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Unternehmen des F.A.Z.-Index : Fast 50 Milliarden Euro für die Aktionäre

Mit dem vielen Geld können die Aktionäre machen was sie wollen – zum Beispiel an einer Wäscheleine aufhängen. Bild: dpa

Nach schweren Tagen an den Börsen beginnt jetzt eine erfreuliche, lukrative Zeit. Die Unternehmen des F.A.Z.-Index dürften in diesem Jahr wieder rekordhohe Dividenden an die Anleger ausschütten.

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          Anleger haben an den Börsen wahrlich schon bessere Zeiten erlebt. Ein Aktienindex wie der F.A.Z.-Index hat in diesem Jahr zwar 7 Prozent zugelegt, im Vorjahr aber ein Fünftel seines Wertes verloren. Der Dax war kaum besser.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die jährlichen Ausschüttungen der Gewinne der Gesellschaften an ihre Aktionäre sind der Grund dafür, warum für viele Anleger nun aber eine erfreuliche, lukrative Zeit beginnt. In der aktuellen Dividendensaison dürften die Unternehmen des F.A.Z.-Index, geschätzt, die Rekordsumme von 49,5 Milliarden Euro an Dividenden für das Geschäftsjahr 2018 ausschütten. Das wären 4,4 Prozent mehr als im Vorjahr mit 47,4 Milliarden Euro, auch dies ein Höchstwert. Im Vergleich zum Jahr 2013 käme dies sogar einem Plus um mehr als 50 Prozent gleich.

          9 Euro von der Munich Re

          Den großen Dividendenreigen dieses Jahres eröffnet der Technologiekonzern Siemens, der an diesem Mittwoch seine Hauptversammlung in München abhält. Die Aktionäre stimmen auf diesen Treffen unter anderem über die Höhe der zu zahlenden Dividende ab. Im Fall von Siemens sind dies 3,80 Euro je Aktie, nach zuvor 3,70 Euro. Am Freitag folgt der Stahlriese Thyssen-Krupp, der wie Siemens über ein gebrochenes Geschäftsjahr verfügt, das schon im September endet. Hier beträgt der Dividendenvorschlag unverändert 0,15 Euro jede Anteilschein.

          Am Börsenhandelstag nach der Hauptversammlung wird die Dividende an der Börse vom Kurs abgezogen. Den Aktionären fließt sie aber seit dem Jahr 2017 erst am dritten auf das Treffen folgenden Geschäftstag zu. Optisch hohe Kursverluste an den Tagen „ex-Dividende“ sind also in der Regel kein schlechtes Zeichen, zumal sich die Aktienkurse von diesen Abschlägen oft rasch wieder erholen.

          Diesen Sachverhalt nutzen sogenannte Dividendenjäger. Sie kaufen eine vielversprechende Aktie erst kurz vor der Hauptversammlungen und verkaufen das Wertpapier alsbald danach auch wieder, wenn sich der Aktienkurs möglichst wieder erholt hat. In der Zwischenzeit haben sie allerdings eine schöne Dividende kassiert.

          Die höchste Dividendensumme dürfte in diesem Jahr mit 3,723 Milliarden Euro von der Allianz AG kommen, gefolgt von Daimler mit 3,423 Milliarden Euro, der Deutschen Telekom mit 3,32 Milliarden Euro und Siemens mit 3,07 Milliarden Euro. Auch auf die Aktionäre von BASF, Volkswagen (Vorzüge), Bayer und BMW warten wohl jeweils mehr als 2 Milliarden Euro.

          Treffen die Schätzungen zu, dann werden 68 Unternehmen, also mehr als zwei Drittel der Werte des F.A.Z-Index, ihre Dividenden erhöhen und 19 sie unverändert belassen. Elf Konzerne dürften sie senken. Der üblicherweise 100 Werte umfassende F.AZ.-Index hat durch das Ausscheiden des Industriegasekonzerns Linde (Fusion mit Praxair) und des Generikaherstellers Stada (Übernahme durch Finanzinvestoren) derzeit nur 98 Mitglieder. Nach der nächsten Index-Anpassung im Mai sollten es wieder 100 Werte sein.

          Die höchste Dividendenprognose je Aktie stammt vom Küchenhersteller Rational mit 10 Euro. Dahinter folgt Munich Re mit 9 Euro und Allianz mit 8,8 Euro. Mit Hochtief, der Hannover Rück, MAN und Volkswagen gibt es noch weitere Gesellschaften, die jeweils wohl mehr als 5 Euro je Aktien zahlen dürften. Nur bei sieben Unternehmen dürften die Aktionäre leer ausgehen. Dies gilt aus jetziger Sicht für die Metro-Abspaltung Ceconomy, SGL Carbon, Morphosys, Zalando, Nordex, Rocket Internet und Delivery Hero. Bis auf Ceconomy sind die Aktionäre diesen Kummer aber schon gewohnt.

          Auch die Dax-Anleger dürften sich freuen. Andreas Hürkamp, Aktienstratege der Commerzbank, erwartet, dass 20 der 30 Unternehmen des Dax ihre Dividende erhöhen – also ebenfalls zwei Drittel der Index-Mitglieder. Seiner Ansicht nach dürfte dabei die Dividendensumme im Dax von 37,1 Milliarden Euro im Vorjahr um 3 Prozent auf 38,3 Milliarden Euro steigen – ebenfalls ein Allzeithoch. Allein BMW, Continental, Daimler und Volkswagen sollten dabei 9,6 Milliarden Euro oder 25 Prozent der Dividendensumme des Dax auf sich vereinen. Für das Jahr 2009 wären es noch 5 Prozent gewesen.

          Doch es gibt Wermutstropfen. Einige Fachleute warnten davor, dass dem Autosektor auf lange Sicht das gleiche Schicksal blühe könnte wie den Versorgeraktien des Dax, sagt Hürkamp. Eon und RWE hätten für das Geschäftsjahr 2009 noch 24 Prozent der Dax-Dividenden gezahlt, für das Jahr 2018 dürften es nur 4 Prozent sein.

          Die Energiewende habe das Geschäftsmodell der Versorger dramatisch verändert. Nun könnte der Übergang zum Elektromotor das bisher erfolgreiche Geschäftsmodell der deutschen Autobauer massiv angreifen und verändern, glaubten die Pessimisten.

          Dass es sich bisher vor allem um Schätzungen handelt, zeigen andere Prognosen. Die Dax-Unternehmen dürften im Jahr 2019 unter Berücksichtigung weiterer Aktiengattungen, die im Dax nicht enthalten seien, insgesamt fast 39 Milliarden Euro ausschütten – ein Wachstum von gut 4 Prozent, sagt Frank Klumpp, Aktienstratege der LBBW.

          Aktienrückkäufe nehmen zu

          Nicht jedes Unternehmen setzt zur Pflege der Aktionäre auf Dividenden. Linde gab zuletzt bekannt, Aktien im Wert von 6 Milliarden Dollar zurückkaufen zu wollen. Auch am deutschen Aktienmarkt nähmen die Rückkäufe zu, beschreibt Hürkamp einen Trend, den er beobachtet hat. Derzeit kauften zum Beispiel Adidas, Allianz, Covestro, Linde, Munich Re oder Siemens eigene Aktien zurück, sagt der Stratege und schätzt das Gesamtvolumen für den Dax im Jahr 2019 auf 6 Milliarden Euro. Dies sei, verglichen mit Dividenden von 38 Milliarden Euro, weiterhin relativ gering. In den Vereinigten Staaten sei das Volumen der Rückkäufe sogar höher als die Dividendensumme.

          Linde sei ein Einzelfall, sagt dagegen Klumpp. Der Industriegase-Konzern sei fusionsbedingt ein angelsächsisch geprägtes Unternehmen. Dort lege man den Fokus weniger auf die Dividendenpolitik. Bei den übrigen Dax-Mitgliedern dürfte das Beispiel aber kaum Schule machen.

          Höhere Renditen

          Nicht nur die Höhe der Dividende ist für Anleger eine wichtige Kennzahl, auch die Dividendenrendite, also der Dividendenbetrag je Aktie geteilt durch den Kurs, gibt Auskunft über die Attraktivität einer Aktie. Dabei gilt in der Regel: Je höher die Rendite, desto besser. Dieser Wert kann aber auch steigen, wenn es einem Unternehmen schlecht geht und der Aktienkurs unter Druck gerät. Angesichts der zurückliegenden Kursverluste ist die Dividendenrendite nun häufig gestiegen.

          Ist das ein gutes oder eher ein schlechtes Zeichen? Auf den Gesamtmarkt bezogen, seien die mit den ermäßigten Kursniveaus einhergehenden höheren Dividendenrenditen für den potentiellen Aktienanleger ein gutes Zeichen, sagt Klumpp. Schließlich würden die Risiken mit einer höheren Prämie entlohnt. Im Einzelfall, also mit Blick auf einzelne Unternehmen, könnten sinkende Kurse aber auch mit einer strukturellen und nicht nur einer zyklischen Verschlechterung der Fundamentaldaten einhergehen. Mögliche Dividendenkürzungen stünden dann bevor. Hier gelte es, auf die ökonomische Nachhaltigkeit der Ausschüttungen zu achten.

          „Keine größeren Dividendenkürzungen“

          Und wie geht es an der Börse weiter? Hürkamp erwartet für die kommenden Wochen wieder einen schwächeren Dax, wobei der Index abermals unter die Marke von 11.000 Punkten fallen sollte (aktuell: 11.140 Punkte). Denn die Unternehmensgewinne für das vierte Quartal dürften eher enttäuschen. Die Ausblicke auf dieses Jahr sollten zudem sehr vorsichtig ausfallen. Nach diesem Schwächeanfall sollte sich der Aktienmarkt während der heißen Phase der Dividendensaison im April und Mai aber wieder erholen, sagt Hürkamp. Denn die Notenbanken säßen wieder im Boot der Aktienbullen.

          Klumpp von der LBBW erwartet dagegen, dass sich die jüngste Erholung noch eine Weile fortsetzt. Sollten sich China und Amerika im Handelsstreit einigen, wovon er ausgeht, dürften die Börsen einen weiteren Schub bekommen. Mit Blick auf das zweite Halbjahr sollte man aber wieder vorsichtiger werden. Sinkende Gewinndynamik, ein wieder aufgenommener restriktiver Kurs der amerikanischen Notenbank sowie zunehmender Protektionismus dürften die Stimmung belasten.

          Wird der Dividendenregen im kommenden Jahr weniger reichhaltig werden? Klumpp zählt nicht zu den Pessimisten, die das glauben. „Nein, wir gehen im Jahr 2019 nicht zwingend von größeren Dividendenkürzungen aus.“ Wahrscheinlicher sei eine Stagnation auf hohem Niveau. Die Dividenden für das Geschäftsjahr 2019 dürften höher ausfallen, als es einige Investoren derzeit befürchten, sagt Hürkamp. Angesichts der weiter niedrigen Zinsen wäre das für Anleger eine gute Nachricht. Eine letzte Möglichkeit, am aktuellen Dividendensegen teilzuhaben, bietet für den F.A.Z.-Index der Autozulieferer Hella Ende September. Das Gros der Konzerne lädt aber im Mai zur Hauptversammlung.

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