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Kreditblase in China : „China hat definitiv ein Verschuldungsproblem“

Das Bankhaus Metzler sieht eine Kreditblase in China. Bild: Fabian Fiechter

Das Bankhaus Metzler sieht in China einen Gefahrenherd für Finanzmärkte. Doch die Regierung in Peking meint, die Lage unter Kontrolle zu haben: „Es kann ein gutes Aktienjahr werden.“ Wie erklärt sich dieser Widerspruch?

          Die hohe private Verschuldung in China ist nach Ansicht des Bankhauses Metzler der größte Gefahrenherd für die Finanzmärkte. Dennoch raten die Anlagefachleute der Frankfurter Privatbank dazu, in diesem Jahr Aktien aus Schwellenländern wie eben China zu Lasten amerikanischer Aktien aufzustocken. Wie erklärt sich dieser scheinbare Widerspruch?

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Emmerich Müller, Partner bei Metzler für das Private Banking, sagt: „Nicht jede Rezession, erst recht nicht jede normale Konjunkturabschwächung ist eine schwere Krise. Wenn wir etwa an die Finanzkrise 2008, die Asien-Krise 1997/1998 oder in den 1990er Jahren an Japan denken, so hatten diese Krisen eins gemeinsam: Sie waren die Folge einer toxischen Kombination aus Preisübertreibungen am Immobilienmarkt und einer Überschuldung des privaten Sektors.“ Deshalb hat Metzler geprüft, wie es darum derzeit bestellt ist.

          Ein Ergebnis: Während die Schuldenquoten in den Vereinigten Staaten seit dem Platzen der Kreditblasen im Jahr 2008 spürbar verringert wurden, hat sich die private Verschuldung in China verdoppelt. „China hat definitiv ein Verschuldungsproblem“, sagt Carolin Schulze Palstring, die seit April die Kapitalmarktanalyse von Metzler leitet. „Kurzfristig rechnen wir aber nicht mit dem Platzen der Blase“, fügt sie hinzu.

          Denn die Regierung in Peking habe ein Konjunkturpaket geschnürt aus Infrastrukturausgaben, Steuersenkungen und Erleichterungen für Banken. „Der staatliche Instrumentenkasten in China gegen eine Krise ist einfach größer als bei uns.“ Es gebe nun Anzeichen, dass Chinas Konjunkturabschwächung, ausgelöst auch durch den Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten, ihren Tiefpunkt erreicht habe. „Die Immobilienpreise, die für Chinas Konjunktur eine große Bedeutung haben, steigen wieder“, stellt Schulze Palstring fest.

          „Die Verschuldung in der Welt beschäftigt uns schon länger“

          Dank Chinas Konjunkturbelebung dürfte auch die Wirtschaft im Euroraum im zweiten Halbjahr 2019 wieder Tempo aufnehmen, erwartet man bei Metzler. Die amerikanische Wirtschaft dagegen, die 2018 wegen Steuersenkungen und um 20 Prozent höherer Unternehmensgewinne um 2,9 Prozent wuchs, werde dieses Tempo nicht halten können. Eine Rezession in den Vereinigten Staaten, wie sie die Zinskurve nahelegt, erwartet Metzler aber nicht.

          Die amerikanische Notenbank habe immerhin ihre Zinsen so weit erhöht, dass sie nun als eine der wenigen Notenbanken auf der Welt den Spielraum hätte, sie wieder zu senken. Darauf setzt inzwischen die Mehrheit der Marktteilnehmer. Schulze Palstring hält es dagegen für wahrscheinlich, dass sie die Zinsen auf dem gegenwärtigen Niveau hält.

          Metzler-Partner Müller indes schlägt den Bogen von Amerika zurück zu China, wenn er sagt, dass die Notenbanken heutzutage nicht mehr bereit seien, die Schmerzen, die eine hohe Verschuldung eigentlich verursachen müsste, zuzulassen. Vielmehr bekämpften Notenbanken schon kleine Konjunkturschwächen und förderten damit nur noch größere Blasen. „Die Verschuldung in der Welt beschäftigt uns schon länger und wird uns auch noch länger beschäftigen“, bleibt Müller jedoch für den Moment gelassen. 2019 könne ein gutes Aktienjahr werden.

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