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Nebenwerte 2019 (3) : Vectron Systems macht Digitalisierung mit Kasse

Geht es nach Vectron, wird die Kasse in der Kneipe zu ihrem virtuellen Spiegelbild. Bild: obs

Das Geschäft mit Kassensystemen mag nicht sehr zukunftsträchtig anmuten. Der Hersteller Vectron setzt jedoch auf den hohen Digitalisierungsbedarf der Gastronomie.

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          Wer im Restaurant einmal auf die Kasse achtet, dem ist der Name Vectron Systems nicht fremd. „Wir haben einem Marktanteil von 25 Prozent in der deutschen Gastronomie“, sagt der Vorstandsvorsitzende und Mitgründer Thomas Stümmler. Seit 1990 stellt das Unternehmen Kassensysteme her. 1999 ging man an den Neuen Markt, 2004 verschmolz man mit der Hansa Chemie. Zwei Jahre später kauften die Gründer Vectron wieder zurück, und 2007 ging das Unternehmen abermals an die Börse. Stümmler selbst wechselte Anfang 2018 vom Chefsessel in den Aufsichtsrat, kehrte aber im Juli wieder zurück, nachdem es mit Nachfolger Oliver Kaltner Differenzen wegen der Digitalstrategie gegeben hatte.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bewegte Zeiten also. Die Kasse ist bei Vectron der beständige Faktor geblieben. „Die Kasse ist das zentrale Element der Gastronomie“, sagt Stümmler, der in dieser Branche die Zukunft sieht. Denn die Digitalisierung beschäftige die Gastronomie. So ist der technische Status quo suboptimal. Vieles wird noch manuell erledigt, was fehleranfällig und arbeitsaufwändig ist. Digitale Lösungen bestehen, wenn vorhanden, aus zahlreichen Insellösungen.

          Zudem steht die hoch fragmentierte Branche unter Druck. Immer mehr Geschäft wird digital abgewickelt. „Wer da nicht dabei ist, existiert nicht“, sagt Stümmler. Doch die Lieferdienste hätten die Provisionen stark erhöht, bis zu 15 Prozent seien es heute, das könnten die wenigsten Betriebe verdienen. Die Branche suche Alternativen. Vectrons Kassensysteme sollen künftig das Instrument der digitalen Integration sein und etwa das Rechnungswesen mit E-Payment, digitalem Bestellwesen oder Marketingaktivitäten verknüpfen.

          Vectron hat mit „Bonvito“ ein eigenes Bonusprogramm für Großkunden, aber vor allem jüngst eine Kooperation mit der „Deutschlandcard“ geschlossen. Damit will man 20 Millionen Kunden aus dem Handel der Gastronomie zuführen. Zuvor hatte man gemeinsam mit Coca-Cola versucht, eine neue Plattform „GetHappy“ aufzubauen. Das hatte sich aber als zu teuer erwiesen.

          Am Ziel, der Digitalisierung den Weg zu ebnen, aber hat sich nichts geändert. Ein „Gamechanger-Produkt“ zu einem „Gamechanger-Preis“ soll es werden. „Lieber subventioniere ich die Kasse und verdiene an den anderen Leistungen“, sagt Stümmler, der hofft, so auch die Geschäftsentwicklung zu stabilisieren. Denn der Verkauf von Kassen ist stark konjunkturabhängig. 2018 etwa fiel der Umsatz von 32 auf 25 Millionen Euro bei deutlichen Verlusten. Grund war das Auslaufen einer Sonderkonjunktur aufgrund von neuen technischen und steuerrechtlichen Anforderungen an Kassensysteme.

          Die Turbulenzen um die Unternehmensführung, die Aufgabe der Coca-Cola-Kooperation und die schwachen Geschäftszahlen haben den Aktienkurs von seinem Höhenflug im Jahr 2017 um deutliche 70 Prozent zurückkommen lassen. Stümmler ist aber optimistisch: „Derzeit trauen uns die Investoren nicht viel zu. Aber wenn es funktioniert, kann sich der Kurs vervielfachen. Das werden wir unter Beweis stellen.“

          VECTRON SYSTEMS O.N.

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