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Amerikanische Notenbank : Fed signalisiert Abkehr von der straffen Geldpolitik

Jerome Powell Bild: Reuters

Der Notenbankchef Jerome Powell tastet den Leitzins nicht an – distanziert sich aber von regelgebundener Bilanzkürzung. Die Wall Street reagiert mit Kursgewinnen.

          Der Vorsitzende der amerikanischen Notenbank Federal Reserve, Jerome Powell, hat am Mittwochabend mit starken Worten bestritten, er reagiere auf Druck des amerikanischen Staatspräsidenten. „Wir sind menschlich und wir machen Fehler. Aber wir machen keine Charakterfehler“, sagte Powell, der mit diesen Worten die Unabhängigkeit der Notenbank vom Mann im Weißen Haus demonstrieren wollte. In Tat und Wahrheit passt sich die Fed in ihrer Politik aber sowohl Forderungen des Weißen Hauses wie der Finanzmärkte an. Die trotz wachsender Wirtschaft und hoher Beschäftigung unter Kontrolle erscheinende Inflationsrate erleichtert der Fed ihre Position.

          Die Sitzung der Führung der Notenbank endete am Mittwoch wie erwartet ohne geldpolitische Entscheidungen. In der anschließenden Pressekonferenz distanzierte sich Powell von Äußerungen aus der vorangegangenen Notenbanksitzung im Dezember. Hatte Powell im Dezember noch zwei Leitzinserhöhungen für das laufende Jahr angekündigt und damit die Börsen verschreckt, plädierte er am Mittwoch für einen „geduldigen“ Ansatz in der Zinspolitik. Die aktuelle Ausrichtung der Geldpolitik sei angesichts eines nach wie vor soliden, aber sich abschwächenden Wirtschaftswachstums angemessen, sagte der Fed-Vorsitzende. Wie lange die Fed geduldig bleiben werde, hänge von der weiteren Entwicklung der Wirtschaft ab. Mit Blick auf die Risiken verwies Powell auf ein schwächeres Wirtschaftswachstum in China und in Europa.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte die Notenbank in den vergangenen Monaten mehrfach rüde wegen ihrer Zinserhöhungen kritisiert. Auch an den Finanzmärkten war einiger Unmut zu hören, nachdem die Aktienkurse ab Oktober für einige Zeit deutlich gefallen waren. Mittlerweile erwarten die amerikanischen Finanzmärkte für das Jahr 2019 überhaupt keine Leitzinserhöhung mehr; im Jahre 2020 könnte der Leitzins von derzeit 2,25 bis 2,5 Prozent (die Fed definiert für den Leitzins keinen fixen Wert, sondern eine Spanne) dann sogar aus der Sicht des Marktes sinken.

          „Die Fed liefert genau das, was die Märkte erhofften“

          Fast noch interessanter als Powells Aussagen zum Zins waren seine Äußerungen zur Reduzierung der durch jahrelange Anleihekäufe aufgeblähten Bilanzsumme der Fed von derzeit knapp 4 Billionen Dollar. Zur Zeit reduziert sich die Bilanzsumme um 50 Milliarden Dollar im Monat, weil die Fed nicht mehr alle auslaufenden Anleihen in ihrem Bestand ersetzt. Obgleich die Folgen dieser Bilanzkürzung für Wirtschaft und Finanzmärkte unter Ökonomen höchst umstritten sind, gilt die Kürzung bei nicht wenigen Finanzleuten an der Wall Street als eine Belastung für den Aktienmarkt. Hatte Powell im Dezember noch angekündigt, die Bilanzsumme der Fed werde weiterhin automatisch um 50 Milliarden Dollar im Monat zurückgehen, deutete er am Mittwoch einen flexibleren Ansatz an. Die Fed sei bereit, ihre Bilanzpolitik im Lichte der Entwicklungen von Wirtschaft und Finanzmärkten bei Bedarf anzupassen, sagte Fed-Chef Powell.

          „Die Fed liefert genau das, was die Märkte erhofften“, sagte Mohamed El-Erian, Berater der Allianz. Er sprach von einer „Kehrtwende“ in der Kommunikation der Notenbank. Der New Yorker Bankökonom Joseph LaVorgna kommentierte den flexibleren Ansatz der Fed gegenüber der Reduzierung ihrer Bilanzsumme mit dem Wort: „Bravo!“ An der Börse wurden Powells Äußerungen sehr wohlwollend, aber auch nicht euphorisch aufgenommen. Denn Powell hatte die Kehrtwende der Fed in den vergangenen Wochen in Reden bereits angedeutet. Der Dow-Jones-Index für 30 Standardwerte legte um rund 1,5 Prozent zu. Der Ölpreis verteuerte sich um knapp 2 Prozent. Am Devisenmarkt verlor der Dollar gegenüber anderem Währungen ein wenig. Kurz vor dem New Yorker Handelsschluss kostete ein Euro 1,1453 Dollar.

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