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Banken vor der Fusion? : Spekulationen um Unicredit und Société Générale

Eine Reihe von juristischen Ermittlungen belastet die französische Société Générale. Bild: Reuters

Lange galten in Europa grenzüberschreitende Fusionen großer Banken aus regulatorischer Sicht als unerwünscht. Nicht nur wegen der mächtigen Konkurrenz aus Amerika könnte sich das nun ändern.

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          Es gibt schon merkwürdige Zufälle in der Finanzwelt. Erst vor wenigen Tagen sprach sich der Gouverneur der Banque de France, Francois Villeroy de Galhau, in Paris für den Abbau regulatorischer Hürden aus, die Zusammenschlüsse von Banken über die Grenzen hinweg behindern. „Wir sollten im Jahr 2018 unsere Bemühungen verstärken, den Umbau der europäischen Bankbranche zu erleichtern“, sagte de Galhau. Schon früher hatte der Franzose die Ansicht geäußert, größere grenzüberschreitende Zusammenschlüsse europäischer Banken würden die Stabilität der Finanzbranche nicht gefährden, wie of befürchtet, sondern sogar verbessern.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.
          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.

          Am Montag setzten unvermittelt Spekulationen über einen Zusammenschluss der italienischen Großbank Unicredit und der etwa gleich großen Société Générale aus Paris ein. Denn nach einem Bericht der „Financial Times“ wird ein solches Projekt vom Vorstandsvorsitzenden des Unicredit, Jean-Pierre Mustier, vorangetrieben. Mustier leitete mehrere Jahre das Investmentbanking der Société Générale und galt als Kandidat für den Chefposten. Im Zusammenhang mit dem Skandal um den Händler Jérôme Kerviel musste er aber die französische Bank im Jahr 2009 verlassen.

          Jetzt könnte Mustier die Annäherung an seinen alten Arbeitgeber versuchen, lautete das Gerücht. Die Société Générale hat den Bericht jedoch zurückgewiesen und mitgeteilt, dass „auf Ebene des Verwaltungsrates keine Diskussionen über eine mögliche Fusion mit Unicredit stattfinden“. Unicredit wollte sich nicht direkt äußern, sondern verwies nur auf den aktuellen Transformationsplan, der eine „organische“ Entwicklung vorsehe. In dem Zeitungsartikel hieß es, die Diskussionen befänden sich noch in einem frühen Stadium ohne formelle Annäherung.

          Europäischer Bankenmarkt überbesetzt

          Nach Kursgewinnen am Vormittag lag der Aktienkurse von Unicredit am Montagnachmittag leicht im Minus, während die Aktie der Société Générale einen Kursgewinn von rund 2 Prozent verzeichnete. Ebenfalls um rund 2 Prozent lag der Kurs der Deutschen Bank im Plus. Im Handel war von Spekulationen die Rede, dass auch die Deutsche Bank ein Teilnehmer an einer europäischen Konsolidierung von Großbanken werden könnte. Verwiesen wurde unter anderem auf eine wachsende Marktstellung der amerikanischen Großbanken auch in Europa, die europäische Banken früher oder später zum Handeln zwingen werde. Dies könne, wie die Äußerungen de Galhaus zeigten, auch die in den vergangenen Jahren sehr kritische Haltung der Regulierer zu Großfusionen aufweichen. Als einen zweiten Grund wurde am Markt auf die Möglichkeit von Kostensenkungen als Folge von Fusionen hingewiesen. Der europäische Bankenmarkt gilt unter vielen Fachleuten als überbesetzt.

          Bild: F.A.Z.

          Das französische Brokerhaus Kepler hob seine Empfehlung für die Aktie der Société Générale von „Halten“ auf „Kaufen“, denn die Bank sei „nun im Spiel“. „Ökonomisch würde die Fusion einen Sinn ergeben, doch das politische Umfeld ist schwierig“, sagte Michael Hünseler, Geschäftsführer des deutschen Vermögensverwalters Assenagon. Er verwies auf die ähnliche strategische Ausrichtung der Banken und darauf, dass die Osteuropa-Stärke von Unicredit die Präsenz der Société Générale in Russland ergänzen würde. Unicredit-Chef Mustier kenne die Société Générale zudem durch und durch. Er habe in der italienischen Bank gute Arbeit geleistet und dabei faule Kredite erheblich abgebaut, auch wenn in dieser Hinsicht noch einiges zu tun sei.

          Deutsche Bank spielt nicht mehr in der ersten Liga

          Doch die politischen Hürden sind hoch. In Bezug auf die Marktkapitalisierung sind beide Banken etwa gleich groß, Unicredit kommt auf rund 33 Milliarden Euro, die Société Générale auf knapp 32 Milliarden Euro. Die prestigeträchtige Führungsfrage könnte somit zum Streitpunkt werden. Die neue italienische Regierung dürfte Unicredit nur schwerlich in die Obhut einer ausländischen Bank entlassen. „Ich glaube auch nicht, dass sich die Franzosen unterordnen würden wie damals die HVB im Unicredit-Konzern“, sagt Hünseler. Zudem belastet die Société Générale eine Reihe von juristischen Ermittlungen, weshalb die Aktie in diesem Jahr arg gelitten hat. Allerdings meldete die französische Bank an diesem Wochenende, dass sie sich im Fall der mutmaßlichen Manipulationen von Libor-Zinssätzen mit den amerikanischen und französischen Behörden auf einen Vergleich geeinigt habe. Das Gleiche gelte für Korruptionsermittlungen im Zusammenhang mit einem libyschen Staatsfonds.

          Bild: F.A.Z.

          Wenn über eine Konsolidierung der europäischen Großbanken gesprochen wird, fällt immer wieder auch der Name Deutsche Bank. Allerdings gilt die Deutsche Bank nur noch mit Bezug auf die kleinere Commerzbank als ein Übernehmer; in nahezu jeder anderen Verbindung mit einem bekannten Haus wäre die Deutsche Bank heute der kleinere Partner. Der Börsenwert der Deutschen Bank beträgt derzeit 20 Milliarden Euro. Damit spielt sie nicht mehr in der gleichen Liga wie Unicredit oder Société Générale. Mit dem Marktführer aus der Eurozone, dem Banco Santander und seinem Marktwert von 77 Milliarden Euro kann sich die Deutsche Bank erst recht nicht mehr messen.

          Vor wenigen Jahren kam es zu einem vorsichtigen Herantasten von Deutscher Bank und Commerzbank, dem aber keine ernsthaften Verhandlungen folgten. Heute ist in Frankfurt zu hören, falls die Deutsche Bank mit ihrem heutigen Zuschnitt auch unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing nicht mehr in Form kommen werde, blieben ihr nur mehr zwei radikale Schritte. Ein Schritt wäre eine Aufspaltung der Bank mit einer Trennung vom Investmentbanking. Der andere Schritt wäre eine Übernahme der Commerzbank, die allerdings Ziel einer Übernahme durch einen anderen europäischen Wettbewerber werden könnte.

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