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Angst vor den Eurofeinden : Unsicherheit um Italien belastet Finanzmärkte

Filiale der Banca d’Italia in Mailand Bild: AFP

Ja, nein, vielleicht: Die Aussicht auf eine Neuwahl in Italien lässt die Finanzmärkte nicht zur Ruhe kommen. Denn die könnte alles noch schlimmer machen.

          Nach der ersten Erleichterung belasten die politischen Risiken in Italien am Dienstag die Finanzmärkte erheblich. Das Projekt einer eurofeindlichen Regierung wurde zwar vorerst blockiert, doch drohen nun Neuwahlen mit der Gefahr, dass die rechtsnationale Lega und die linkspopulistische Fünf-Sterne-Bewegung ihre Stimmenanteile weiter ausbauen können. Investoren befürchten, dass Neuwahlen de facto ein Referendum über den Verbleib in der Währungsunion werden könnten.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vor allem die hohen Bestände der Banken an italienischen Staatsanleihen beunruhigen die Investoren. In der vergangenen Woche hatte die Investmentbank Goldman Sachs vor einer angespannten Eigenkapitaldecke gewarnt, sollte der Kursverfall italienischer Staatsanleihen in den Bilanzen der Banken einen hohen Wertberichtigungsbedarf auslösen.

          „Aus heutiger Sicht ist der Amtsantritt einer italienischen Regierung, die auf Konfrontationskurs zur Europäischen Union geht und deren Regeln missachtet, nur aufgeschoben“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Analyst Holger Schmieding von der Berenberg Bank erwartet, dass die Radikalen wahrscheinlich noch lauter als zuvor gegen das pro-europäische „Establishment“ Italiens und eine angebliche „deutsche Hegemonie“ durch das Regelwerk der gemeinsamen Währung vorgehen werden.

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          Die mittel- und längerfristigen Aussichten Italiens blieben weiterhin ungünstig, lautete der Kommentar von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank. Die politische Krise sei nicht gelöst, und die Skepsis gegenüber Europa, aber auch den italienischen Institutionen, dürfte weiter wachsen. „Vielen Investoren, die lange das Italien-Risiko unterschätzt haben, dürfte bewusst sein, dass die Probleme allenfalls aufgeschoben und nicht aufgehoben sind“, schrieb Bielmeier.

          Aus einer Aufstellung der Commerzbank geht hervor, dass der Anteil ausländischer Investoren an den Staatsanleihen Italiens seit der Euro-Staatsschuldenkrise von mehr als 40 auf 33 Prozent gefallen ist. Deutlich gestiegen ist der Anteil der italienischen Notenbank, die im Rahmen des Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) vor allem italienische Staatstitel erwirbt. Die Banca d’Italia hält zusammen mit den anderen Euro-Notenbanken 20 Prozent der italienischen Staatsanleihen, die eine Laufzeit von mindestens einem Jahr aufweisen.

          Andere inländische Investoren, vor allem Banken und Versicherer, kommen auf 48 Prozent. Anleger aus der Eurozone außerhalb Italiens halten 19 Prozent. Investoren, die nicht aus dem Euroraum stammen, besitzen noch 13 Prozent der italienischen Staatsanleihen, nachdem sie noch vor dem Beginn der EZB-Käufe auf 20 Prozent gekommen waren. Das Anleihekaufprogramm der EZB hat zu einer Verdrängung der privaten Gläubiger durch die Notenbanken, insbesondere durch die Banca d’Italia, geführt.

          Für zusätzlichen Druck sorgt die Ratingagentur Moody’s, die am Freitag angekündigt hatte, Italien auf Herabstufung zu prüfen. Sollte das Rating von aktuell „Baa2“ auf „Baa3“ gesenkt werden, läge Italien nur noch auf der letzten Stufe des investitionswürdigen Bereichs (Investment Grade). Darunter beginnt der Ramschbereich.

          Für die Käufe der EZB, die an den Märkten als wichtigster Rückhalt Italiens gesehen wird, ist es wichtig, dass mindestens eine Ratingagentur das Land noch im investitionswürdigen Bereich einstuft, um dessen Anleihen kaufen zu können. Vor zwei Jahren hatte die kleine, eher unbekannte kanadische Ratingagentur DBRS Portugal noch auf Investment Grade belassen, obwohl die drei großen Agenturen Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch das Land damals auf Ramschniveau herabgestuft hatten. Die EZB konnte dank DBRS weiterhin portugiesische Staatsanleihen kaufen.

          Derzeit stufen aber alle maßgeblichen Agenturen Italien mit der Note „BBB“ oder besser ein, so dass es der der Herabstufung um zwei Noten oder mehr durch vier Agenturen bedarf, bevor die EZB keine italienischen Staatsanleihen mehr kaufen darf.

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