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Verbraucherschutzforum : Bafin-Chef Hufeld: „Wer liest das denn?“

Der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) Felix Hufeld Bild: Wolfgang Eilmes

Banken und Finanzaufsicht diskutieren über die ausufernde Bürokratie. Dabei sind noch viele Fragen offen.

          3 Min.

          Wo hört Schutz auf und wo fängt Bevormundung an? Diese Frage wurde auf dem Verbraucherschutzforum der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) am Dienstag in Frankfurt diskutiert. In vielen Fällen geht der Verbraucherschutz aber auch Hand in Hand mit einem Mehr an Regulierung – und einer zunehmenden Bürokratisierung. Verhältnismäßig oft fiel auf der Veranstaltung dabei das Wort „Erschlagen“. So sagte etwa der Präsident der Bafin, Felix Hufeld, direkt in der Eröffnungsrede, dass viele Verbraucher sich von der Fülle der Informationen erschlagen fühlten. Das sorge für unnötige Verwirrung.

          Antonia Mannweiler

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Hufeld benannte in diesem Zusammenhang auch die Zahlungsdiensterichtlinie PSD2, die das Bezahlen für Kunden sicherer machen sollte und für die Anbieter einfacher. Um Betrugsfälle im Zahlungsverkehr zu vermeiden, müssen Kunden für die Authentifizierung der Zahlung häufig zwei Faktoren angeben. Das kann über zusätzliche Passwörter geschehen, den Besitz einer Kreditkarte oder etwa über einen Fingerabdruck. Dadurch soll zwar für mehr Sicherheit gesorgt werden. Gleichzeitig müssen dafür aber immer mehr Passwörter oder Pins für Bezahlvorgänge angegeben werden.

          Die Zwei-Faktor-Kundenidentifizierung hielten einige Verbraucher für so kompliziert, dass sie in der Folge weniger Bankgeschäfte Online ausführten, kritisierte Hufeld. Und auch Olaf Langner vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband ging auf die Rückmeldung von Kunden ein, die sich eher auf Entsetzen und große Unzufriedenheit beschränke.

          Mehr Informationen führen nicht unbedingt zu mehr Transparenz

          „Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht“, konstatierte Hufeld. Mehr Informationen führten nicht unbedingt zu einer höheren Transparenz. Aus seiner Sicht handelt es sich dabei um Scheintransparenz. Er fragte daher auch: „Wer liest das denn?“

          Der Meinung, dass „Viel“ auch viel helfe, widersprach auch Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale des Bundesverbandes. Immer wieder betonte er, dass die Quantität der Informationen nicht mit ihrer Qualität gleichzusetzen sei. Es müsse vor allem um Letzteres gehen. Müller zog den Vergleich zu den Inhaltsangaben von Lebensmitteln. Schon lange habe man als Verbraucher viele Informationen auf der Rückseite von Verpackungen finden können. Nur habe man nicht filtern können, was die wirklich wichtigen Informationen seien. Der Nutri-Score, eine Art Lebensmittelampel, gebe den Verbrauchern künftig aber eine einfache Übersicht an die Hand. Wie weit Meinungen auseinandergehen können, zeigte auch die unterschiedliche Wahrnehmung der Teilnehmer bezüglich der geforderten Regulierung für einzelne Bereiche.

          Ralf Berndt, Mitglied im Vorstand der Stuttgarter Versicherung, zählte als Vorgaben beispielsweise das Produktinformationsblatt für Kunden auf, ein Papier zu den Datenschutzregeln oder den Versicherungsschein. „Da kommen wir schnell auf bis zu 100 Seiten in unserer Branche“, sagte Berndt. Hinzu kämen drei unterschiedliche Produktinformationsblätter, die sich im Kern widersprechen. Und er sehe schon weitere Themen am Horizont, die mehr Regulierung und Bürokratie befürchten ließen, wie das Thema der Nachhaltigkeit. Befürchtungen, dass die Finanzmarktrichtlinie Mifid 2 dazu führe, extra Tüten für die Papierberge besorgen zu müssen, hätten sich aber nicht bestätigt, sagte dagegen Elisabeth Roegele, Vizepräsidentin der Bafin: Die Geeignetheitserklärung für Kunden ließe sich in zwei bis drei Seiten erstellen.

          Passende Empfehlung

          In dieser Erklärung müssen Banken schriftlich darstellen, weshalb die ausgesprochene Empfehlung – etwa ein Finanzinstrument zu kaufen oder zu verkaufen – zu den Kunden passt. Auch ließen sich die Kosteninformationen auf bis zu drei Seiten begrenzen, ebenso wie das Produktinformationsblatt, das auf maximal drei Seiten limitiert sei. „Das führt nicht zu Papierbergen“, betonte Roegele. Forsa-Umfragen hätten ergeben, dass Verbraucher solche Informationen für wichtig hielten – auch wenn sie von viel zu wenigen gelesen werden, im Schnitt von nur der Hälfte aller Kunden.

          Zwar sei der Ansatz gut, Vergleichbarkeit herzustellen, der Teufel stecke aber im Detail. Ein „One-Size-Fits-All“ gebe es daher nicht. Man müsse den Verbraucher stärker miteinbeziehen und fragen: Wie kommt das an und was sind die Schlüsselinformationen? Dass man die Kunden auch nicht alle in einen Topf werfen kann, bekräftigte Roegele. So gebe es auf der einen Seite Verbraucher, die alle Informationen benötigten, weil sie keine Vorkenntnis besäßen. Auf der anderen Seite gebe es aber auch viele erfahrene Verbraucher am Markt.

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