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Barmittel werden reduziert : Aktien so überbewertet wie seit 1998 nicht mehr

Die Spekulation auf steigende Kurse von Technologieaktien zu setzen, ist die gefragteste Handelsstrategie seit 2013. Bild: Wolfgang Eilmes

Aktien scheinen so überbewertet wie lange nicht mehr zu sein. Dennoch haben viele Fondsmanager ihre Barmittel stark reduziert und investieren besonders in Technologie.

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          Die durch die Corona-Pandemie ausgelösten Kursturbulenzen an den Börsen bewegen die Gemüter der Anleger. Nach zunächst heftigen Kurseinbußen haben viele Aktien zwar sehr rasch wieder deutlich zugelegt. Doch die wirtschaftlichen Folgen allein für die Gewinne der Unternehmen sind immens. Angesichts des kräftigen Kursanstiegs blicken nun jedoch viele Investoren kritisch auf die Bewertungen der Aktien, wie eine Umfrage unter Fondsmanagern der Bank of America zeigt. Demnach sagen nun so viele dieser Anlageprofis wie nie zuvor, dass Aktien überbewertet seien. Netto tun dies gut drei Viertel der Befragten – um den Wert übersteigt der Anteil der Fondsmanager, die dieser Ansicht sind, den aller anderen. Und sie halten den Markt für so hoch bewertet wie seit 1998 nicht mehr.

          Kerstin Papon
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Zugleich zeigt die Umfrage aber auch, dass die befragten 212 Fondsmanager, die auf der ganzen Welt 598 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 529 Milliarden Euro) verwalten, wieder weit stärker in den Markt investiert sind als noch im Mai. Der Anteil der Barmittel in ihren Portfolios hat deutlich abgenommen – von durchschnittlich 5,7 Prozent im Vormonat auf nun 4,7 Prozent. Dies sei der deutlichste Rückgang seit mehr als einem Jahrzehnt, heißt es von der Bank of America. Dabei hätten sich vor allem auf institutionelle Investoren wie Pensionskassen ausgerichtete Fonds am Markt engagiert, wohingegen Fonds für Privatanleger noch über eine höhere Liquidität verfügten.

          Insgesamt ist demnach zudem der Risikoappetit der Fondsmanager rasch wieder gestiegen, wie auch die Erwartungen an Unternehmensgewinne und Wirtschaftswachstum. Die Bank of America wertet diesen Optimismus nach dem Überschreiten des bisherigen pessimistischen Gipfels als fragil, aber nirgendwo gefährlich nahe an einer sehr positiven, „bullishen“ Markteinschätzung. Denn nur 18 Prozent der Befragten erwarten eine schnelle Erholung der Wirtschaft und einen „V“-förmigen Verlauf der Konjunktur. Zwei Drittel gehen vielmehr von einer „U“- oder „W“-förmigen Wirtschaftsentwicklung und damit einer längeren Talsohle aus. Im April rechneten noch netto 93 Prozent der Fondsmanager mit einer ausgeprägteren Rezession. Aktuell tun dies 46 Prozent.

          Fondsmanager reduzierten in den Portfolios ihr Übergewicht

          Immerhin ein gutes Drittel der Umfrageteilnehmer sieht sich schon wieder inmitten eines Bullenmarktes. Mehr als die Hälfte der befragten Fondsmanager wähnt sich dagegen in einer Kursrally innerhalb eines Bärenmarktes. Zugleich hat sich das Exposure von Hedgefonds in Aktien ausgeweitet. Laut Umfrage ist es von netto einem guten Drittel im April auf nun mehr als 50 Prozent emporgeschnellt. Dies sei der höchste Wert seit September 2018, heißt es von der Bank of America.

          Die Fondsmanager reduzierten in den Portfolios ihr Übergewicht in den drei beliebtesten Branchen – Technologie, Pharma und Kommunikation – und mäßigten ihr Untergewicht im Bereich Rohstoffe und Energie. Die Spekulation auf steigende Kurse von Technologieaktien zu setzen ist die gefragteste Handelsstrategie seit 2013. Zwei Drittel der Befragten rechnet in der kommenden Dekade mit jährlichen Aktienerträgen von null bis 5 Prozent, im Durchschnitt sind es 3,4 Prozent.

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