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Übernahmeverhandlungen : Aktienkurs von PNE erreicht 11-Jahres-Hoch

Nach dem Eklat 2015: Mit einer außerordentlichen Hauptversammlung fand PNE wieder in die Spur. Bild: dpa

Mehr als 20 Jahre war der Windpark-Projektierer PNE börsennotiert. Nun könnte der Abschied bevorstehen. Der Aktienkurs steigt auf ein 11-Jahres-Hoch.

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          Es war schon länger gemunkelt worden, am Dienstag nun bestätigte das Unternehmen, was die Gerüchteküche schon länger zusammenbraute. Der Windpark-Projektierer PNE spricht mit der Infrastrukturinvestoren Morgan Stanley Infrastructure Partners über eine Übernahme durch den Infrastrukturfonds „North Haven Infrastructure Partners III“. Allgemeiner heißt es, man spreche „über Möglichkeiten von Kooperationen und Beteiligungen, die ein Übernahmeangebot beinhalten würden“. Den Aktienkurs treibt dies am Dienstag um 12 Prozent auf 3,42 Euro nach oben.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Allerdings scheint diese Übernahme doch sehr viel konkreter zu sein als die unverbindlich scheinende Formulierung anmuten mag. Denn auch eine Preisspanne liegt schon auf dem Tisch. 3,50 bis 3,80 je Aktie habe Morgan Stanley im Rahmen eines unverbindlichen Angebots in Aussicht gestellt. Allerdings stünden Ausgang und Zeitplan der Gespräche noch nicht fest, zudem steht das Angebot unter dem Vorbehalt einer eingehenden Unternehmensprüfung.

          Mit einer Übernahme würde ein Stück Börsengeschichte zu Ende gehen. Denn PNE Wind oder wie das Unternehmen früher hieß, Plambeck neue Energien, ist schon seit mehr als 20 Jahren börsennotiert. Als der berüchtigte Neue Markt noch in den Kinderschuhen steckte,  48 D-Mark zahlten Anleger im Dezember 1998 für die Aktie und wurden am ersten Tag bei einem Kassakurs von 66 D-Mark rmit einem Zeichnungsgewinn von mehr als 37 Prozent belohnt. Das hab es damals alles noch: Börsengänge, Zeichnungsgewinne und nicht zuletzt Kassakurse, zu denen die Aufträge von Kleinanlegern einmal am Tag abgewickelt wurden.

          PNE AG NA O.N.

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          In den ersten Jahren hielt sich der Kurs rückgerechnet gut zwischen 10 und 20 Euro, im Jahr 2000 stieg er sogar bis auf 35,694 Euro. Danach begann der Abstieg, vor allem weil die Anleger ihren Glauben an das große Potential der Windenergie nach und nach verloren. 2004 musste Plambeck dann massive Abschreibungen auf seine Projekte in Deutschland vornehmen, was die Eigenkapitalquote deutlich sinken ließ. 2005 ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue gegen Führungskräfte. Im Mai 2005 erreichte der Aktienkurs bei 69 Cent ein Allzeittief.

          Davon erholte sich das Unternehmen wieder, änderte seinen Namen und begann wieder, solidere Ergebnisse zu liefern. Solide ist dann wohl auch das, was man über den Kurs in den vergangenen Jahren sagen kann. Mehr als zehn Jahren schwankte dieser beständig zwischen 1,40 und 3 Euro hin und her, mit kurzen Ausflügen darüber hinaus.

          Nicht zuletzt war wenig hilfreich, dass sich in den Jahren 2014 und 2015 Vorstand und Großaktionär einen Machtkampf lieferten.Auf einer Hauptversammlung kam es zu tumultartigen Szenen. Der Vorstand brach  die Versammlung ab, die Polizei wurde angefordert, um einen Raum mit Abstimmungsunterlagen versiegeln zu lassen.

          Mit dem Kursanstieg am Dienstag hat die Notierung nun ein 11-Jahres-Hoch erklommen. Das wäre dann wohl im Fall einer erfolgreichen Übernahme ein versöhnlicher Abschluss einer zeitweilig recht stürmischen Börsengeschichte. Und allzu viele von denen, die die Aktie einmal für 48 D-Mark oder mehr erworben haben, dürften heute wohl nicht mehr investiert sein.

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