe Wettbewerber aus. Doch viel wichtiger: Auch die zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager scheint davon überzeugt zu sein. In den kommenden Wochen, so mutmaßt man in Brüssel, wird sie gegen den Konzern ein saftiges Bußgeld in Milliardenhöhe verhängen und strenge Auflagen machen, die Googles Marktmacht brechen sollen.

          Das stößt auf viel Applaus: „Inzwischen glaubt niemand mehr, dass Google fair spielt“, sagt etwa Thomas Höppner, Partner der Kanzlei Hausfeld in Berlin, der in dem Verfahren den Beschwerdeführer Open Internet Project sowie den Bundesverband deutscher Zeitungsverleger vertritt. Andere Suchmaschinenbetreiber bekämen keinen Fuß in die Tür.

          Die Wurzel von Googles Macht

          Es wäre nicht das erste Bußgeld, das sich Google einfängt. Zu rund 2,4 Milliarden Euro wurde der Konzern schon im vergangenen Jahr wegen seines Shopping-Dienstes verdonnert. Aber das Android-Verfahren, da sind die Verfahrensbeteiligte und Beobachter ungewöhnlich einig, sprengt die bisherigen Dimensionen. „Es wird massive Auswirkungen auf die künftige Entwicklung von Smartphones und Tablets haben“, sagt etwa der Kölner Kartellrechtsprofessor Torsten Körber. Die Google-Gegner formulieren es schärfer: „In dem Verfahren geht es um die Wurzel von Googles Macht“, sagt Höppner. „Google möchte sicherstellen, dass es auch noch in zwanzig Jahren überall präsent ist.“ Das Problem ist: Ob das dem Kunden nutzt oder eher schadet, ist noch nicht ausgemacht. Auch das macht das Verfahren so ungewöhnlich.

          In Kartellverfahren lässt sich der Übeltäter normalerweise leicht ausmachen. Wer seine Marktmacht missbraucht, schadet dem Wettbewerb und kassiert zu hohe Preise. Im Fall von Google liegt die Sache aber schon seit jeher anders: Google investiert Milliarden in seine Produkte, in das Betriebsystem, die Suchmaschine, den Navigationsdienst oder das E-Mail-Programm - und verschenkt sie an Geschäftspartner und Kunden. Von seinen Nutzern will der Konzern nur die Daten, damit er seine Dienste immer besser machen kann.

          Sicherlich nicht aus reiner Nächstenliebe. Google hat es schon immer meisterlich verstanden, seine Marktmacht zu Geld zu machen – indem es Dritte zahlen lässt. Sollen doch die Werbekunden die Rechnung begleichen. Je mehr Menschen die Dienste nutzen, desto mehr kann Google für seine Werbeflächen einkaufen. Seine ungeheuren Einnahmen macht der Konzern vor allen Dingen über Werbung, allein 26 Milliarden Dollar im ersten Quartal dieses Jahres. Nur wenn Google omnipräsent ist, fließt das Geld. So war es jedenfalls bisher. Jetzt werden Überlegungen laut, ob Google künftig sein Geschäftsmodell umstellt. Wird er womöglich bald zu einem zweiten Apple: geringere Marktmacht, aber höhere Preise?

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