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Anlagestrategie : Der richtige Zeitpunkt für mehr Vorsicht im Portfolio

Wie geht es im zweiten Halbjahr 2019 an den Börsen weiter? Bild: Reuters

Der Vermögensverwalter Pictet gibt seinen Ausblick für das zweite Halbjahr. Aktien aus einer bestimmten Anlageregion stehen nicht mehr auf der Kaufliste der Schweizer.

          „Wir werden keine Aktien in Amerika kaufen“, sagt Luca Paolini, Chefstratege des schweizerischen Vermögensverwalters Pictet, auf dem Halbjahresausblick am Mittwoch. Den breiten amerikanischen Index S&P 500 sieht er in den nächsten zwei bis drei Jahren auf einem ähnlich hohen Niveau wie aktuell. Auch seien die amerikanischen Technologiewerte sehr teuer, findet Paolini und vermutet, dass sie noch schlechter laufen werden. „Apple macht ein Viertel seiner Gewinne in China“, sagt er. Mit Blick auf den Handelskonflikt werden „globale Unternehmen mehr leiden“.

          Antonia Mannweiler

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Es sei der richtige Zeitpunkt, defensiv positioniert zu sein, auch wenn er nicht überzeugt sei von einer Übergewichtung in Staatsanleihen. In Großbritannien und in den Emerging Markets gebe es gute Bewertungen. Auch sei Gold wieder eine gute Anlage sowie Hedgefonds, deren Umfeld sich verbessert habe. Dabei würden die Emerging Markets vor allem aufgrund eines schwachen Dollars in den nächsten Jahren profitieren, meint Paolini.

          Der amerikanische Dollar wird aus seiner Sicht in den nächsten fünf Jahren „extrem“ unter Druck geraten. „Ich bin schockiert, wie viel Vertrauen die Investoren in den Dollar haben“, sagt Paolini. Seit den siebziger Jahren gehe er – abgesehen von kurzen Phasen – nach unten. Ein schwacher Dollar sei wiederum positiv für die Emerging Markets.

          Bei einer schwächelnden Weltkonjunktur wolle zudem jeder eine schwache Währung haben, auch die Amerikaner. Eine Verschärfung des Handelskonflikts stärke dagegen den Dollar und schwäche damit die Wettbewerbsfähigkeit. Die Amerikaner würden somit einen Handelskonflikt verlieren, weil sie den Währungskrieg verlieren würden, erklärt Paolini.

          „Es geht um das Timing“

          Am Dienstag reagierten die Märkte positiv auf die Aussage des Chefs der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed), „angemessen“ auf die Auswirkungen des Handelskonfliktes reagieren zu wollen. Die Aussage wurde als Hinweis auf eine Zinssenkung der Fed in diesem Jahr interpretiert. Paolini widerspricht dieser Vermutung. Er glaube nicht an einen Zinsschritt nach unten – zumindest nicht in diesem Jahr. „Es geht um das Timing“, sagt Paolini. Denn zwei bis drei Zinsschritte seien durchaus möglich, aber erst im nächsten Jahr. „Wir rechnen 2020 oder 2021 mit einer Rezession“, konstatiert Paolini.

          S&P 500

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          Als Auslöser „Nummer eins“ nennt er dafür die Unternehmensgewinne, die stark zurückgehen würden. Als weitere Gründe führt er die starke Überschuldung der Unternehmen und den Vertrauensverlust der Konsumenten an. „Die globale Konjunktur geht seit 2017 nach unten“, sagt Paolini. Der Handelskonflikt habe diese Tendenzen lediglich beschleunigt. Komme es aber zu einer Rezession, hätten die Amerikaner aus seiner Sicht wenig Spielraum für eine fiskalische Lockerung. Paolini gibt die Schuld dafür dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der damals den falschen Zeitpunkt für die Steuersenkung ausgewählt habe.

          In Europa sieht Paolini dagegen mehr Spielraum für eine Lockerung der Fiskalpolitik als in den Vereinigten Staaten. Die Investoren seien Amerika gegenüber zu optimistisch und zu pessimistisch in Bezug auf Europa. Wenn in Vergleichen immer von einer Outperformance des amerikanischen Marktes gegenüber dem europäischen die Rede sei, werde dabei unterschlagen, dass sich 5 der 7 Prozent durch Aktienrückkäufe und Steuersenkungen erkläre. In Europa werde die starke Binnennachfrage dagegen unterschätzt.

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