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Unternehmen des F.A.Z.-Index : Fast 50 Milliarden Euro für die Aktionäre

Die Energiewende habe das Geschäftsmodell der Versorger dramatisch verändert. Nun könnte der Übergang zum Elektromotor das bisher erfolgreiche Geschäftsmodell der deutschen Autobauer massiv angreifen und verändern, glaubten die Pessimisten.

Dass es sich bisher vor allem um Schätzungen handelt, zeigen andere Prognosen. Die Dax-Unternehmen dürften im Jahr 2019 unter Berücksichtigung weiterer Aktiengattungen, die im Dax nicht enthalten seien, insgesamt fast 39 Milliarden Euro ausschütten – ein Wachstum von gut 4 Prozent, sagt Frank Klumpp, Aktienstratege der LBBW.

Aktienrückkäufe nehmen zu

Nicht jedes Unternehmen setzt zur Pflege der Aktionäre auf Dividenden. Linde gab zuletzt bekannt, Aktien im Wert von 6 Milliarden Dollar zurückkaufen zu wollen. Auch am deutschen Aktienmarkt nähmen die Rückkäufe zu, beschreibt Hürkamp einen Trend, den er beobachtet hat. Derzeit kauften zum Beispiel Adidas, Allianz, Covestro, Linde, Munich Re oder Siemens eigene Aktien zurück, sagt der Stratege und schätzt das Gesamtvolumen für den Dax im Jahr 2019 auf 6 Milliarden Euro. Dies sei, verglichen mit Dividenden von 38 Milliarden Euro, weiterhin relativ gering. In den Vereinigten Staaten sei das Volumen der Rückkäufe sogar höher als die Dividendensumme.

Linde sei ein Einzelfall, sagt dagegen Klumpp. Der Industriegase-Konzern sei fusionsbedingt ein angelsächsisch geprägtes Unternehmen. Dort lege man den Fokus weniger auf die Dividendenpolitik. Bei den übrigen Dax-Mitgliedern dürfte das Beispiel aber kaum Schule machen.

Höhere Renditen

Nicht nur die Höhe der Dividende ist für Anleger eine wichtige Kennzahl, auch die Dividendenrendite, also der Dividendenbetrag je Aktie geteilt durch den Kurs, gibt Auskunft über die Attraktivität einer Aktie. Dabei gilt in der Regel: Je höher die Rendite, desto besser. Dieser Wert kann aber auch steigen, wenn es einem Unternehmen schlecht geht und der Aktienkurs unter Druck gerät. Angesichts der zurückliegenden Kursverluste ist die Dividendenrendite nun häufig gestiegen.

Ist das ein gutes oder eher ein schlechtes Zeichen? Auf den Gesamtmarkt bezogen, seien die mit den ermäßigten Kursniveaus einhergehenden höheren Dividendenrenditen für den potentiellen Aktienanleger ein gutes Zeichen, sagt Klumpp. Schließlich würden die Risiken mit einer höheren Prämie entlohnt. Im Einzelfall, also mit Blick auf einzelne Unternehmen, könnten sinkende Kurse aber auch mit einer strukturellen und nicht nur einer zyklischen Verschlechterung der Fundamentaldaten einhergehen. Mögliche Dividendenkürzungen stünden dann bevor. Hier gelte es, auf die ökonomische Nachhaltigkeit der Ausschüttungen zu achten.

„Keine größeren Dividendenkürzungen“

Und wie geht es an der Börse weiter? Hürkamp erwartet für die kommenden Wochen wieder einen schwächeren Dax, wobei der Index abermals unter die Marke von 11.000 Punkten fallen sollte (aktuell: 11.140 Punkte). Denn die Unternehmensgewinne für das vierte Quartal dürften eher enttäuschen. Die Ausblicke auf dieses Jahr sollten zudem sehr vorsichtig ausfallen. Nach diesem Schwächeanfall sollte sich der Aktienmarkt während der heißen Phase der Dividendensaison im April und Mai aber wieder erholen, sagt Hürkamp. Denn die Notenbanken säßen wieder im Boot der Aktienbullen.

Klumpp von der LBBW erwartet dagegen, dass sich die jüngste Erholung noch eine Weile fortsetzt. Sollten sich China und Amerika im Handelsstreit einigen, wovon er ausgeht, dürften die Börsen einen weiteren Schub bekommen. Mit Blick auf das zweite Halbjahr sollte man aber wieder vorsichtiger werden. Sinkende Gewinndynamik, ein wieder aufgenommener restriktiver Kurs der amerikanischen Notenbank sowie zunehmender Protektionismus dürften die Stimmung belasten.

Wird der Dividendenregen im kommenden Jahr weniger reichhaltig werden? Klumpp zählt nicht zu den Pessimisten, die das glauben. „Nein, wir gehen im Jahr 2019 nicht zwingend von größeren Dividendenkürzungen aus.“ Wahrscheinlicher sei eine Stagnation auf hohem Niveau. Die Dividenden für das Geschäftsjahr 2019 dürften höher ausfallen, als es einige Investoren derzeit befürchten, sagt Hürkamp. Angesichts der weiter niedrigen Zinsen wäre das für Anleger eine gute Nachricht. Eine letzte Möglichkeit, am aktuellen Dividendensegen teilzuhaben, bietet für den F.A.Z.-Index der Autozulieferer Hella Ende September. Das Gros der Konzerne lädt aber im Mai zur Hauptversammlung.

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