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Aktienmarkt : Was ist los mit den Börsen?

Die Unsicherheit unter den amerikanischen Börsianern ist hoch, weil aus dem Weißen Haus unterschiedliche Signale zur Handelspolitik kommen. Bild: Reuters

Der Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und dem Rest der Welt eskaliert langsam. Doch ist das der wahre Grund für die Kursverluste der vergangenen Tage?

          Der eskalierende Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und dem Rest der Welt verunsichert die Börsen. Der Aktienkurs des amerikanischen Motorradherstellers Harley-Davidson sackte zum Wochenauftakt an der Wall Street um deutliche 6 Prozent ab, weil der Konzern mit Umsatzeinbußen wegen der EU-Vergeltungszölle auf amerikanische Waren rechnet und deswegen Teile seiner Produktion aus den Vereinigten Staaten ins Ausland verlagern will.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Dienstag fiel der Aktienkurs von Harley-Davidson im frühen Handel zunächst weiter, nachdem der amerikanische Präsident Donald Trump die Ankündigung des Unternehmens als „Ausrede“ kritisiert hatte. „Überrascht, dass gerade das Unternehmen Harley-Davidson als erstes die weiße Fahne hisst“, stichelte Trump auf dem Kurzbotschaftendienst Twitter und suggerierte, dass Harley-Davidson am Ende der Verhandlungen mit der EU gar keine Zölle zahlen müsse.

          Später legte er noch nach: Harley-Davidson habe schon vorher geplant, seine Fabriken zu verlagern. „Eine Harley sollte niemals in einem anderen Land gebaut werden“, twitterte Trump am Dienstagnachmittag. Mitarbeiter und Kunden seien bereits sehr wütend. Wenn das Unternehmen seine Ankündigung wahr mache, bedeute dies „den Anfang vom Ende“, schrieb Trump und drohte: „Sie werden besteuert wie nie zuvor!“

          Harley-Davidson ist maximal die Spitze des Eisberges

          Die amerikanische Regierung hatte Sonderabgaben auf Stahl- und Aluminiumimporte aus Europa verhängt. Die EU hatte darauf mit der Anhebung von Zöllen auf typisch amerikanische Produkte wie Whiskey, Jeans und Harley-Motorräder reagiert. Trump hatte die Präsidentenwahl unter anderem wegen seines Versprechens gewonnen, Arbeitsplätze in Amerika zu schaffen und aus seiner Sicht „unfaire“ Handelspraktiken anderer Staaten zu unterbinden.

          Doch Harley-Davidson ist maximal die Spitze des Eisberges. Auch die im Handelskonflikt mit China eskalierende Rhetorik belastete am Montag die amerikanischen Börsenkurse, die Trump in der Vergangenheit wiederholt als Erfolgsmaßstab für seine Wirtschaftspolitik bezeichnet hatte. Starke Kursabschläge verzeichneten internationale Industrietitel wie der Flugzeugbauer Boeing oder der Baumaschinenhersteller Caterpillar, deren globales Geschäft unter erschwerten Handelsbedingungen leiden würde.

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          Erstmals gerieten aber auch die Aktienkurse großer Technologiewerte unter Druck, die bisher als weitgehend immun von den Handelskonflikten galten. Für den allgemeinen Trend an den amerikanischen Börsen ist das besonders prekär, weil Technologiewerte wie Apple oder Amazon in den vergangenen Jahren die größte Triebfeder des seit März 2009 währenden allgemeinen Kursaufschwungs waren.

          Das macht die Titel generell anfälliger für Rückschläge. Der technologielastige Index der elektronischen Börse Nasdaq gab am Montag um mehr als 2 Prozent nach. Am Dienstag erholte sich der Nasdaq mit einem Plus von 0,7 Prozent etwas, ebenso wie der breiter gefasste Aktienindex S&P 500, der am Montag um 1,4 Prozent ins Minus gerutscht war. Der Dax in Frankfurt gab am Dienstag dagegen weitere 0,3 Prozent auf 12 234 Punkte ab.

          Weißes Haus sorgt für große Unsicherheit

          Die Unsicherheit unter den Börsianern ist auch hoch, weil aus dem Weißen Haus unterschiedliche Signale zur Handelspolitik kommen. „Wir hören erst eine Sache und nur eine Stunde oder einen Tag später etwas, das dem widerspricht“, sagt Randy Frederick von der Direktbank Charles Schwab. „Niemand weiß, was er denken oder glauben soll.“

          Anlass der starken Kursschwankungen am Montag waren Medienberichte zu Plänen, mit denen die Vereinigten Staaten chinesischen Unternehmen Investitionen in amerikanische Technologieunternehmen untersagen will. Gleichzeitig plant die amerikanische Regierung die Beschränkung von Technologie-Exporten nach China. Der chinesische Präsident Xi Jinping hat bereits angekündigt, gegen diese amerikanischen Vorhaben „zurückzuhauen“.

          Dow Jones

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          Konkrete Maßnahmen will die amerikanische Regierung bis Ende dieser Woche bekanntgeben. In der Regierung gibt es aber offenbar Streit darum zwischen Finanzminister Steven Mnuchin und Handelsberater Peter Navarro. Mnuchin dementierte am Montag zunächst, dass China das einzige Ziel der geplanten Handelsbeschränkungen sei. Es gehe vielmehr um „alle Länder, die versuchen, unsere Technologie zu stehlen“, teilte Mnuchin über Twitter mit.

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