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Börsengang : Vodafones Funkturm-Aktien kosten 22,50 bis 29 Euro

Masten von Vantage Towers über den Dächern von Frankfurt Bild: Vantage Towers

Der Telekommunikationskonzern Vodafone will mit dem Börsengang seiner Funkmasten-Tochter Vantage Towers bis zu 2,8 Milliarden Euro erlösen. Die Börse hofft auf weitere Kandidaten.

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          Der britische Telekommunikationskonzern Vodafone hat für seine europäische Funkturmsparte Vantage Towers die Preisspanne für den geplanten Börsengang festgelegt. Die Aktien sollen zu 22,50 bis 29,00 Euro verkauft werden, teilten Vodafone und Vantage Towers am Dienstag in London mit.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aus dieser Preisspanne ergibt sich eine Marktkapitalisierung für Vantage Towers von 11,4 Milliarden bis 14,7 Milliarden Euro. Es sollen zunächst bis zu 88,9 Millionen Aktien angeboten werden. Es gibt zudem die Option, weitere 22,2 Millionen Aktien zu verkaufen, zudem einen Mehrzuteilungsoption für weitere 13,3 Millionen Aktien.

          Das Volumen des Börsengangs könnte damit bei bis zu 2,8 Milliarden Euro liegen. Es kann daher jedenfalls einer der größten Börsengänge in Europa in diesem Jahr werden, am oberen Rand der Emissionsspanne wäre es bislang der größte. Die Investmentfonds Digital Colony and RRJ haben sich bereits verpflichtet, Aktien im Wert von knapp einer Milliarde Euro zu kaufen. Die Erlöse sollen zur Tilgung der Vodafone-Schulden verwendet werden.

          Dividenden im Blick

          Vodafone und andere europäische Mobilfunkunternehmen seien derzeit bemüht, aus ihren Anlageinvestitionen Kapital zu schlagen, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg. Grund seien ein höherer Wettbewerb, eine verstärkte Regulierung und die Folgen der Corona Krise sowie die bevorstehenden Investitionen in das 5G-Netz.

          Interessant sind solche Infrastrukturinvestitionen wie im Falle Vantage Towers vor allem unter dem Gesichtspunkt einer stetigen Dividende. Üblicherweise werden die Türme langfristig und inflationsgeschützt an Mobilfunkbetreiber vermietet. Nichtsdestoweniger sind die Kunden von Vantage die Konkurrenten der Muttergesellschaft Vodafone, womit es unabhängige Funkmastenbetreiber einfacher haben.

          Der Pro-forma-Gewinn von Vantage betrug in dem im März 2020 zu Ende gegangenen Geschäftsjahr bei einem Umsatz von 945 Millionen Euro 304 Millionen Euro, in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres betrug der Pro-forma-Umsatz 723 Millionen Euro mit einem Gewinn von 215 Millionen Euro.

          Vantage will jährlich 60 Prozent des wiederkehrenden freien Mittelzuflusses ausschütten, allein im Juli sollen es 280 Millionen Euro sein. Dies entspräche einer Dividendenrendite auf Basis der Emissionsspanne von 1,9 bis 2,7 Prozent. Als ersten Handelstag an der Frankfurter Börse nannte Vantage Towers den Zeitraum rund um den 18. März.

          Weitere Börsengänge im Anmarsch

          Für den deutschen Markt ist der Börsengang ein Gewinn. In der kommenden Zeit könnten mit mehr oder weniger großer Wahrscheinlichkeit noch weitere Börsengänge dazu kommen.

          So will der niedersächsische Rohrleitungsbauer Friedrich Vorwerk noch im März an die Frankfurter Börse, um den Erlös in das Geschäft mit Wasserstoff zu investieren. Das Unternehmen aus Tostedt bei Hamburg will über eine Kapitalerhöhung 90 Millionen Euro einsammeln. Insgesamt wird das Unternehmen laut Insidern mit mehr als 800 Millionen Euro bewertet und erwirtschaftete zuletzt mit gut 1300 Mitarbeitern einen Umsatz von 291 Millionen Euro.

          Auch die in Greifswald ansässige Cheplapharm Arzneimittel GmbH erwägt nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg noch in diesem Jahr einen Börsengang, der angeblich einer der größten Börsengänge in Europa werden soll. Das Unternehmen spreche schon mit Beratern über eine mögliche Notierung. Das Geschäft könne mit 7 bis 8 Milliarden Euro bewertet werden. Die Überlegungen seien aber noch in einem frühen Stadium. Der Fernsehsender ProSiebenSat1 will Anlegern seine Dating-Plattform Parship anbieten.

          Einige Unternehmen haben auch verschobene Pläne wieder aufgenommen. So beabsichtigt der Autozulieferer Continental seine Antriebstechniksparte unter dem Namen Vitesco an die Börse zu bringen, nachdem dieser Schritt 2019 verschoben worden war.

          Und dann gibt es noch eine Reihe von Kandidaten die schon länger im Gespräch sind, etwa der Prothesenhersteller Otto Bock, bei dem es entsprechende Spekulationen schon seit mindestens 17 Jahren gibt. An die Börse zurückkehren könnte sowie das Cybersicherheitsunternehmen Utimaco, das schon von 1997 bis 2012 an der Börse notiert war.

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