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Bafin : Manipulationsverdacht bei den Reichen und Schönen

Die Schweizer Börse in Zürich Bild: SIX

Asmallworld ist ein exklusives soziales Netzwerk für den Jetset. Die Aktie allerdings hat einen sehr seltsamen Höhenflug hinter sich.

          Den meisten ist das soziale Internet-Netzwerk Facebook ein Begriff. Davon gibt es auch die Luxusausgabe, eine Online-Plattform für den Jetset oder nach eigenen Angaben „für das gute und stilvolle Leben“. Das Netzwerk nennt sich ganz elitär „Asmallworld“, also eine kleine Welt, zu der nur wenige Zugang haben. Die in Zürich ansässige Betreibergesellschaft hat ihre Aktien seit dem 19. März an der Börse notieren lassen. Sie konnten auch in Deutschland im Freiverkehr gehandelt werden. Allerdings wurde die Aktie am Handelsplatz Frankfurt mit Wirkung zum 3. April bis auf weiteres ausgesetzt.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Kursverlauf der Aktien des Unternehmens, das nach eigenen Angaben im Jahr mehr als 1000 Anlässe rund um die Welt für die ausgewählte Klientel veranstaltet, war eigentlich vielversprechend. Der ersten Notiz von 9,75 Schweizer Franken am 19. März folgte bis zum Donnerstag ein steiler Anstieg auf 22,45 Franken. Doch dieser endete mit der Veröffentlichung der deutschen Finanzaufsicht Bafin, die vor Kaufempfehlungen für die Asmallworld-Aktien warnte. Danach brach der Aktienkurs um bis zu fast 44 Prozent ein. Am Freitag ging es dann wieder um 40 Prozent nach oben bis auf 22,20 Franken.

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          Die Aufsicht verwies auf Anhaltspunkte, dass im Rahmen von Kaufempfehlungen falsche oder irreführende Angaben gemacht worden seien. Die Bafin hat hinsichtlich des betroffenen Wertes eine Untersuchung wegen des Verdachts der Marktmanipulation eingeleitet. Diese Untersuchung richtet sich nicht gegen die Gesellschaft, sondern gegen diejenigen, die solche Kaufempfehlungen vertreiben. Die Finanzaufsicht nannte hierfür E-Mail-Börsenbriefe, ohne auf diese näher einzugehen. Dazu äußerte sich auch eine Bafin-Sprecherin am Freitag auf Anfrage der F.A.Z. nicht.

          Das Unternehmen betont, es sei nicht schuld

          Dafür reagierte Asmallworld mit einer Stellungnahme. Darin betonte die Gesellschaft, dass sich die Untersuchung der Bafin nicht gegen sie richte, sondern „einzig gegen unpräzisierte Drittparteien“. Asmallworld hatte nach eigenen Angaben bis zur Veröffentlichung weder von der Mitteilung noch von der Untersuchung der Bafin Kenntnis. „Es ist für uns sehr schmerzhaft und unverständlich, dass wir als Unternehmen mit einem negativen Sachverhalt in Verbindung gebracht werden, auf welchen wir keinen Einfluss haben“, beklagte Vorstandschef Jan Luescher. Seinem Unternehmen liege viel daran, diese Irritation durch Drittparteien so schnell wie möglich zu beseitigen.

          Ebenfalls um Aufklärung bemüht war die Aktienplattform Aktiencheck.de, die in den vergangenen Wochen auffallend stark für die Aktie geworben hatte. Am Donnerstag hatte das Jetset-Netzwerk die Kaufoption auf eine „Luxus-Reise-Community“ für 30 Millionen Euro bekanntgegeben, was Aktiencheck.de einen „satten Umsatz- und Ergebnissprung“ erwarten ließ.

          Die Aktienplattform sprach von einem „starken Kaufsignal“ – kurz vor dem Kurseinbruch, den die Warnung der Bafin ausgelöst hatte. Nach eigenen Angaben wurde Aktiencheck.de von einem Asmallworld-Aktionär mit der Erstellung der redaktionellen Beiträge beauftragt. Dies sei in den Interessenskonflikten offengelegt worden. Zu keinem Zeitpunkt habe Aktiencheck.de wissentlich falsche oder irreführende Angaben gemacht, erklärte die Aktienplattform. Sie verwies auf den engen zeitlichen Zusammenhang zwischen der Veröffentlichung der Bafin-Warnung und den umgehend daraufhin erfolgenden Kursattacken.

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