https://www.faz.net/-gv6-aibzm

Amerikanische Geldpolitik : Die Fed hat schnelleren Weg zu einer Zinserhöhung im Blick

  • Aktualisiert am

Lebhafte Diskussionen über Zinsschritte und die Drosselung der Anleihekäufe: Die amerikanische Notenbank Federal Reserve in Washington Bild: Reuters

Auf der jüngsten Sitzung der amerikanischen Notenbank haben mehrere Teilnehmer ein höheres Tempo in der Drosselung der Anleihekäufe befürwortet. Als wichtiges Argument gilt vor allem die hohe Inflation.

          1 Min.

          Die amerikanische Notenbank Federal Reserve Fed hat auf ihrer jüngsten geldpolitischen Sitzung über einen schnelleren Weg zu einer Zinserhöhung diskutiert. Mehrere Teilnehmer brachten demnach das Argument vor, dass die Fed auf ein höheres Tempo bei der Verringerung ihrer Anleihenkäufe vorbereitet sein müsse. Dieses verschärfte Tempo könne angemessen sein, um bei Bedarf früher in der Lage zu sein, eine Zinserhöhung in die Wege zu leiten. Wie aus den am Mittwoch veröffentlichten Protokollen der Sitzung weiter hervorgeht, forderten mehrere Währungshüter Flexibilität als Richtschnur für die Geldpolitik in einem von Unsicherheit und erhöhter Inflation geprägten Umfeld.

          Die Federal Reserve hatte sich auf der Sitzung am 2. und 3. November letztlich darauf geeinigt, ihre Wertpapier-Zukäufe zunächst von Mitte November an um monatlich 15 Milliarden Dollar zu drosseln. Das gesamte Ankaufvolumen von zuletzt 120 Milliarden Dollar monatlich könnte somit im Zuge dieses sogenannten Taperings bis Mitte kommenden Jahres abgeschmolzen sein. Dies gilt als Voraussetzung für eine Zinserhöhung. Doch behielt sich die Notenbank ausdrücklich vor, das Tempo bei Bedarf zu erhöhen oder auch zu senken.

          Der scheidende Fed-Vize Richard Clarida hat signalisiert, dass ein beschleunigtes Tapering angesichts der erhöhten Inflationsgefahren auf der Zinssitzung im Dezember zur Sprache kommen könnte. Fed-Direktor Christopher Waller wurde noch konkreter und forderte eine Verdoppelung des Abbau-Tempos. Dann könnte die Fed ihre Anleihenkäufe schon im April abgeschmolzen haben. Dies würde den Weg für eine Zinserhöhung im zweiten Quartal freimachen. Die Fed hält den Leitzins derzeit in einer Spanne von null bis 0,25 Prozent.

          Auch die Fed-Chefin des Bezirks San Francisco, Mary Daly, zeigte sich offen für die Idee eines beschleunigten Taperings - insbesondere auch vor dem Hintergrund der Inflationsgefahren: Die Teuerungsrate in den Vereinigten Staaten ist zuletzt im Zuge von stark steigenden Energiekosten und pandemiebedingten Lieferengpässen mit 6,2 Prozent so hoch gewesen wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr. Zugleich erholt sich der Jobmarkt spürbar von der Corona-Krise.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Mitarbeiter einer Corona-Teststation auf dem Marktplatz vor dem Rathaus in Tübingen hat Teströhrchen in der Hand.

          Corona-Pandemie : Sieben-Tage-Inzidenz fällt auf 432,2

          Die Gesundheitsämter melden dem Robert-Koch-Institut 36.059 Corona-Neuinfektionen, die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt leicht. Bei der Einordnung der Zahlen weist das RKI auch auf eine mögliche Untererfassung hin.
          Karl Lauterbach (SPD), designierter Bundesminister für Gesundheit

          Künftiger Gesundheitsminister : Lauterbachs Fehler

          Karl Lauterbach ist qualifiziert für das Amt des Gesundheitsministers, doch seine Kompetenz könnte ihm in der Pandemiezeit im Wege stehen – denn ein Minister muss delegieren, also loslassen können.
          Im Namen Taiwans: Das Repräsentationsbüro in Vilnius

          Ärger wegen Taiwan-Büro : Wenn China Fliegen fängt

          Peking straft das kleine Litauen für die Eröffnung eines Taiwan-Büros ab. Den chinesischen Zorn haben auch schon Kanada und Australien in anderen Fällen zu spüren bekommen. Welche Erfahrung hat man dort gemacht?