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F.A.Z.-Umfrage : Analysten sagen steigenden Ölpreis vorher

Der Ölpreis dürfte in diesem Jahr wieder ansteigen. Bild: obs

Die Banken erwarten in diesem Jahr beim Ölrpreis ein mögliches Plus von fast 20 Prozent. Die Spannweite der Prognosen ist aber dieses Mal groß.

          Aktien und ihre Kursverluste haben vermutlich so manchem Investor in den vergangenen Monaten unruhige Nächte beschert. Auch Ölinvestments gehören zu den im Jahr 2018 weniger erfreulichen Anlagemetiers – es sei denn, Anleger haben spekulativ auf die richtige Marktbewegung gesetzt. Unter dem Strich fiel der Preis für ein Barrel (rund 159 Liter) der Sorte Brent in der Jahresbilanz um 20 Prozent. In Euro gerechnet, bleibt durch die Stärke des Dollars ein Minus von 16 Prozent.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Für dieses Jahr sagt die Mehrheit der von der F.A.Z. befragten knapp zwei Dutzend Finanzinstitute dagegen einen wieder steigenden Ölpreis vorher. Im Durchschnitt der F.A.Z-Umfrage beträgt die Preisprognose zur Jahresmitte 68 Dollar, was einem Plus von 17 Prozent gleichkäme. Zum Jahresende wird von den Umfrageteilnehmern ein Erdölpreis von durchschnittlich 69 Dollar oder ein Anstieg um 19 Prozent vorhergesagt.

          Das Jahresminus für Rohöl sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die tatsächliche Preisspanne im Vorjahr groß war. Anfang Oktober erreichte Brent ein Jahreshoch von fast 87 Dollar, unter anderem wegen fortgesetzter Versorgungsängste. Als sich jedoch konjunkturelle Sorgen mehrten und die Erwartungen vor allem an die expansive Geldpolitik der amerikanischen Notenbank Fed nachließen und den Dollar schwächten, fiel der Ölpreis wieder. Hinzu kam, dass sich zum Beispiel die Sanktionen gegen Iran als weniger belastend erwiesen als befürchtet. Im Jahrestief kostete Brent schließlich zu Weihnachten knapp 50 Dollar je Barrel.

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          Auch wenn die meisten Institute für dieses Jahr einen steigenden Ölpreis erwarten, unterscheiden sich ihre Prognosen deutlich. Während das Hamburger Bankhaus M.M.Warburg mit seiner Vorhersage zur Jahresmitte von 50 Dollar und 55 Dollar in einem Jahr – ein Minus von 14 beziehungsweise 5 Prozent – am unteren Rand der Skala zu finden ist, beträgt die höchste Prognose zum Jahresende 77 Dollar je Barrel. Sie stammt von der französischen Großbank Société Générale. Dahinter folgen BNP Paribas, Erste Group Bank, Helaba, Postbank und UBS mit 75 Dollar in zwölf Monaten. Von der Schweizer Bank UBS kommt mit 80 Dollar zudem der höchste Umfragewert zur Jahresmitte.

          Eine unterdurchschnittliche Ölprognose gibt die LBBW. Am Ölmarkt herrscht Angebotsüberschuss, begründen die Analysten ihre gesenkte Prognose. Die avisierten Förderkürzungen der Opec und ihrer Verbündeten würden das Überangebot an Rohöl 2019 nur langsam abbauen. Der Preis dürfte auf dem deutlich ermäßigten Niveau vorerst seitwärts tendieren, der Abwärtstrend sei aber gestoppt. Die Nord LB hingegen liegt in etwa im Durchschnitt. Die Konjunktur habe zwar spürbar an Tempo verloren, eine Vollbremsung sei aber nicht zu befürchten, heißt es.

          Eine unmittelbar bevorstehende Rezession sei wenig wahrscheinlich, sagt Bernd Meyer, Chefstratege von Berenberg. Dennoch sei das Wirtschaftswachstum niedriger, und die politischen Unsicherheiten blieben vielfältig. Der Dollar sollte im Jahresverlauf an Stärke einbüßen, was Rohstoffe begünstigen sollte, sobald die Rezessionsbefürchtungen abebbten.

          Die Helaba wiederum liegt am oberen Rand der Erwartungen. Das globale Wirtschaftswachstum dürfte im Jahr 2019 mit 3,4 Prozent fast genauso stark sein wie im Vorjahr, wobei die konjunkturelle Entwicklung in den wichtigsten Wirtschaftszonen unterschiedlich verlaufe, heißt es.

          Über den Jahreswechsel hätten sich die Ölpreise außerordentlich volatil gezeigt, sagen Analysten der Commerzbank. Dabei habe die tägliche Preisveränderung an einigen Tagen 3 bis 4 Dollar betragen. Der Ausverkauf an den amerikanischen Aktienmärkten habe Konjunkturängste und Sorgen vor einer Abschwächung der Ölnachfrage ausgelöst. Inzwischen habe sich der Ölpreis mit rund 58 Dollar deutlich erholt. Für Auftrieb habe zuletzt gesorgt, dass Saudi-Arabien beabsichtige, die Rohölexporte bis Ende Januar zu reduzieren.

          Schon im Dezember sei die Opec-Ölproduktion gesunken. Würden die für Januar vereinbarten Produktionskürzungen von der Opec und den verbündeten Nicht-Opec-Ländern ähnlich konsequent umgesetzt wie vor zwei Jahren, dürfte der Ölmarkt im Verlauf des ersten Halbjahres wieder ins Gleichgewicht kommen. Am Markt zeige sich zudem: Viele Spekulanten hätten kurz vor dem jüngsten Preisanstieg verkauft und diesen somit verpasst.

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