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Notenbank Fed : Anleger, schaut auf diesen Mann!

Dass Jerome Powell wie einst der legendäre Fed-Chef Alan Greenspan zu einer Art Magier der Märkte werden könnte, steht allerdings nicht zu erwarten. Powells Auftritt im Rosengarten des Weißen Hauses war von Demut und Respekt vor der Aufgabe geprägt: „Geldpolitische Entscheidungen haben Auswirkungen auf das Leben amerikanischer Familien. Ich will dem amerikanischen Volk dienen.“ Eine mitreißende Rede hielt Powell nicht. Vielleicht sollte man das aber auch gar nicht von ihm erwarten. Ein guter Notenbanker, das gehört quasi zur Stellenbeschreibung, sollte im besten Sinne langweilig sein und nicht zu viel Aufhebens um sich machen. Genügt doch ein unbedachtes Wort, um die gesamte Finanzwelt zu verunsichern.

Ob Jerome Powell für alle Unwägbarkeiten seiner neuen Tätigkeit gewappnet ist, lässt sich trotzdem bezweifeln. Eine waschechte Finanzkrise hat er in seiner bisherigen Zeit als einfaches Direktoriumsmitglied nicht erleben müssen. Es ist eine Erfahrung, die ihm fehlt. Selbst ohne ein solches Extremerlebnis steht der Neue vor einer delikaten Aufgabe: Er muss einerseits den Leitzins weiter behutsam anheben, um der Fed Spielraum nach unten zu verschaffen, wenn es der Wirtschaft tatsächlich einmal wieder schlechter gehen sollte. Und er muss andererseits aufpassen, den Leitzins nicht zu schnell zu erhöhen, weil dies das Wirtschaftswachstum abwürgen kann. Jerome Powell ist sich des Zwiespalts bewusst. In seinen eher raren öffentlichen Äußerungen findet sich ein Wort immer wieder: Es gehe in der Geldpolitik stets um die richtige Balance.

Bislang hat dies die Fed unter Führung Janet Yellens einigermaßen hinbekommen. Doch mit der richtigen Balance kann es schneller vorbei sein, als Anlegern lieb sein dürfte. „Die größte Gefahr in Amerika besteht derzeit in einem deutlichen Anstieg der Inflation, zum Beispiel wegen steigender Löhne“, sagt Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank. „Darauf müsste die Zentralbank mit deutlichen Zinserhöhungen reagieren.“ Mit der so mühsam austarierten Balance wäre es vorbei, die Aktienkurse würden fallen. Manch einer erwartet gar, dass in einer solchen Situation ein Großteil des Börsenaufschwungs der vergangenen Jahre wie künstlich in sich zusammenfallen könnte.

So weit muss es nicht kommen, zumal die Löhne in Amerika trotz guter Arbeitsmarktlage bislang kaum steigen. Allerdings könnte es sein, dass eine bestimmte Überzeugung des designierten Notenbankchefs sich gerade in Krisenzeiten negativ auswirkt: Powell hat sich in der Vergangenheit für Erleichterungen bei der Regulierung von Banken ausgesprochen. Auch das muss zunächst einmal gar nicht so schlimm sein. So dürfen Banken in Amerika in der Regel keine Wertpapiergeschäfte auf eigene Rechnung betreiben. Dies zu überprüfen ist jedoch sehr umständlich, da einige Geschäfte (wie das Sicherstellen eines funktionierenden Handels in einem bestimmten Marktsegment) eben doch erlaubt sind. Die Banken müssen die Rechtmäßigkeit eigenhändig nachweisen. Die Frage ist, ob sich dieser erhebliche Aufwand lohnt. Würde Powell für eine Änderung werben, wäre dies also sinnvoll.

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Anders sähe dies aus, wenn er die Eigenkapitalregeln für Banken laxer gestalten wollte, was ihm manche nachsagen. Eigenkapital ist jenes Geld, was Banken von ihren Eigentümern – also von ihren Aktionären – erhalten. Es wäre gefährlich, wenn Powell den Instituten erlauben würde, weniger davon vorzuhalten, warnt ifo-Chef Fuest. Dies mache Banken unsicherer, weil sie dann in Krisenzeiten auf weniger Eigenkapital als Puffer zurückgreifen könnten.

Andererseits weiß Powell genau, was es heißt, wenn Banken nicht ausreichend gefestigt sind. Zu Beginn seiner Karriere arbeitete Powell in den 1990er Jahren im amerikanischen Finanzministerium. In diese Zeit fiel auch die Schieflage hunderter amerikanischer Regionalbanken. In einer Rede im Jahr 2013 sagte Powell, er habe damals verstanden, wie wichtig es sei, Banken widerstandsfähig zu machen. Es bleibt zu hoffen, dass er sich auch heute noch daran erinnert. Dann könnte es sein, dass die Amerikaner und die Anleger in aller Welt mit dem Juristen an der Spitze der Notenbank einige gute Jahre erleben werden.

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