https://www.faz.net/-gv6-9mopm

Varengold Bank : Kreditmarktplätze haben Zukunftspotential

Der Kredit per Klick wird immer beliebter - doch noch ist der Markt hierzulande eher klein. Bild: Picture-Alliance

Kreditmarktplätze stecken in Europa derzeit noch in den Kinderschuhen. Das Potential sei aber riesig, meint man bei der Varengold Bank, die mit zahlreichen Anbietern kooperiert.

          Das Verhältnis von Banken und Neugründungen, die im Internet spezielle Finanzdienstleistungen anbieten, die sogenannten Fintechs, ist noch nicht so ganz geklärt. Sind diese Nischenanbieter oder sind sie die Zukunft der Branche, die die Platzhirsche verdrängen? Die börsennotierte Varengold Bank, von der Bilanzsumme von zuletzt 665 Millionen Euro her etwa so groß wie die Sparkasse Emden, hat sich in den vergangenen Jahren verstärkt der jungen Branche zugewandt. Ehemals eine Wertpapierhandelsbank hatte sie sich 2013 aus dem Geschäft zurückgezogen und strich den Zusatz „Wertpapierhandel“ aus dem Namen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damals kamen die heutigen Vorstände Bernd Fuhrmann und der ehemalige Landesbanker Frank Otten neu ins Management. „Das Hauptgeschäft mit Differenzkontrakten erschien uns langfristig nicht tragfähig“, sagt Otten. „Wir mussten der Bank ein neues Gesicht geben. Drei Dinge waren uns dabei wichtig: Es sollte erstens etwas sein, das etwas bewirkt. Die Welt verändert sich nicht, wenn Überweisungen in 3 statt in 5 Sekunden abgewickelt werden. Es sollte zweitens kleinteiliges Geschäft sein, um die Risiken besser zu streuen und es sollte drittens möglich sein, von Anfang an die Kosten im Griff zu haben, um schnellstmöglich profitabel zu sein.“

          Kooperation statt Beteiligung

          Am Ende blieb man beim Kreditgeschäft. „Junge Unternehmen und die meisten Privatkunden passen oftmals nicht ins Zielprofil etablierter Banken. Daher bekommen sie keine vernünftigen Kreditangebote. Das wollten wir ändern.“ Fuhrmann und Otten erblickten darin eine Nische mit Potential, die insgesamt auch groß genug sein würde für einige Anbieter. Dabei müsste man diese Angebote nicht selbst machen, sagte sich Varengold mit Blick auf das wachsende Angebot an Kreditplattformen im Internet.

          Indes sollte der Weg nicht der der Beteiligung sein, denn wie Otten immer wieder betont, gehe es doch am Ende stets darum, das Risiko zu managen. „Kooperationen sind einfach schneller und effizienter“, sagt Otten. „Der Vorteil einer Bank ist doch, dass sie sich günstiger refinanzieren kann als ein Fintech. Zudem genießt sie ein vergleichsweise höheres Vertrauen bei Privatanlegern. Die Herausforderung für Fintechs ist doch die Refinanzierung, ihr digitales Produkt haben sie im Griff. Und für die Partnerbank ist an dieser Stelle nicht der technologische Feinschliff entscheidend, sondern ob sie dem Kunden helfen kann.“

          Gemeinsam mit den Fintechs entwickelt Varengold Kreditprodukte, aber vor allem finanziert man das Kreditbuch. Vor Konkurrenz ist Otten nicht bange. Die Wachstumsgrenze habe man längst noch nicht ausgeschöpft, und solange die gesamte Branche auf denselben Zug springe, werde man jedenfalls erfolgreich weiter arbeiten können.

          Deswegen ist die Bank  auch ganz zufrieden, dass sie eher im Hintergrund bleibt. Otten hat noch viel vor. Varengold soll der erste Name sein, der den Betreibern eines Kreditmarktplatzes einfalle, wenn es um Partner für die strategische Entwicklung und die Refinanzierung gehe – nicht nur in Deutschland und Europa, sondern weltweit. Aber dafür werde noch harte Arbeit notwendig sein.

          Weitere Themen

          Das Leid der Fürsten

          Traditionsbank unter Druck : Das Leid der Fürsten

          Hilft striktes Kostenmanagement tatsächlich, schwierige Zeiten zu überstehen ? Der traditionsreichen Fürstlich Castell’schen Bank macht die Niedrigzinsphase besonders zu schaffen.

          Topmeldungen

          Trauer und Jubel in Berlin : Den Grünen gehen die Superlative aus

          Während bei den Grünen die Freude über die Wahlergebnisse in Europa und in Bremen „wahnwitzig“ groß ist, ist die Stimmung bei der Union schon vor der Verkündung der Prognosen auf dem Tiefpunkt. Und bei der SPD wackelt die Parteichefin nach dem Doppeltiefschlag.

          SPD-Debakel in Bremen : Untergang an der Weser

          In Bremen ist das Historische geschehen: Zum ersten Mal seit 73 Jahren liegt die CDU vor der SPD, die ihr schlechtestes Ergebnis seit Bestehen der Bundesrepublik verkraften muss. Wie soll sie aus diesem Tief wieder herauskommen?

          Nach SPD-Debakel : Lauterbach für Rot-Rot-Grün in Bremen und im Bund

          Die SPD hat ein historisches Wahldebakel erlitten. Trotzdem sei nicht die Zeit für Personaldebatten um Nahles, sagt SPD-Politiker Karl Lauterbach. Dafür fordert er mehr Umweltbewusstsein in seiner Partei – und Mut zu neuen Bündnissen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.