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Brotaufstriche werden verkauft : Rama und Becel wechseln den Eigentümer

Von streichzart bis salzig: Die großen Brotaufstrich-Marken Rama, Flora oder Becel sind relativ bekannt. Diese sollen jetzt vom Finanzinvestor KKR für 6,83 Milliarden Euro aufgekauft werden. Bild: EPA

Unilever verkauft die Brotaufstriche für 6,83 Milliarden Euro an Finanzinvestor KKR. Damit wird es wieder etwas spannender, darauf zu achten, was aus den Traditionsmarken in den kommenden Jahren wird.

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          Die Marken Rama, Flora oder Becel kennt jeder. Dass sie vom Lebensmittelkonzern Unilever kommen, wissen nur wenige. Dass das niederländisch-britische Lebensmittelkonzern vom Finanzinvestor KKR nun 6,83 Milliarden Euro für sein gesamtes Geschäft mit derartigen Brotaufstrichen bekommt, könnte schon wieder ein paar mehr Menschen interessieren. Denn damit wird es wieder etwas spannender, darauf zu achten, was aus den Marken mit zum Teil großer Tradition in den kommenden Jahren wird. Denn die Deutschen begleitet Rama schon sehr lange: Der Markenname für „Butter, Margarine, Speisefette, Speiseöle“ wurde schon am 15. Januar 1901 in das deutsche Markenregister eingetragen. Hinter dem Verkauf steht eine Veränderung der Strategie von Unilever: Darauf verständigt hatte man sich nach dem abgewehrten Übernahmeversuch durch den amerikanischen Konzern Kraft Heinz. Schon im vergangenen Frühjahr war angekündigt worden, dass man sich vom Geschäft mit Brotaufstrichen trennen wolle.

          Zudem sollen bis zum Jahr 2020 die Kosten gesenkt und die Profitabilität deutlich gesteigert werden. So soll der Konzern wertvoller und für feindliche Übernahmeversuche unattraktiver werden. Der Konzern will sich auf seine gut laufenden Geschäfte konzentrieren. Zu Unilever gehören Marken wie Knorr, Dove oder Ben & Jerry’s. Der Erlös aus dem Verkauf soll den Aktionären zufließen, es sei denn, es ergäbe sich eine wertschöpfende Zukaufsmöglichkeit. Tatsächlich trennt sich Unilever mit Rama, Becel & Co. zwar von Traditionsmarken, aber auch von einer seiner schwächsten Sparten. Im vergangenen Jahr hatte der Umsatz gut 3 Milliarden Euro erreicht, was nur ein kleiner Teil des gesamten Konzernumsatzes von knapp 53 Milliarden Euro war.

          Gleichwohl gab es echtes Bieterinteresse: Mit im Rennen um die Sparte waren dem Vernehmen nach auch die Finanzinvestoren Apollo und CVC. Der Käufer KKR, der nun den Zuschlag bekommen hat, ist in Deutschland schon im Rahmen einer Vielzahl von Transaktionen rund um Namen wie Wincor-Nixdorf, Kion, A.T.U. Autoteile Unger, Arago oder GfK aufgefallen. Mit der Margarine trennt sich Unilever zwar von einem kaufmännisch eher unattraktiven Geschäft, zugleich aber auch von einem Teil seiner Wurzeln.

          Lange Historie

          Das zeigt ein kurzer Blick in die Unternehmensgeschichte: Im Jahr 1888 hatte der niederländische Margarinefabrikant Simon van den Bergh in Kleve ein Unternehmen für die industrielle Herstellung von Margarine gegründet, um die Schutzzölle des Deutschen Reiches auf Butter und Margarine zu umgehen. Sein Landsmann Anton Jurgens errichtete in Kleves Nachbarstadt Goch ebenfalls eine Fabrik zur Margarineherstellung. Im Jahr 1927 fusionierten die Familienunternehmen in Rotterdam zur Margarine Unie und in London zur Margarine Union.

          William Hesketh Lever und sein Bruder James Darcy Lever wiederum gründeten 1885 die Seifenfabrik Lever Brothers. Als deutscher Ableger entstand 1899 in Mannheim die Sunlicht-Seifenfabrik AG, die im Jahre 1914 unter dem Eindruck einer drohenden Enteignung durch die damalige deutsche Staatsführung veräußert und dann 1924 zurückgekauft wurde. 1929/1930 vereinigten sich schließlich Margarine Unie und Lever Brothers Ltd. zu Unilever. Kurzum: Ohne das Wort „Union“ in der „Margarine Union“ würde Unilever so nicht heißen.

          Die Marke Rama war nach dem Zweiten Weltkrieg erst 1954 wieder eingeführt worden. Die Verpackung gestaltete Unilever zu Beginn mit einer buttergelben Farbe und Motiven im Stil von Delfter Kacheln. Als Werbefigur wurde eine junge Frau in Vierländer Tracht eingesetzt, die von den Verbrauchern sehr bald eng mit Margarine in Verbindung gebracht wurde. Erst Anfang 2011 schaffte Unilever das „Rama-Mädchen“ ab und ersetzte es durch Blumenmotive. Zur nun ebenfalls verkauften Produktreihe Becel gehören Streichfette und -würste sowie Kochfette und -öle, die einen höheren Anteil mehrfach ungesättigter Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren enthalten. Diesen Fettsäuren wird eine günstige Wirkung auf Blutfette zugeschrieben, wodurch das Risiko von Arterienverkalkung und Herzinfarkten gesenkt werden soll.

          Die Schwierigkeit mit diesen „großen“ Marken aus älterer Zeit ist aber, dass die Margen im Lebensmitteleinzelhandel unter einem erheblichen Druck durch Discounter einerseits und die Eigenmarken des Handels andererseits stehen. Nach Vollzug der Transaktion, die in der Mitte des kommenden Jahres erwartet wird, muss KKR eine Antwort auf dieses Problem finden.

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