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Verkauf der Kabelnetzsparte : Leonis Pläne wecken den Aktienkurs kurz auf

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Der angeschlagene Autozulieferer und Kabelhersteller Leoni rutscht immer tiefer in die Krise. Bild: dpa

Der Autozulieferer Leoni will sich von seiner Kabelnetzsparte trennen. Die Reaktion ist zunächst äußerst positiv, doch dann setzen sich Zweifel durch.

          Der Autozulieferer und Spezialist für Kabeln und Verbindungslösungen, Leoni, war in den vergangene  Monaten nicht eben eine Freude für Investoren. Von ihrem Allzeithoch bei 65,54 Euro Ende Januar 2018 segelte die Notierung praktisch nur noch abwärts und erreichte erst Anfang Juni bei 13,025 Euro ein Neun-Jahrestief.

          Am Mittwoch gibt es jedoch wieder Lebenszeichen in Form eines Kursanstiegs um mehr als 7 Prozent in der Spitze.  Grund ist, dass Leoni über eine Trennung von der Sparte für die Produktion von Kabeln und Verbindungslösungen (WCS) nachdenkt und Optionen prüft - einen Börsengang womöglich oder einen Verkauf, ganz oder auch nur teilweise. Leoni will sich nur noch auf die Entwicklung des zuletzt defizitären Bordnetzbereichs (WSD) konzentrieren.

          Man sehe momentan nur sehr wenig Synergien zwischen der Kabel- und Bordnetzsparte und wolle deren operative Unabhängigkeit erhöhen. Die Bordnetzsparte, die vorwiegend für die Autoindustrie
          fertigt, lieferte zuletzt nur unzureichende Ergebnisse und fuhr einen dicken Verlust ein.

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          Weniger positiv mag auch klingen, dass das Unternehmen mitteilte, am bestehenden Refinanzierungsbedarf zu arbeiten und dabei alle Optionen in Betracht zu ziehen.

          „Wir brauchen die Mittel, um die Bordnetz-Sparte strategisch weiter zu entwickeln“, sagte Leoni-Chef Aldo Kamper. „Wir wollen uns mit diesem Schritt neue finanzielle Möglichkeiten erschließen." Eine reine Abspaltung, bei der die Leoni-Aktionäre Aktien der Kabel-Sparte ins Depot gebucht bekommen, komme deshalb nicht in Frage. Stattdessen sollen der Erlös in mögliche Zukäufe fließen.

          Leoni kämpft schon länger mit der schwachen Autoindustrie, aber auch mit hausgemachten Problemen. So haperte es etwa beim Produktionsbeginn eines Werkes im mexikanischen Merida. Auch konnte die Auftragslage lange nicht bewältigt werden, was zu hohen Sonderkosten für Personal und Frachten führte. Zuletzt gab es hier aber Fortschritte.

          Experten hatten schon nach den, auch operativen Verlusten im ersten Quartal auf finanzielle Engpässe verwiesen. Analyst Daniel Kukalj von der Quirin Bank ging davon aus, dass das Unternehmen den Kapitalmarkt anzapfen und sich frisches Geld über eine Kapitalerhöhung beschaffen müsse.

          Das ist auch die Krux, finden Börsianer. Sollte sich die Ansicht durchsetzen, dass Leoni vor allem Geld braucht, dürften sich die Kursaufschläge in Luft auflösen. Tatsächlich halbierten sich die Kursgewinne am Vormittag rasch und waren kurz nach 10 Uhr schon Geschichte.

          Für Analyst Jose Asumendi von JP Morgan sind Leonis
          Pläne für die Kabelsparte ein wichtiger strategischer Schritt. Beide Unternehmensbereiche hätten dann mehr operative Freiheiten. Aus Sicht des Analysehauses Mainfirst würde ein Verkauf der Kabelsparte Leoni finanziell etwas entlasten. Allerdings verwies Analyst Alexander Wahl darauf, dass die operativen Probleme und Verluste der vergangenen Jahre vor allem in der bei Leoni verbleibenden Bordnetzsparte aufgetreten seien. Damit verkauften die Franken ihr Tafelsilber.

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