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Börsenschreck Virusvariante : Der kurze Sieg der Verunsicherung

Dax-Tafel Bild: dpa

Der Dax bricht um rund 4 Prozent ein. Der Trend an den Börsen zeigt aber weiter nach oben. Die Anleger wissen am Ende gar nicht wohin mit ihrem Geld.

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          Dieser Freitag mag in Sachen Shopping-Lust Black Friday genannt werden, an den Märkten fiel der schwarze Freitag aus. Die Nachrichten über die hoch ansteckende neue Virusvariante aus Südafrika stehen am Ende einer Woche, die in Sachen Corona-Bekämpfung in Deutschland eine verheerende war.

          Täglich neue Höchststände der Neuinfektionen, Booster-Impfchaos und eine nur noch geschäftsführende Bundesregierung, die keine Zügel mehr in der Hand hält. Das war selbst den sonst so munteren Anlegern zu viel. Der deutsche Leitindex Dax stürzte in der Spitze um mehr als 4 Prozent ab. Das Schreckgespenst von einem neuen Lockdown für alle leistete ganze Arbeit.

          Corona-Resilienz

          Es dauerte allerdings nicht allzu lange, bis die Investoren den Schrecken aus den Kleidern schüttelten. Nach dem schwarzen Montag im März 2020 haben sich Anleger eine starke Corona-Resilienz angeeignet.

          Völlig unbeeindruckt vom Pandemiegeschehen rasten die Indizes in Frankfurt oder New York zeitweise täglich zu neuen Rekorden. Der Dax oder der S&P 500 schienen als Börsenbarometer für den Zustand der Wirtschaft ausgedient zu haben. Zwar gab es immer wieder Rücksetzer, doch in vielen Fällen dürfte es sich weniger um die Sorge vor dem Crash, sondern eher um Gewinnmitnahmen gehandelt haben. Irgendwann muss diese Börsen-Rally doch ein Ende haben. Aber das hat sie erst mal nicht.

          Auch wenn der Rücksetzer am Freitag heftiger als die vorherigen ausfiel, zeigt der langfristige Trend weiter aufwärts. Die volkswirtschaftlichen Abteilungen der Banken erarbeiten dieser Tage ihre Prognosen. Ein Dax-Punktestand 2022 jenseits der 17.000-Punkte-Marke erscheint auch angesichts der derzeitigen 15.400 alles andere als waghalsig.

          Sollte es wieder zu einem Lockdown kommen, wird die Wirtschaft leiden. Doch auch wenn es nicht jedes Unternehmen schafft, am Ende wird es wieder große Nachholeffekte geben. Auch die grüne Transformationswelle wird sich vom Virus nicht aufhalten lassen, Investitionen werden kommen.

          Und über allem steht die Europäische Zentralbank, die die Geldschleusen wacker offen hält. Die Anleger feiern diesen Geldregen. Und das vor allem an der Börse.

          Inken Schönauer
          Redakteurin in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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