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Transformation unterstützen : Versicherer sollen nachhaltiger anlegen

Versicherer sollen sich an der grünen Transformation beteiligen. Bild: dpa

Der Präsident der Aufsichtsbehörde Eiopa empfiehlt Anreize für Investitionen in nachhaltige Kapitalanlagen. Die deutschen Lebensversicherer sieht er vor einigen Schwierigkeiten.

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          Der oberste Versicherungsaufseher in Europa hält es für sinnvoll, eine eigene Anlageklasse für nachhaltige Investments zu schaffen. „Versicherer sollten die Transformation zu einer Industrie mit weniger Kohlenstoff unterstützen“, sagte Eiopa-Präsident Gabriel Bernardino am Dienstagabend vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. Anreize könnten die institutionellen Investoren zu einem solchen Verhalten bewegen. Das könnten zum Beispiel niedrigere Kapitalerfordernisse für solche Anlagen sein. „Damit wäre ich einverstanden, wenn es evidenzbasiert ist“, sagte er.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Gemessen am tatsächlichen Bedarf für grenzüberschreitende Geschäfte in der Altersvorsorge, sei der europäische Binnenmarkt noch zu wenig entwickelt. „Wir haben weniger als 80 Pensionsfonds, die grenzüberschreitend arbeiten. Durch den Brexit werden die meisten wegfallen. Es sollten mehr sein“, sagte Bernardino. Regulative Änderungen könnten dies unterstützen. Auf der Ebene individueller Pensionen warb er für die Idee eines paneuropäischen Pensionsprodukts (PEPP), das möglichst einfach, transparent und kosteneffizient sein solle. „In vielen Ländern ist das Pensionssystem nicht entwickelt. Deshalb benötigen wir individuelle Pensionen als einen Pfeiler“ sagte er.

          Viele Verbraucher aber zeigten sich bislang noch zurückhaltend gegenüber solchen Varianten. Denn einige Staaten hätten immer mal wieder in das Pensionsvermögen gegriffen, um andere Aufgaben zu finanzieren. „Das sollte nicht passieren“, forderte Bernardino. Deshalb müssten sich die Staaten einen Ruck geben, über die nationale Perspektive hinauszugehen. Die Aufsicht wolle aber keine einheitlichen Produkte vorgeben, sondern nur eine Reihe von Eigenschaften, die diese erfüllen sollen. Darüber hinaus könne aber jeder einzelne Anbieter seine eigenen Ausprägungen bestimmen.

          Sehr gelassen zeigte sich Bernardino gegenüber den Abwicklungsplattformen, die Lebensversicherern ihre Bestände mit dem Versprechen abkaufen, sie kostengünstiger zu verwalten. „Das ist gut und sollte möglich sein“, sagte er. Nach dem Verkauf sollten die Verbraucher nicht schlechter gestellt sein als zuvor, verlangte er. „Für sie muss es vollständige Transparenz geben“, sagte Bernardino. An der Kritik einiger Politiker im Bundestag an den Plattformen beteiligte er sich allerdings nicht. Deutsche Lebensversicherer seien insgesamt stabil. „Es gibt eine Reihe von Unternehmen in Deutschland, die ohne Übergangsregeln insolvent wären“, sagte er. Die auf 16 Jahre angelegte Übergangsphase, bis die Eigenmittelregeln Solvency II scharf geschaltet werden, dienten aber gerade dazu, die Geschäftsmodelle zukunftsfähig zu machen. Die betroffenen Unternehmen müssten Vorgaben der Aufseher erfüllen und ihren Produktmix anpassen. „Ich kann nicht ausschließen, dass es Situationen geben könnte, in denen Unternehmen vor Schwierigkeiten stehen“, sagte er. Absehbar sei das aber in der derzeitigen Lage nicht.

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