https://www.faz.net/-gv6-9iftm

Vor Handelsgesprächen : Soja wird teurer

Sortierte Sojabohnen: Amerika Bauern haben anstelle der Chinesen nun neue Abnehmer gefunden. Bild: dpa

Als China im vergangenen Sommer hohe Zölle auf amerikanisches Soja verhängte, stürzte der Sojapreis ab. Vor den neuen Verhandlungsrunden zeigt sich vorsichtiger Optimismus - unterstützt von Plänen der EU für Biotreibstoff.

          2 Min.

          Die Importe von Soja aus den Vereinigten Staaten in die Europäische Union sind im zweiten Halbjahr 2018 um 112 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Dies sei Teil der Umsetzung der Handelsabsprachen mit Amerikas Präsident Donald Trump, teilte die EU-Kommission am Montag in Brüssel mit. Sie veröffentlichte die Zahlen einen Tag vor einer weiteren Gesprächsrunde von Handelskommissarin Cecilia Malmström mit dem US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer in Washington.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Juncker und Trump hatten im Juli in Washington den Handelskonflikt beider Seiten vorerst entschärft und Gespräche über ein neues Handelsabkommen verabredet. Teil der Vereinbarung war, den Import bestimmter Produkte in die EU wie etwa Sojabohnen auszuweiten.

          Seither haben die Vereinigten Staaten Brasilien als größten Soja-Lieferanten der EU abgelöst. Der Anteil von Sojabohnen aus den Staaten steig auf 75 von 39 Prozent, das sind umgekehrt 28 Prozent der gesamten Sojaexporte der Vereinigten Staaten. Für amerikanische Farmer, die für Trump eine wichtige Wählergruppe sind, ist dies also ein bedeutender Absatzmarkt geworden.

          Soja im Tank

          Hintergrund der Verschiebung ist eine Änderung der Lieferströme nach den von Trump gegen China verhängten Schutzzöllen. Zudem war amerikanisches Soja zuletzt billiger als brasilianisches. Die EU-Kommission räumte ein, dass die Entwicklung auf günstige Marktbedingungen zurückging. Eine politische Entscheidung zur weiteren Erhöhung der Sojaimporte wurde indes im Dezember getroffen: Die EU-Kommission bereitet die Zulassung von Soja als Biotreibstoff vor. Derzeit wird Soja in der EU vor allem als Futtermittel in der Landwirtschaft und für die Milchproduktion benötigt.

          Der Preis für Sojabohnen reagierte am Montag nur wenig und legte gerade einmal 0,6 Prozent auf 915 3/4 Cent je Scheffel (bushel) zu.  Allerdings entwickelt er er sich schon seit September nach oben und hat seitdem um rund ein Achtel zugelegt.

          Die Anleger hoffen darauf, dass die beginnenden Handelsgespräche Fortschritte bringen und vor allem den Sojaexport nach China wieder in Schwung bringen werden. Die Käufe aus China seien für die Preisentwicklung von Soja aus den Vereinigten Staaten ein Schlüsselelement, sagen Händler. Eine echte Rally sei allerdings solange unwahrscheinlich, wie Peking die Importzölle beibehalte. Die Vereinigten Staaten säßen auf einer ganzen Menge Soja.

          Allerdings wird kolportiert, dass es mittlerweile wieder Preisanfragen chinesischer Importeure gebe, wenn auch noch keine Käufe. Die letzten großen Käufe habe China mit 1,2 Millionen Tonnen zur Lieferung im August 2019 svor Weihnachten getätigt

          Zudem scheinen die Aussichten auf eine weitere Rekordernte in Südamerika zu schwinden. So befürchten einige Pflanzer in Brasilien Dürreschäden. Analysten gehen nun nur noch von rund 115 Millionen Tonnen aus, wo sie vorher mehr als 120 Millionen Tonnen prognostiziert hatten.

          In Argentinien verzögert Regenidie Aussaat und die Pflanzenentwicklung. Bis zum 26. Dezember seien nur 61 Prozent der geplanten Flächen mit Sojabohnen als Zweitfrucht bestellt gewesen, knapp fünf Prozentpunkte weniger als im Jahr 2017, berichtet der Branchendienst Top Agrar Online. Die bislang eher ungünstige Witterung verzögere auch die Entwicklung der Feldbestände. So blühten Ende Dezember erst ein Fünftel der Pflanzen in den früheren Regionen, zum Vorjahreszeitpunkt war es bereits ein Drittel gewesen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Will nicht weichen: Baschar al Assad am Mittwoch in Idlib

          Syrien-Konflikt : Wer Schutz verspricht, muss schützen

          Seit Jahren wird über sichere Zonen in Syrien diskutiert, doch nie waren die Umstände widriger. Nato-Mitglieder zweifeln an Deutschlands Motiven – derweil spielen russische und türkische Einsatzkräfte vor Ort ihre Macht aus.
          Das war nichts: Axel Witsel (Zweiter von links) und Borussia Dortmund verlieren in Mailand.

          Pleite in Champions League : Enttäuschende Vorstellung des BVB

          Beim 0:2 gegen Inter Mailand bleiben die Dortmunder vieles schuldig: Es fehlt weiter an Tempo und Überraschungsmomenten. Besonders eine Situation dürfte die Borussia deshalb besonders ärgern.
          Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow im September bei der Kartoffelernte in Heichelheim.

          Linkspartei in Thüringen : Ganz anders als gedacht

          In Thüringen führt Bodo Ramelow seit fünf Jahren die erste rot-rot-grüne Regierung. Am Sonntag will er wiedergewählt werden. Selbst ohne eigene Mehrheit könnte er im Amt bleiben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.