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Amerikanische Großbank : JP Morgan will den deutschen Mittelstand

Die Investitionen machten es erst möglich, den Kunden maßgeschneiderte Lösungen zum Beispiel für den Zahlungsverkehr zu liefern. „Aber auch das Thema IT-Sicherheit spielt für die Kunden und für uns eine sehr zentrale Rolle. In Cyber Security investieren wir jedes Jahr 750 Millionen Dollar.“ Weitere Gründe, warum deutsche Unternehmen sich zunehmend JP Morgan zuwendeten, seien das gute Kreditrating und natürlich das „Fortress Balance Sheet“, das Jamie Dimon so gerne herausstellt – also sozusagen die bombensichere Bilanz.

Ihre Ambitionen an der Wall Street hat die Deutsche Bank längst heruntergefahren. Kann eine Wall-Street-Bank wie JP Morgan ihr nun aber in ihrem Heimatmarkt gefährlich werden? In den Paradedisziplinen des Investmentbankings ist das längst passiert. „Wir sind in Deutschland das zweite Jahr in Folge Marktführer im Investmentbanking, in der Beratung zu Fusionen und Übernahmen liegen wir ganz vorne, im Aktien- und Anleihegeschäft auf einem der vorderen Plätze“, sagt Neukirchen. Er verweist dabei auf die jüngsten Marktdaten von Dealogic, wonach JP Morgan sowohl im Vorjahr als auch im bisherigen Jahresverlauf die Spitzenposition einnimmt, mit einem Marktanteil von 10,3 Prozent. Die Deutsche Bank ist demnach von Platz 2 im Jahr 2018 auf aktuell Platz 4 abgerutscht und liegt mit noch 7,1 Prozent Marktanteil hinter Bank of America Merrill Lynch und Goldman Sachs. Die Commerzbank belegt Platz 10 mit 3 Prozent Marktanteil.

Dass die deutschen Institute im Wettbewerb mit den amerikanischen Häusern immer stärker unter Druck geraten, hat gerade erst der Präsident des Bankenverbands, Hans-Walter Peters, moniert. „Große Fusionen und Übernahmen, für die viel Kapital benötigt wird, laufen fast nur noch über amerikanische Häuser“, sagte er und verwies darauf, dass die Banken in den Vereinigten Staaten deutlich effizienter arbeiten könnten als jene in Europa. In Amerika liege die Kapitalrendite der Banken im Schnitt bei 14,5 Prozent, in Deutschland gerade einmal bei 3,74 Prozent. Als Gründe gelten zum einen die Strafzinsen der Europäischen Zentralbank, welche die Banken jedes Jahr viel Geld kosten, zum anderen die Wettbewerbsverzerrung durch die öffentlich-rechtlichen Sparkassen und Landesbanken. Drittens profitieren die amerikanischen Institute aber auch von ihrem viel größeren Heimatmarkt. Um einen vergleichbaren Markt zu erhalten, appellieren deutsche Bankmanager daher schon lange an die Politik, endlich einen einheitlichen Finanzbinnenmarkt in ganz Europa zu schaffen.

Wer wechselt an den Main?

Zunächst steht aber die Abspaltung Großbritanniens von der Europäischen Union auf der Agenda und vor allem aus Frankfurter Sicht die Frage, wie viele Brexit-Banker wohl von der Themse an den Main wechseln mögen. „Frankfurt ist ein ganz zentraler Bestandteil unserer Post-Brexit-Planung“, sagt Neukirchen. „Deutschland ist unser drittgrößter Standort außerhalb Amerikas. Hier haben wir viele Mitarbeiter, Kunden und hohes Vertrauen.“ Die Bank werde ihre Londoner Mitarbeiter aber wohl nicht an einem einzelnen Standort in Kontinentaleuropa zusammenlegen. Daher rechnet JP Morgan zunächst eher mit einigen hundert zusätzlichen Bankern in Frankfurt. Aktuell sitzen knapp 500 Mitarbeiter in dem Hochhaus Taunustor im Bankenviertel, von wo aus der Blick hinüber zu den Doppeltürmen der Deutschen Bank fällt. „Über die Zeit könnte es sich sicher so einspielen, dass, wenn ein Banker in London die Bank verlässt, seine Stelle eher in Frankfurt oder an einem anderen Standort neu besetzt wird“, meint Neukirchen. Außer den deutschen Unternehmen hat die amerikanische Großbank auch noch eine andere Zielgruppe im Blick, die Reichen. „Im Geschäft mit vermögenden Privatkunden können und wollen wir in Deutschland sicher noch mehr PS auf die Straße bringen“, sagt Neukirchen. Das Rennen ist eröffnet.

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