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Nach Dammbruch : Vale prüft Aussetzung von Dividenden und Aktienrückkauf

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Ein Hubschrauber überfliegt die betroffene Gegend nach dem Bruch des Staudamms Córrego do Feijão des Bergbauunternehmens Vale in Brumadinho. Bild: dpa

Der verheerende Dammbruch in Brasilien hat erste Folgen für den Bergbaukonzern Vale. Dieser überlegt nun, Dividendenzahlung und Aktienrückkäufe einzustellen.

          Der brasilianische Bergbaukonzern Vale erwägt nach dem verheerenden Dammbruch an einer seiner Eisenerzminen in Brasilien, der viele Menschen das Leben kostete, Dividendenzahlung und Aktienrückkäufe auszusetzen. Dies habe der Verwaltungsrat in einer außerordentlichen Sitzung beraten, teilte der Bergbaukonzern in der Nacht zum Montag mit.

          Zudem werde überlegt, Managern die variablen Gehaltsanteile vorübergehend zu streichen. Unterdessen fror ein Gericht 3 Milliarden Dollar an Vermögenswerten als Pfand für Entschädigungszahlungen ein.

          Der Aktienkurs des Bergbaukonzerns ist nach dem Unglück im Ausland um rund 8 Prozent gefallen. Die Börse in Brasilien ist derzeit wegen Feiertagen geschlossen. Die beiden Dammbrüche in Folge werden nun auch die Banken zum Nachdenken bringen: Ein Banker erklärte unter dem Siegel der Verschwiegenheit, die Finanzhäuser würden künftig Investitionen in Konzerne wie Vale oder BHP Billiton wesentlich kritischer beurteilen. John Howchin, der den Ethikrat des öffentlichen schwedischen Pensionsfonds leitet, sagt der Zeitung „Dagens Nyheter“, er werde wohl empfehlen, künftig Investitionen in Vale für den Fonds zu sperren.

          VALE S.A.

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          Es sei auch die Gründung von zwei Gremien mit externen Beratern beschlossen worden, um den Verwaltungsrat zu unterstützen, hieß es weiter. Ein Ausschuss solle sich um Unterstützung für die Hinterbliebenen und die Schäden des Dammbruchs kümmern. Die andere Gruppe solle die Ursachen der Katastrophe untersuchen.

          Nach dem Dammbruch nahe der Ortschaft Brumadinho im Bundesstaat Minas Gerais ist die Zahl der bestätigten Todesopfer jüngsten Angaben zufolge auf 58 gestiegen. 305 weitere Menschen wurden noch vermisst, wie die Zivilschutzbehörde am Sonntag mitteilte. Die Zahl der Toten dürfte demnach noch weiter steigen.

          „Es sind viele Vermisste. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie tot sind, ist erheblich gestiegen“, sagte der Minister für regionale Entwicklung, Gustavo Canuto. Am Sonntag konnten die Rettungskräfte keine Überlebenden bergen. Der Damm an der Mine des Bergbaukonzerns Vale war am Freitag gebrochen. Eine Schlammlawine war über Teile der Anlage und benachbarte Siedlungen gerollt. Wie es genau zu dem Unfall kam, sei noch unklar, sagte Vale-Präsident Fábio Schvartsman am Sonntag. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein, um die Verantwortlichen für das Unglück zu ermitteln.

          Vale hatte ein vergleichbares Desaster schon im November 2015 zu verantworten: Damals war ebenfalls in der bodenschatzreichen Provinz ein Damm gebrochen, der zu einer Mine gehörte, die Vale und der größte Rohstoffkonzern der Welt, die australische BHP Billiton, über ihr Tochterunternehmen Samarco gemeinsam betreiben. Das damalige Rückhaltebecken war etwa fünfmal so groß wie das nun zerstörte. Bis jetzt sind die Rechtsstreitigkeiten um die Katastrophe, die 19 Menschen ihr Leben kostete, nicht beigelegt. Damals war der Aktienkurs um 60 Prozent gefallen.

          Eisenerz wird teurer

          Die Rating-Agentur S&P hat Vales Bonitätsstaus auf Beobachtung gestellt.  Die Anwälte, die die Opfer und Geschädigten der Samarco-Katastrophe vertreten, sprachen am Wochenende davon, dass die Folgen die Finanzkraft des Vale-Konzern übersteigen könnten. Die Rendite der 2022 fälligen Anleihe der Samarco-Mine, die für das Unglück 2015 verantwortlich war, stieg um 2,3 Prozentpunkte auf 14,6 Prozent.

          In China stiegen derweil die Preise der Terminkontrakte auf Eisenerz um 6 Prozent auf ein 16-Monats-Hoch. Indes halten Beobachter den tatsächlichen Effekt auf den Preis für Eisenerz für vernachlässigbar. Die Schließung der Mine verringere die Eisenerzproduktion von Vale um etwa 1,5 Prozent, sagte Helen Lau, Analystin bei Argonaut Securities.

          Viele eher werde ein schwache Nachfrage aus China im Vorfeld des chinesischen Neujahrs  den Preis am Boden halten, heißt es.

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