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Rocket Internet : Was Börsengänge aus dem Samwer-Reich Anlegern brachten

  • -Aktualisiert am

Logo von Rocket Internet auf der Hauptversammlung Bild: dpa

Unternehmen aus dem Portfolio von Rocket Internet bescherten Anlegern teils große Verluste. Auch beim bevorstehenden nächsten Börsengang ist Vorsicht geboten.

          Die Start-up-Schmiede Rocket Internet hat seit ihrer Gründung im Jahr 2007 schon fünf ihrer Beteiligungen an die Börse gebracht. Ihnen soll jetzt auch die Global Fashion Group aus dem Reich der Unternehmer-Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer aufs Parkett folgen.

          Anleger können dank der Rocket-Pipeline regelmäßig in neue Aktien junger und schnell wachsender Digitalunternehmen investieren. Doch ihnen sollte klar sein, dass sie dabei stark ins Risiko gehen – wahrscheinlich deutlich stärker als etwa bei den Börsengängen von schon seit Jahrzehnten erprobten Geschäftseinheiten von Traditionsunternehmen wie Healthineers (Siemens), DWS (Deutsche Bank) oder Traton (Volkswagen).

          Anleger gehen stark ins Risiko

          Aus Sicht der Unternehmensberatung Blättchen & Partner aus München sind die von Rocket Internet auf den Kapitalmarkt geschickten Unternehmen üblicherweise nicht börsenreif. „Das hohe Risiko einer erfolgreichen Unternehmensentwicklung muss mit dem Börsengang von den Anlegern mitgetragen werden“, schreiben Konrad Bösl und Konstantin Dudeck von Blättchen & Partner. Die Berater haben sich angeschaut, wie sich die Kurse der fünf börsennotierten Unternehmen aus dem Hause Samwer entwickelt haben.

          Ihre Ergebnisse: Nur die Aktienkurse des Modehändlers Zalando und des Lieferdienstes Delivery Hero schafften gegenüber dem Ausgabepreis eine positive Entwicklung und schnitten besser ab als der Gesamtmarkt. Als Vergleichsmaßstab zogen die Münchner Berater den CDax heran, der alle deutschen Aktien enthält und damit ein breiteres Bild vermittelt als etwa der Dax.

          Die Online-Möbelhändler Home24 und Westwing Group dagegen bescherten Anlegern seit ihrem Börsengang im vergangenen Jahr katastrophale Verluste. Gemessen am Streubesitz wurden 430 Millionen Euro Kapital vernichtet. Verglichen mit dem Jahr vor dem Börsengang konnten diese beiden Unternehmen zudem ihre Handelsumsätze kaum steigern. Auch der Aktienkurs des Kochboxenversenders Hello Fresh liegt gegenüber dem Ausgabepreis 22 Prozent im Minus und hinkt dem CDax um 14 Prozent hinterher.

          Aus Sicht von Blättchen & Partner sollten Anleger ausgehend von den bisherigen Erfahrungen ein Investment in Beteiligungsunternehmen von Rocket Internet grundsätzlich sehr kritisch prüfen. Alle Beteiligungen hätten im Geschäftsjahr vor ihrem Börsengang ein negatives Betriebsergebnis ausgewiesen, haben also vor Zins- und Steuerzahlungen Verluste gemacht. Auch vom bevorstehenden Börsendebüt der Global Fashion Group sei nicht viel zu erwarten, es bestehe sogar die Gefahr, dass sich die katastrophalen Kursentwicklungen wie bei den jüngsten Börsengängen aus dem Rocket-Portfolio wiederholten.

          Die unter der Global Fashion Group verwalteten Online-Modehändler sind in Schwellenländern wie Brasilien tätig, in denen der Online-Handel noch großes Potential hat. Das Management erwartet daher ein starkes Wachstum des Geschäfts. Aus Sicht von Blättchen & Partner können Anleger wegen der intransparenten Absatzmärkte die Geschäftsentwicklung jedoch kaum beurteilen.

          ROCKET INTERNET SE

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          Trotz der sehr durchwachsenen Zwischenbilanz konnten Anleger an den Börsengängen aus dem Hause Samwer verdienen. Dafür mussten sie allerdings schnell genug verkaufen. Denn laut der Studie erzielten alle an die Börse gegangenen Samwer-Beteiligungen an ihrem ersten Handelstag Zeichnungsgewinne.

          Die Start-up-Fabrik Rocket Internet selbst ist ebenfalls börsennotiert. Der Aktienkurs von Rocket liegt seit dem Börsengang 43 Prozent im Minus – obwohl das Unternehmen an den Börsengängen aus seinem Portfolio viel verdient hat. Ob Anleger noch auf eine Erholung hoffen können, ist nicht sicher, denn Rocket Internet liebäugelt laut Medienberichten mit einem Rückzug von der Börse.

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