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Saudi Aramco : Zeitplan für Rekordbörsengang wackelt

Der saudische Kronprinz Muhammad Bin Salman Bild: Reuters

Der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco soll noch in diesem Jahr an die Börse gehen. Doch die Verhaftungswelle verunsichert Investoren und über die internationale Notierung herrscht Unklarheit.

          4 Min.

          Die Ansage des saudischen Kronprinzen Muhammad Bin Salman ist klar: Dieses Jahr soll der weltgrößte Ölkonzern Saudi Aramco den Sprung an die Börse schaffen. Doch dass der staatliche Energieriese zum Ende des Jahres in New York, London oder Hongkong auf dem Kurszettel steht, wird immer unwahrscheinlicher. Im Umfeld des Staatskonzerns heißt es, für 2018 sei zwar weiterhin eine Plazierung an der Börse im saudi-arabischen Riad geplant. Die Chancen auf einen ebenfalls angestrebten internationalen Börsengang in London, New York oder Hongkong noch in diesem Jahr seien aber wegen langer Verzögerungen stark gesunken.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aramco ist der mit Abstand größte Ölkonzern der Welt. Er kontrolliert rund 10 Prozent der gesamten Ölförderung rund um den Erdball. Der Börsengang des Energiegiganten könnte deshalb der größte in der Finanzgeschichte werden. Kronprinz Muhammad, der die dominierende politische Kraft in Saudi-Arabien ist, hofft mit einer Privatisierung eines Aramco-Anteils von rund 5 Prozent 100 Milliarden Dollar zu erlösen. Das wäre rund viermal so viel wie die bisher größte Aktienplazierung – der Börsengang des chinesischen Internetkonzerns Alibaba 2014.

          Hindernisse für Ölkonzern

          Der Ölkonzern insgesamt würde also mit gut 2 Billionen Dollar bewertet, weit mehr als doppelt so viel wie Apple, das derzeit wertvollste börsennotierte Unternehmen. Internationale Großbanken buhlen seit langem um die lukrativen Mandate für die Vorbereitung und Abwicklung des Mega-Börsengangs. Die amerikanischen Institute Morgan Stanley und JP Morgan beraten die Saudis bereits. Gute Chancen werden auch Goldman Sachs und Citi eingeräumt. Die Deutsche Bank hat sich zwar ebenfalls um einen Auftrag bemüht, ist aber nach Informationen aus Finanzkreisen nicht zum Zuge gekommen.

          Auf dem Weg an die Börse gibt es für Aramco eine Reihe von Hindernissen: Viele Branchenexperten und Investoren halten die Preisvorstellungen des Kronprinzen Muhammad für unrealistisch. An der relativ kleinen Börse in Riad könnte zudem aller Voraussicht nach nur ein Bruchteil des Aktienpakets plaziert werden. Wenn also der internationale Börsengang tatsächlich erst 2019 oder 2020 folgen sollte, müssten sich die Saudis wohl schon deshalb vorerst mit einem deutlich geringeren Verkaufserlös begnügen als angepeilt. Es sei denn, ein strategischer Investor aus China oder Russland steigt zwischenzeitlich bei Aramco ein und füllt so die Kassen des Königshauses auf. Auch dies gilt weiterhin als möglich. Saudi-Arabien benötigt das Geld aus dem Aramco-Börsengang, um die vom Kronprinzen versprochenen ehrgeizigen Reformpläne im Land voranzutreiben.

          Bild: F.A.Z.

          Die Saudis haben inzwischen erstmals den bisherigen Zeitplan für den Börsengang öffentlich relativiert: Dieser werde stattfinden, „wenn der richtige Zeitpunkt dafür da ist“, sagte Ölminister Khalid Al-Falih am Donnerstag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. „Wir hoffen, dass 2018 der richtige Zeitpunkt ist, aber letztendlich müssen die Märkte so weit sein“.

          Die Worte des Ministers, die auf einen späteren Börsengang hindeuten, ließen kurzzeitig die Ölpreise nach oben schnellen. Das Kalkül der Anleger: Je länger der Börsengang auf sich warten lässt, umso länger werden die mächtigen Saudis im Ölstaatenkartell Opec auf knappe Fördermengen dringen, um die Preise zu stützen und so den Verkaufserlös für Aramco zu maximieren.

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