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Das liebe Geld : Krösus und seine Dummheiten

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Der reiche König befragte den Weisen: „Krösus und Solon“, ein Gemälde von Gerard van Honthorst (1592 bis 1656) aus dem Jahre 1624. Bild: mauritius images

In der Antike galt König Krösus als der reichste Mensch der Welt. Im Umgang mit Geld leistete er sich aber grobe Fehler.

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          Krösus galt in der Antike als der reichste Mensch der Welt. Aber war er deswegen auch der glücklichste? Als König des mächtigen vorderasiatischen Königreichs Lydien prägte er angeblich als Erster Münzen in Silber und Gold, eine der nachhaltigsten Erfindungen der Geschichte. Er wollte sich alles damit kaufen und meinte selbst, der glücklichste Mensch zu sein. Aber Solon, einer der sieben Weisen, sah das anders.

          Für die alten Griechen gab es keine Eindeutigkeit. Darin unterschieden sie sich von ihren rationalistischen Nachfahren. Götter konnten Menschen und Menschen Götter sein. Eine Statue lebte und lebte auch gleichzeitig nicht. Nicht ganz zufällig auch hieß der Stempel, der auf Münzen geprägt wurde, charakter und sagte über den Wert der Münzen aus, was das Gesicht über einen Menschen aussagte. Geld war für die Griechen ein Wertgegenstand und gleichzeitig lediglich Mittel zum Austausch. Generationen von Philosophen und Forschern haben sich die Köpfe zerbrochen, warum Aristoteles Münzen sinnvoll für den Handel hielt, sie aber gleichzeitig als widernatürlich brandmarkte, weil sie im Zinsgeschäft scheinbar Mehrwert schufen. Kein Wunder also, dass Krösus so ambivalent war wie die Münzen selbst.

          Krösus wurde Anfang des 6. Jahrhunderts v. Chr. als ältester Sohn des Alyattes II. geboren. Er war der letzte Regent des lydischen Reiches, bevor es von dem Perserkönig Kyros erobert wurde. Krösus navigierte unbekümmert zwischen lydischer und griechischer Kultur, beschenkte die Griechen reichlich mit Geld, Gold und Silber und verstand dennoch die Kunst des Gebens und Erwiderns nicht. Er war fasziniert von den Griechen, die er in den Städten an der Küste Kleinasiens kennenlernte.

          Nicht der glücklichste Mensch auf Erden

          Sein mangelndes Verständnis der griechischen Kultur verriet er aber dadurch, dass er fünf griechische Orakel gleichzeitig befragte, um zu testen, welches wirklich weissagen konnte. Das half ihm aber wenig weiter, denn die Perser griff er an, weil das Orakel des delphischen Apollon ihm weissagte, er werde ein großes Reich zerstören. Nach dem gescheiterten Feldzug nahmen die Perser ihn gefangen und legten ihn auf den Scheiterhaufen. Doch als er schon brannte, überzeugte er den Perserkönig von der Gunst der griechischen Götter. Als das Feuer nämlich schon nicht mehr zu bändigen war, löschte Apollon es mit einem Sturzregen.

          Krösus zeigte sich dann aber wenig dankbar gegenüber Apollon. Aus Protest gegen das falsche Orakel schickte er die Fesseln, mit denen die Perser ihn gebunden hatten, als Weihgeschenk nach Delphi. Eine weitere Dummheit, denn Apollon hatte richtig vorhergesagt, dass er ein großes, nämlich sein eigenes Reich zerstören werde. Wie Krösus starb, wissen wir nicht. Noch zehn Jahre nach der persischen Vernichtung Lydiens stand Krösus dem vormaligen Feind Kyros beratend zur Seite. Manche Forscher meinen, Krösus sei so beliebig gewesen wie das Tauschmedium, das er erfunden hatte.

          Die Erzählungen über Krösus veranschaulichen für die Griechen mehr als nur einen überheblichen König, der glaubte, die Welt mit Geld kaufen zu können. Herodot schreibt, die Lydier seien den Griechen eigentlich sehr ähnlich. Wie diese seien sie Kaufleute und verwendeten Münzgeld. Das musste stutzig machen, nicht zuletzt weil Herodot kurz zuvor berichtet hatte, das Grabmal des Alyattes sei von Kleinhändlern, Handwerkern und Prostituierten errichtet worden. Diese Leute galten bei den Griechen als minderwertig, weil sie angeblich geldgierig waren. Platon verfestigte dieses Urteil, indem er Fern- und Kleinhändler aus seinem Idealstaat ausschloss. Kaufleute und Kleinhändler seien untreu und zerstörten Freundschaft und Treue. Dass gerade diese Menschen das Grabmal ihres Königs errichtet haben sollten, widersprach also griechischen Vorstellungen auf mehreren Ebenen. Woher überhaupt hatten sie das Geld für das üppige Königsgrab? Geld bedeutete bei den Lydern offenbar doch etwas anderes als bei den Griechen.

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