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US-Börsen : Fed-Protokoll macht Anlegern Mut

  • Aktualisiert am

Aktienhändler an der New Yorker Börse Bild: EPA

Lockert die amerikanische Notenbank im Herbst ihre Geldpolitik? Die Hoffnung darauf beflügelt am Mittwoch nach der jüngsten Sitzung des geldpolitischen Ausschusses die US-Börsen. Die Nervosität am Markt bleibt indes hoch.

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          Am US-Aktienmarkt hat sich nach zwei turbulenten Handelstagen wieder etwas Zuversicht breitgemacht. Die wichtigsten Indizes schlossen am Mittwoch teils recht deutlich im Plus. Das Protokoll der US-Notenbank zur jüngsten Sitzung des geldpolitischen Ausschusses hatte zumindest nicht die Erwartung geweckt, dass die Fed eine schärfere Gangart als erwartet an den Tag legen wird, um die hohe Inflation zu bekämpfen. Im Gegenteil sahen Börsianer eher Hinweise dafür, dass die Notenbank nach einer ersten Phase größerer Zinserhöhungsschritte zum Jahresende hin einen etwas weniger straffen Kurs einschlagen könnte.

          Der Leitindex Dow Jones Industrial ging 0,60 Prozent höher bei 32.120,28 Punkten aus dem Handel. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 0,95 Prozent auf 3978,73 Zähler nach oben. Der technologielastige Nasdaq 100 stieg um 1,48 Prozent auf 11.943,93 Punkte.

          Die Fed hat zwar zunächst in ihrem Protokoll wie erwartet weitere größere Zinserhöhungsschritte in Aussicht gestellt. Die zügige Rückführung der geldpolitischen Unterstützung der Wirtschaft dürfte es der Notenbank dann aber zum Jahresende erlauben, ihre Geldpolitik neu zu bewerten. Paul Ashworth, Chefvolkswirt für die USA beim Analysehaus Capital Economics, wertete dies als eine Aussage, die für eine eher weniger strenge Geldpolitik nach dieser Phase größerer Zinserhöhungen spreche. Die Aussage erinnere an die jüngste Bemerkung des US-Notenbankers Raphael Bostic, wonach eine Pause bei den Zinserhöhungen im September „Sinn ergeben könne“.

          Corona-Lockdowns und Ukrainekrieg sorgen für Nervosität

          Derweil bleibt die Nervosität am Markt hoch. Am Montag hatten noch Entspannungssignale im Handelsstreit mit China und ein starker Bankensektor die Kurse angetrieben, doch am Dienstag lösten schlechte Nachrichten aus der Social-Media-Branche einmal mehr einen Kursrutsch bei den Technologiewerten aus. Der Krieg in der Ukraine und die Corona-Lockdowns in China verschlechtern die Aussichten insbesondere für die sehr konjunkturabhängigen Tech-Werte zusätzlich.

          Unter den Einzelwerten zogen die Aktien der Schnellrestaurant-Kette Wendy's um 9,8 Prozent an. Großaktionär Trian Fund Management „prüft eine Transaktion“. Das könnte eine Übernahme, ein Zusammenschluss oder eine andere Transaktion bedeuten, hieß es. Trian ist mit etwa 11,8 Prozent an Wendy's beteiligt.

          Für Nordstrom ging es um rund 14 Prozent hoch. Die Kaufhaus- und Versandhauskette hatte ihre Umsatz- und Ergebniserwartung für 2022 angehoben. Im Kielwasser schnellten die Anteilscheine des Branchenkollegen Best Buy an der S&P-500-Spitze um knapp 9 Prozent in die Höhe.

          Aktien von Waffenproduzenten steigen nach Amoklauf in Texas

          Thema an der Börse war auch das Massaker an einer Grundschule im Bundesstaat Texas. Der US-Präsident forderte Konsequenzen aus den wiederkehrenden Amokläufen mit Schusswaffen. „Als Nation müssen wir uns fragen, wann in Gottes Namen wir der Waffenlobby die Stirn bieten werden“, sagte Joe Biden. „Wir müssen handeln.“

          Doch wie so oft bei ähnlich schlimmen Ereignissen zogen auch diesmal die Kurse der Aktien von Waffenproduzenten an. So stiegen Smith & Wessen Brands und Vista Outdoor um jeweils knapp sieben Prozent. Börsianer begründen dies damit, dass diejenigen, die nun eine schärfere Gangart der Politik erwarteten, sich noch rechtzeitig mit Waffen eindecken wollten.

          Der Euro notierte zuletzt bei 1,0674 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0656 (Dienstag: 1,0720) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9384 (0,9328) Euro.

          Am Rentenmarkt stieg der Terminkontrakt für zehnjährige Treasuries (T-Note-Future) um 0,16 Prozent auf 120,56 Punkte. Die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen fiel im Gegenzug auf 2,76 Prozent

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