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Devisenmarkt : Vieles spricht für einen starken Euro

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Der Euro strahlt derzeit heller als der Dollar. Bild: dpa

Der Euro hält sich am Donnerstag vor der EZB-Sitzung auf dem Rekordniveau des Vortages. Einiges spricht dafür, dass seine Aufwertung zunächst weitergeht.

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          Der Euro ist am Donnerstag abermals auf ein neues Dreijahreshoch gestiegen, konnte dieses aber nicht halten. Nachdem der Kurs der Gemeinschaftswährung bis auf 1,2459 Dollar gestiegen war, notiert die Devise nunmehr bei 1,2424 Dollar. Damit wird für sie allerdings immer noch mehr bezahlt als am Vortag.

          Viele Fachleute sehen in den Gewinnen eher eine Dollar-Schwäche als eine Euro-Stärke. Die wirtschaftliche Abschottung der Vereinigten Staaten durch Trump drücke auf die Stimmung für den Dollar, heißt es. Mit Sorge blicken Börsianer auch auf den Auftritt des Präsidenten auf dem Weltwirtschaftsforum am Freitag. Wenn dieser weiter protektionistische Töne anschlage, werde dies den Druck auf den Greenback erhöhen.

          Der aktuelle Dollarkurs bringe auch Vorteile, sagte Amerikas Finanzminister Steven Mnuchin in Davos. Seine Haltung dazu weiche vielleicht leicht von der früherer Finanzminister ab. Die Regierung unterstütze freie und flexible Wechselkurse, die Marktbedingungen reflektierten.

          EUR/USD

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          Dass ein schwacher Dollar für die eher exportschwachen amerikanische Unternehmen nicht immer von Vorteil ist, zeigen die Zahlen, die der Autobauer Ford vorlegte. Dem Unternehmen machen steigende Materialkosten und ungünstige Wechselkurse zu schaffen.

          Daneben wirft die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag ihre Schatten voraus. Die Kursgewinne werden auch mit Spekulationen auf eine perspektivisch weniger lockere Geldpolitik der EZB erklärt. Erste Hinweise könnte die Notenbank an diesem Donnerstag nach ihrer Zinssitzung fallen lassen. Analysten rechnen jedoch eher nicht damit.

          Für die EZB ist die Euro-Stärke insofern ein Problem, als sie durch eine geringere importierte Inflation die Erreichung der Inflationsziele gefährdet. So ist etwa der Ölpreis seit Anfang November in Dollar um 9,5 Prozent gestiegen, in Euro aber nur um drei Prozent. Die EZB will bis 2020 ihr Ziel von zwei Prozent erreicht haben.

          Inflationserwartungen sprechen für den Euro

          Einige Währungsstrategen sehen den Euro derzeit strukturell im Vorteil. Der Markt erwarte trotz höherer Inflationserwartungen keine Zinserhöhungen in Amerika, betrachte aber eine höhere Inflation im Euroraum als entscheiden für die Geldpolitik der EZB, sagte Kit Juckes von Société Générale der Nachrichtenagentur Bloomberg. Da aber die Inflationserwartungen jenseits des Atlantiks schneller stiegen, brächten die Erwartungen an die realen Renditen den Euro einen Vorteil.

          Zudem gebe es Zweifel, ob eine von Trump beeinflusste Notenbank wirklich entschlossen gegen die Inflation vorgehen würde, was zu niedrigeren Realzinsen führen würde, meint Mark McCormick von der Toronto-Dominion Bank. Inflation im Euroraum fasse der Markt als Zeichen höherer Zinsen und Wachstums, in den Vereinigten Staaten jedoch als Zeichen niedrigerer Realzinsen auf.

          Euroraum langfristig dynamischer

          Michael Feser, Mitglied des für Langfrist-Einschätzungen zuständigen Komitees der amerikanischen Fondsgesellschaft JP Morgan, geht in seinen Langfristprojektionen von einem Euro-Kurs von 1,34 Dollar aus.

          Grund ist für ihn eine strukturelle Stärke des Euroraums, dessen Wachstumspotential er nicht zuletzt aufgrund eines noch niedrigeren Erwerbsanteils von Frauen als höher ansieht. Demgegenüber seien für die Vereinigten Staaten keine besonderen Impulse zu erwarten - auch nicht aus einer spezifischen Wirtschaftspolitik der Trump-Administration.

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