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Energieträger : Was gegen einen massiven Ölpreisanstieg spricht

Ölförderpumpe in Oklahoma Bild: Picture-Alliance

Der Ölpreis kratzt seit Tagen an der Marke von 80 Dollar. Es ist nicht auszuschließen, dass er darüber steigt. Aber viel weiter sollte es nicht gehen.

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          In den vergangenen Wochen ist Öl deutlich teurer geworden. Seit Mitte August ist der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November von rund 71 auf 79,46 Dollar gestiegen. Auch bei amerikanischem Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) hat es einen deutlichen Preisanstieg gegeben.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Seit Dienstag kratzt Brent an der Marke von 80 Dollar, hat sie aber nicht überwinden können. Wählt man die Perspektive etwas weiter, so stellt man zudem fest, dass der Ölpreis schon im Mai in die Region zwischen 70 und 80 Dollar vorgestoßen ist, ohne darüber hinaus steigen zu können. Tatsächlich stammt auch das Zwölf-Monats-Hoch von 79,80 Dollar nicht aus den vergangenen Tagen, sondern von Mitte Mai.

          Öl ist nicht knapp

          Zwar haben jüngste, unbestätigte Meldungen für Aufsehen gesorgt, wonach sich Saudi-Arabien mit einem Ölpreis von mehr als 80 Dollar „wohl fühle“, doch ist dies insofern wenig überraschend, da ein höherer Ölpreis dem Land eben höhere Einnahmen beschert. Ebenso preistreibend wirkt, dass der iranische Ölexport aufgrund der neuerlichen amerikanischen Sanktionen seit Juni um rund 25 Prozent zurückgegangen ist und noch einmal ähnlich stark sinken dürfte, wenn die Sanktionen wirklich in Kraft treten.

          Andererseits zeigt sich der Auftrieb eben merkwürdig begrenzt. Auch Analysten prognostizieren keinen Ölpreis oberhalb von 80 Dollar. Im Gegenteil rechnen sie eher damit, dass dieser bis 2021 allmählich wieder unter 70 Dollar fallen wird.

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          Dafür werden mehrere Gründe ins Feld geführt. Zuallererst gibt es auf dem Ölmarkt derzeit keine neue Knappheit. Nach Zahlen des Branchendienstes Energy Intelligence Group betrug das Defizit im August 200.000 Barrel pro Tag, nach einem Überschuss von 400.000 Barrel im Juli. Allerdings ist dies keine signifikante Veränderung. Zwischen August 2017 und März 2018 war das Defizit des Ölmarktes durchschnittlich fünfeinhalbmal so hoch. Das bewirkte seinerzeit einen starken Preisanstieg.

          Korrekturfaktor Trump

          Und auch wenn die iranischen Exporte gefallen sind, so haben sich die amerikanischen Exporte seitdem verdoppelt, nicht zuletzt, weil die amerikanische Politik einen Ölpreisanstieg als Folge der Sanktionen vermeiden will. Am Ölmarkt gilt die Marke von 80 Dollar für Brent als so etwas wie eine „Trump-Grenze“. Der amerikanische Präsident hatte im April schon gegen das Ölkartell Opec gewettert, als der Ölpreis anzog. Kurz darauf war der Preisauftrieb zum Stillstand gekommen, als das Ölangebot wieder zulegte. Auch die Analysten des JBC Energy Research Centre halten es für unwahrscheinlich, dass angesichts der bekannten aggressiven Außenpolitik Trumps Maßnahmen gegen einen Preisanstieg mit Absicht unterlassen würden. Die Exporte Nigerias und Russlands sind zuletzt ebenfalls gestiegen.

          Kurzfristig für einen Preisanstieg spricht, dass die Lagerbestände in den Vereinigten Staaten eher zurückgehen und Analysten keine Zunahme der Zahl fertiggestellter neuer Bohrstellen erwarten. Da allerdings immer noch viele Ölbohrungen vorgenommen werden, erwarten die Analysten von JBC, dass sich die Zahl der Fertigstellungen in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres erhöhen wird.

          Auch wenn es zu viele Interessen gibt, die einen deutlich steigenden Ölpreis verhindern wollen, ist letztlich nicht auszuschließen, dass der Preis für Brent über die Marke von 80 Dollar steigt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass etwa in Amerika der Blick viel mehr auf den Preis für amerikanisches WTI-Öl gerichtet ist. Dessen Preis ist jüngst erst über die Marke von 70 Dollar gestiegen. Hier liegt das 12-Monats-Hoch aus dem Juli bei 74,15 Dollar. Gut möglich, dass der Preis weiter steigt und mit ihm auch Brent über die Marke von 80 Dollar. Doch an massive Preissteigerungen glaubt derzeit niemand.

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