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Unternehmensstudie : Europa wächst, Amerika verdient

Auch Chinesen begeistern sich für das iPhone X von Apple. Bild: Imago

Apple verdient so viel wie kein anderer Konzern auf der Welt. Dabei wachsen amerikanische Unternehmen zwar weniger stark als europäische, sind jedoch viel profitabler.

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          Im ersten Moment klingt es überraschend positiv: Europäische Unternehmen wachsen am stärksten. Sie schlagen damit ihre Konkurrenten in Nordamerika oder Asien. Doch sie sind weit weniger profitabel als amerikanische Aktiengesellschaften. Zudem kommen neun der zehn Unternehmen mit den höchsten Gewinnen überhaupt aus Amerika. Dies ergibt eine Analyse der Bilanzen der 1000 umsatzstärksten an der Börse notierten Konzerne der Welt durch die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY – ohne Banken und Versicherer.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Aufgeteilt nach Regionen, zeigt sich, dass 36 Prozent der größten Unternehmen der Welt in Asien angesiedelt sind, 33 Prozent kommen aus Nordamerika und 27 Prozent aus Europa. Die 265 europäischen Werte unter den 1000 größten Konzernen haben ihren Umsatz im vergangenen Jahr im Durchschnitt um 10 Prozent gesteigert. Nordamerikanische Gesellschaften hingegen haben durchschnittlich ein Umsatzplus von 8 Prozent erzielt, asiatische eines von 6 Prozent. Mit einem Umsatzwachstum von 20 Prozent hat China im Durchschnitt den größten Anstieg verzeichnet. Zum Vergleich: In Deutschland waren es plus 6 Prozent.

          Das Unternehmen mit den höchsten Umsätzen ist Walmart, gefolgt von China Petroleum & Chemical Corporation, Royal Dutch Shell und Petrochina. Auf Platz fünf liegt mit Volkswagen das erste deutsche Unternehmen – nach Rang vier im Vorjahr. Daimler belegt Rang 15, später folgen BMW (34) und Siemens (45).

          Auch gemessen am Gewinnwachstum, liegt Europa vorn. Der operative Gewinn europäischer Großunternehmen ist laut EY im Durchschnitt um gut ein Fünftel gestiegen, während asiatische und nordamerikanische Gesellschaften im Jahr 2017 Wachstumsraten von 16 Prozent beziehungsweise 9 Prozent verzeichnet hätten.

          Das Maß aller Dinge in Sachen Profitabilität blieben aber amerikanische Unternehmen, heißt es von EY. Im Durchschnitt habe deren Gewinnmarge im Vorjahr 13,2 Prozent betragen. Europäische Konzerne seien auf 10,4 Prozent gekommen, asiatische nur auf 8 Prozent. Damit sind nordamerikanische Unternehmen um ein Viertel profitabler als die europäische Konkurrenz. Die höchsten Margen wurden mit durchschnittlich rund 22 Prozent von Pharmakonzernen erzielt, gefolgt von der Telekombranche mit 15 Prozent sowie der Lebensmittel- und Tabakindustrie mit 14 Prozent. Besonders mager waren sie für Lebensmitteleinzelhändler mit 3,7 Prozent, sonstige Einzelhändler (6,7) und die Autoindustrie (6,8). Das margenstärkste Einzelunternehmen der Analyse war Visa mit 66 Prozent. Konkurrent Mastercard folgt drei Plätze dahinter mit 53 Prozent. Facebook auf Platz fünf brachte es auf eine Marge von 50 Prozent.

          Den höchsten Gewinn überhaupt habe mit umgerechnet 54,4 Milliarden Euro Apple erzielt, heißt es von EY. Dieser Erfolg spiegelt sich an der Börse. Am Donnerstag kletterte der Aktienkurs von Apple erstmals auf mehr als 190 Dollar. Der Konzern hat damit einen Börsenwert von 934 Milliarden Dollar und ist das wertvollste Unternehmen der Welt.

          Laut EY mischt sich nur der südkoreanische Elektronikriese Samsung mit einem Gewinn von 42 Milliarden Euro auf Rang zwei unter die großen Amerikaner. Dann folgen Verizon, Alphabet, Berkshire Hathaway, Walmart und Microsoft. Das erste europäische Unternehmen ist der Ölkonzern Royal Dutch Shell auf Rang elf vor Anheuser-Busch auf Rang 13. Daimler liegt als gewinnstärkster deutscher Konzern auf Platz 18 und auf Rang drei in Europa.

          Nur 44 deutsche Konzerne schaffen es überhaupt auf die Liste der 1000 größten der Welt. Sie belegen zusammen mit Südkorea den fünften Platz hinter den Vereinigten Staaten (305 Unternehmen), Japan (144), China (82) und Großbritannien (47). Die gute Nachricht: 90 Prozent der deutschen Unternehmen hätten ihren Umsatz zuletzt gesteigert, sagt EY. Auf der Welt hätten das nur 78 Prozent geschafft. Auch gemessen am Gewinnwachstum, hätten deutsche Konzerne überdurchschnittlich gut abgeschnitten.

          Die europäische Wirtschaft habe 2017 einen großen Schritt nach vorn gemacht, sagt Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung von EY. Unterstützt von einem schwachen Euro, einer starken Auslandsnachfrage und einer deutlich anziehenden Konjunktur, hätten viele europäische Konzerne im Gewinn und Umsatz deutlich zulegt. Was Zukunftsbranchen angehe, sei Amerika und derweil auch China aber deutlich besser aufgestellt als Deutschland. So stammten 11 Prozent der größten amerikanischen Konzerne und 12 Prozent der chinesischen aus der IT-Branche, in Deutschland und Europa seien es jeweils nur 5 Prozent.

          Und ein Blick auf die Liste der zehn gewinnstärksten Konzerne der Welt reiche, um zu sehen, wo derzeit wirklich Geld verdient werde und wo neue Arbeitsplätze entstünden, sagt Meyer zur Dominanz amerikanischer und immer mehr auch chinesischer Unternehmen in der Informationstechnologie. Europa bleibe von der „Old Economy“ dominiert und müsse aufpassen, nicht den Anschluss zu verlieren, während sich die IT-Branche anderswo zu einer führenden Branche entwickele und fast unabhängig von Konjunkturzyklen eine bemerkenswerte Dynamik zeige.

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