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100 Milliarden Dollar : So strebt Uber an die Börse

Selbstkritisch

Der Fahrdienst gibt zu, dass diese Negativschlagzeilen das Geschäft bis heute beeinträchtigen. Sie hätten die Marke und den Ruf beschädigt, „was es schwierig für uns macht, Nutzer zu gewinnen und zu halten.“ Gleichzeitig hätten Wettbewerber davon profitiert und ihre Marktanteile ausgebaut. Lyft hatte in seinem Börsenprospekt von einer deutlichen Ausweitung seines Marktanteils in den Vereinigten Staaten gesprochen.

Uber gab sich auch selbstkritisch mit Blick auf seine Unternehmenskultur, die dem Geschäft in der Vergangenheit geschadet habe. Der Fokus auf „aggressivem Wachstum“ und der Umstand, dass es keine hohe Priorität gehabt habe, Vorschriften zu beachten, hätten dazu geführt, dass das Unternehmen unter strengerer Aufsicht von Regulierern stünde. Zu der Kultur habe auch ein „Mangel an Transparenz“ im Unternehmen selbst gehört, was dazu geführt habe, dass Teams in Silos arbeiten und es nicht genug Koordination und Austausch von Wissen gegeben habe. Uber habe seine Teams neu organisiert, um dies künftig zu vermeiden, aber es sei möglich, dass diese Bemühungen fehlschlagen.

Risiko Fahrerstatus

Als weiteren Risikofaktor nennt Uber den Status seiner Fahrer als unabhängige Unternehmer. Uber-Fahrer sind nicht fest angestellt, sondern arbeiten frei. Dies ist aber umstritten, und Uber hat schon eine Reihe juristischer Auseinandersetzungen hinter sich, in denen es um die Einstufung der Fahrer ging. Für das Unternehmen ist das eine zentrale Frage, denn wenn es die Fahrer als Mitarbeiter behandeln müsste, würde sich das wohl in höheren Kosten niederschlagen, zum Beispiel für Sozialleistungen. „Jede solche Neuklassifizierung würde uns zwingen, unser Geschäftsmodell fundamental zu verändern,“ heißt es im Börsenprospekt.

Lyft

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Im Zusammenhang mit dem Börsengang hat sich Uber eine Belohnung für seine Fahrer einfallen lassen. Je nachdem, wie viele Fahrten sie absolviert haben, sollen sie einen einmaligen Barbonus bekommen, der in den Vereinigten Staaten von 100 bis 10.000 Dollar reichen soll. Insgesamt seien 1,1 Millionen Fahrer für das Bonusprogramm qualifiziert, und Uber wolle dafür 300 Millionen Dollar ausgeben.

Zukunft Deutschland

In dem Börsenprospekt kommt Uber auch rund ein Dutzend Mal auf den deutschen Markt zu sprechen. Deutschland sei eines von sechs Ländern, die für das Unternehmen in naher Zukunft Priorität hätten. In diesen sechs Ländern, wozu zum Beispiel auch Japan, Italien und Spanien gezählt werden, werde das Wachstum im Moment noch von „erheblichen regulatorischen Restriktionen“ begrenzt.

Uber hoffe, hier seine Präsenz auszuweiten, soweit es das regulatorische Umfeld erlaube. Tatsächlich stieß das Unternehmen in Deutschland von Anfang an auf erheblichen Widerstand, der das Wachstum erschwert hat. Erst in dieser Woche gab es in mehreren deutschen Städten Proteste von Taxifahrern gegen Uber und Pläne des Verkehrsministers Andreas Scheuer, die hierzulande eine Liberalisierung der Personenbeförderung vorsehen.

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