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Finanzmarkt in Asien : Verhaltene Erleichterung in Südkorea

Händler in Seoul Bild: EPA

Die südkoreanischen Stahlaktien legen nach der Beilegung des Handelskonflikts mit Amerika zu. Doch der Streit zwischen Amerika und China besorgt die Wirtschaft weiterhin.

          Ein Jubelsturm sieht anders aus. Mit einem eher verhaltenen Plus des Leitindex Kospi um 0,84 Prozent auf 2437 Punkte quittierten die Anleger in Seoul am Montag, dass Korea und die Vereinigten Staaten den Streit um die Schutzzölle und zugleich die Nachverhandlung des bilateralen Freihandelsvertrags beendet haben. Am Dienstag das gleiche Bild. Ganz anders war es am Freitag, als der amerikanische Präsident Donald Trump den Handelskrieg gegen China begann. Der Kospi fiel an dem Schicksalstag um 3,2 Prozent. Einen schnelleren Kursrutsch an einem Tag gab es in Seoul zuletzt 2011 in der Folge der europäischen Schuldenkrise.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Diskrepanz der Kursreaktionen deutet darauf hin, dass die Anleger in Korea weit mehr durch den drohenden amerikanisch-chinesischen Handelskrieg verschreckt wurden als durch das Risiko von zusätzlichen Zöllen im Stahlhandel mit den Vereinigten Staaten. Das kann nicht verwundern. Südkorea ist zwar der viertgrößte Stahllieferant Amerikas, doch in der heimischen Wirtschaft ist das Gewicht der Schwermetallindustrie begrenzt.

          Dagegen ist Korea so stark wie kaum ein anderes Land vom Export abhängig und dabei vor allem von China, das den Löwenanteil der koreanischen Ausfuhr aufnimmt. Südkorea liefert mit seinen elektronischen Vorprodukten wie Speicherbausteinen von Samsung Electronics und SK Hynix oder LCD-Paneelen von LG viele der Vorprodukte, die in China zu Fertigprodukten verarbeitet werden. Amerikanische Handelshemmnisse gegen chinesische Produkte träfen die südkoreanische Elektronikindustrie indirekt, aber scharf.

          Die Aktien der südkoreanischen Stahlhersteller profitierten am Montag gleichwohl von der Beilegung des Handelsstreits. Der Kurs des Stahlgiganten Posco legte um 2 Prozent zu, die, gemessen am Börsenwert, kleineren Konkurrenten Hyundai Steel, Dongkuk Steel Mill und Seah Besteel Steel gewannen 2,3 Prozent, 2,2 und 4,9 Prozent hinzu. Kiswire gewann 7,9 Prozent, Dongbu Steel 6,9 Prozent. Der Börsenindex für Stahl, Eisen und Metalle stieg um 1,7 Prozent. Der Kursanstieg der Stahlpapiere kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die südkoreanischen Stahlkocher vor schweren Zeiten stehen. Seit Jahresbeginn haben ihre Aktien teils deutlich verloren. Posco mit einem Minus von 1,4 Prozent steht noch vergleichsweise gut da, während Hyundai Steel seit der Jahreswende 13,7 Prozent einbüßte.

          Auf der Verliererseite der Handelseinigung mit Amerika sollten eigentlich die südkoreanischen Autohersteller stehen, weil die Regierung in Seoul den Erfolg bei den Stahlschutzzöllen mit einer Marktöffnung für amerikanische Fahrzeuge erkauft hatte. Doch die Börsenreaktion fiel am Montag gemischt aus. Die Aktie von Hyundai Motor gab 1,3 Prozent nach, Kia Motors stieg um 0,5 Prozent. Eindeutig negativ ist die Marktöffnung für heimische Hersteller offenbar nicht.

          Wenig Aufregung an den koreanischen Finanzmärkten hat in diesem Monat die Berufung des neuen Gouverneurs der Zentralbank hervorgerufen. Das ist nicht verwunderlich, denn der neue ist zugleich der alte: Lee Ju-yeol. Präsident Moon Jae-in hat den 65 Jahre alten Technokraten nach vier Jahren Amtszeit überraschend wiederberufen. In Seoul interpretieren das manche als Zeichen der Unabhängigkeit der Zentralbank. Lee hatte den Leitzins schrittweise von 2,5 auf 1,25 Prozent nach unten geschleust, um die Wirtschaft zu stärken. Den Nebeneffekt dieser Politik, die steigende Verschuldung der privaten Haushalte, versucht die Regierung durch Regulierung der Kreditvergabe in den Griff zu bekommen. Im November 2017 begann Lee die Zinswende mit einer ersten Zinserhöhung seit 2011 auf 1,5 Prozent. Der Internationale Währungsfonds erwartet für dieses Jahr ein Wachstum von rund 3 Prozent, minimal weniger als die 3 Prozent im Jahr zuvor.

          Mit der Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank Federal Reserve vergangene Woche liegt der amerikanische Leitzins nun zum ersten Mal seit 2007 höher als sein koreanisches Gegenstück. Solche Zinsdiskrepanzen rufen in Korea, das immer noch den Schock der Kapitalflucht in der Asien-Krise vor mehr als zwanzig Jahren erinnert, Sorgen über einen möglichen Kapitalabzug hervor. Die Regierung will davon aber noch nichts wissen. Das Finanzministerium meint, die meisten ausländischen Anleger seien langfristig orientiert und der Ausblick für die Unternehmen sei rosig. Notenbankgouverneur Lee ist da vorsichtiger. Zuletzt hatten ausländische Investoren ihre Bestände an südkoreanischen Staatsanleihen verringert. Lee sagte, es sei zu früh, um darin eine Kapitalflucht als Folge der Zinsdifferenz zu sehen.

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