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Volks- und Raiffeisenbanken : Ein Vorbild für die Deutsche Bank

Die Volksbanken in Deutschland arbeiten profitabel. Bild: dpa

Sehr profitabel und effizient präsentiert sich der Verbund der Volksbanken. Sorgen bereiten aber Niedrigzinsen und Regulierung.

          3 Min.

          Dieser Vergleich wird in den Doppeltürmen der Deutschen Bank wenig Freude aufkommen lassen: Der Verbund der Volks- und Raiffeisenbanken hat im vergangenen Jahr in den wichtigsten Kennziffern Deutschlands größte Bank deutlich geschlagen. Der Jahresüberschuss in der konsolidierten Rechnung im genossenschaftlichen Finanzverbund, der sich unter anderem aus den 915 Volks- und Raiffeisenbanken, dem Spitzeninstitut DZ Bank sowie Verbundunternehmen wie der Bausparkasse Schwäbisch Hall oder der Fondsgesellschaft Union Investment zusammensetzt, hat im vergangenen Jahr nach Steuern 6,1 Milliarden Euro betragen.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Deutsche Bank, die jüngst mit ihren vorläufigen Zahlen zum zweiten Quartal nach langer Zeit wieder positiv überraschen konnte, musste im Jahr 2017 den dritten Verlust in Folge ausweisen. Während die Genossenschaftsbanken nur 0,65 Euro aufwenden müssen, um einen Euro zu verdienen, waren es bei der Deutschen Bank gut 0,93 Euro.

          Niedrigzinsen weitgehend kompensiert

          Ohne auf die benachbarte Konkurrenz hinzuweisen, sprach Marija Kolak, seit Jahresanfang Präsidentin des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), von einem abermals erfolgreichen Jahr. Besonders erfreulich: Der Zinsüberschuss bliebt mit 18,6 Milliarden Euro nur geringfügig unter dem Vorjahresniveau. BVR-Vorstandsmitglied Andreas Martin begründete dies mit den Volumensteigerungen insbesondere im Kreditgeschäft mit mittelständischen Unternehmen und in der privaten Baufinanzierung.

          Damit sei es der Gruppe über alle Segmente gelungen, die Belastungen der Niedrigzinsen weitgehend zu kompensieren. Doch der Blick nach vorn ist von Vorsicht geprägt. Martin erwartet, dass das Zinsergebnis weiterhin unter Druck bleiben werde und die strengeren Vorgaben in der Regulierung die Ressourcen belasten würden.

          Kolak sieht neben Handelskonflikten und der Gefahr eines ungeregelten EU-Austritts Großbritanniens ein weiteres großes Risiko in Italien. Den wirtschaftspolitischen Kurs der neuen Regierung bezeichnete sie als Unsicherheitsfaktor. „Aufgrund der Größe des Landes, der hohen Staatsverschuldung und der Risiken im Bankensektor können die Wirtschaftsentwicklung und die Finanzstabilität im Euroraum beeinträchtigt werden“, warnte sie. Es sei ganz entscheidend, dass Italien eine für das Land und für Europa verantwortungsvolle Politik betreibe. „Denn Italien hat für die Eurozone quasi systemische Bedeutung.“

          Ihren Worten zufolge benötigt ein starkes Europa eine hohe wirtschaftliche Krisenfestigkeit der EU-Staaten – besonders des Euroraums. Kolak hält es für ein Versäumnis, dass bislang zu wenige Länder die Niedrigzinsphase für eine Konsolidierung der öffentlichen Haushalte genutzt hätten. Die Staatsschuldenquoten befinden sich ihren Worten zufolge in vielen Ländern noch immer in der Nähe der Höchststände der Euro-Schuldenkrise.

          Kolak nannte die Prognosen der Europäischen Kommission, wonach die Schuldenquoten in Frankreich und Italien in diesem Jahr 96 beziehungsweise 131 Prozent betragen werden. Im Jahr 2014 waren es für Italien 132 Prozent und für Frankreich 95 Prozent.

          Bilanzielles Eigenkapital über der 100-Milliarden-Grenze

          Abermals wandte sie sich gegen eine gemeinsame Einlagensicherung, bevor die Risiken in den Bankbilanzen einiger Länder deutlich abgebaut worden sind. „Da ist noch sehr viel zu tun“, sagte die BVR-Präsidentin mit Blick auf die hohen Bestände an ausfallgefährdeten Krediten und Staatsanleihen in den Bilanzen südeuropäischer Banken.

          Sie befürchtet beim Risikoabbau einen fundamentalen Konflikt in Europa. Dabei verwies sie auf Italiens Wirtschaftsminister Giovanni Tria, für den Risikoteilung nicht an den Risikoabbau geknüpft sein darf. Ähnlich äußerte sich Mario Draghi: Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) sieht Risikoteilung als deutliche Hilfe zur weiteren Risikoreduzierung.

          BVR-Vorstandsmitglied Gerhard Hofmann hob die ausgeprägte Bereitschaft der genossenschaftlichen Finanzgruppe hervor, die Widerstandsfähigkeit für mögliche künftige Krisen zu stärken. Im vergangenen Jahr habe das bilanzielle Eigenkapital der Gruppe erstmals in der mehr als 170-jährigen Geschichte über der Marke von 100 Milliarden Euro gelegen. Der Anstieg resultiere überwiegend aus einbehaltenen Gewinnen, die in einem herausfordernden Umfeld erarbeitet worden seien, sagte Hofmann.

          Seinen Worten zufolge wird gegenwärtig nicht mit einer abkühlenden Konjunktur in Deutschland aufgrund der Handelsstreitigkeiten, des Brexits oder geopolitischer Risiken gerechnet. Die genossenschaftliche Finanzgruppe könne außerordentliche Belastungen wie aktuell durch die DVB Bank und deren Schiffsfinanzierungen verkraften.

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