https://www.faz.net/-gv6-9mshh

Ubers Aktienwert : Der gestutzte Mega-Börsengang

Der Vorstandsvorsitzende von Uber Dara Khosrowshahi hatte auf eine höhere Bewertung gehofft. Bild: AP

Uber feiert am Freitag sein Debüt an der Wall Street. Aber das Unternehmen hat seine Ambitionen zurückgeschraubt. Der Ausgabepreis für seine Aktien liegt deutlich unter den ursprünglichen Erwartungen.

          Uber will am Freitag an die Börse gehen. Im Vorfeld des mit Spannung erwarteten Debüts hat der amerikanische Fahrdienst aber die Erwartungen gedämpft. Der Ausgabepreis für seine Aktien wurde am Donnerstagabend auf 45 Dollar festgelegt und damit nahe am unteren Ende der vorher angekündigten Preisspanne von 44 bis 50 Dollar.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das entspricht einer Bewertung von 82 Milliarden Dollar für das gesamte Unternehmen. Dies übertrifft zwar den Betrag von 76 Milliarden Dollar, mit dem Uber bei seiner letzten außerbörslichen Investition im vergangenen Jahr bewertet wurde. Es verfehlt aber die ursprünglichen Preisvorstellungen deutlich..

          Uber hatte noch vor kurzem gegenüber Investoren von einer möglichen Preisspanne von 48 bis 55 Dollar gesprochen, womit die Bewertung zwischen 90 Milliarden und 100 Milliarden Dollar erreicht hätte. Wall-Street-Banken wie Morgan Stanley und Goldman Sachs, die jetzt am Börsengang beteiligt sind, hatten im vergangenen Jahr sogar eine mögliche Bewertung von 120 Milliarden Dollar ins Spiel gebracht. Diese Summe scheint auch Uber selbst nicht für unrealistisch zu halten. Denn im Börsenprospekt ist von einer finanziellen Belohnung in Form  für den Vorstandsvorsitzenden Dara Khosrowshahi die Rede, wenn die Marktkapitalisierung von Uber 90 Tage hintereinander bei mindestens 120 Milliarden Dollar liegt – oder auch wenn das Unternehmen für diesen Betrag verkauft wird. Dieses Paket soll einen Wert von mehr als 100 Millionen Dollar haben.

          Um Parallelen zu Amazon bemüht

          Die Aktie soll von Uber soll zwar mehrfach überzeichnet gewesen sein, das heißt die Nachfrage war deutlich höher als das verfügbare Angebot. Allerdings soll das Unternehmen auf eine bessere Resonanz gehofft haben. Dass es seine Ambitionen nun zurückgeschraubt hat, hat Medienberichten zufolge mit der jüngsten allgemeinen Schwäche an den Aktienmärkten sowie mit dem durchwachsenen Börsendebüt des Wettbewerbers Lyft zu tun.

          Lyft kam Ende März mit einem Ausgabepreis von 72 Dollar und einer zwanzigfach überzeichneten Aktie an die Börse. Zunächst stieg der Aktienkurs noch über diese Marke, seither ist er aber erheblich gefallen und liegt im Moment bei weniger als 55 Dollar. Sowohl Uber als auch Lyft weisen bislang hohe Verluste aus. Uber aktualisierte seinen Börsenprospekt unlängst um vorläufige Geschäftszahlen für das erste Quartal und wies dabei einen Nettoverlust zwischen 1,0 Milliarden und 1,1 Milliarden Dollar aus. Und nicht nur die Verluste geben Anlass zur Sorgen. Das Umsatzwachstum hat sich erheblich abgeschwächt. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 20 Prozent auf bis zu 3,1 Milliarden Dollar, vor einem Jahr lag der Zuwachs noch bei 70 Prozent.

          Vorstandschef Khosrowshahi hat seit mehr als einer Woche auf einer sogenannten Roadshow um Investoren geworben. Er hat versucht, Parallelen zwischen Uber und Amazon zu ziehen und damit auch die Verluste zu rechtfertigen. Der Online-Händler hat jahrelang kaum Gewinne oder sogar Verluste ausgewiesen, und die Börse sah ihm das nach. Er erklärte die Verluste mit hohen Investitionen in neue Geschäfte und den Ausbau seiner Marktanteile.

          Mittlerweile weist er stattliche Gewinne aus, und das verdankt er in hohem Maße jüngeren Aktivitäten wie Cloud Computing und Werbung. Khosrowshahi versucht, auch Uber als eine Plattform zu beschreiben, deren Ambitionen weit über den angestammten Fahrdienst hinausgehen. Zum Beispiel mit Geschäftsfeldern wie Essensauslieferung, Frachtvermittlung oder dem Verleih elektrischer Tretroller. Uber arbeitet auch an autonomen Fahrtechnologien und Flugtaxis.

          F.A.Z. Digitec: jetzt testen!
          F.A.Z. Digitec: jetzt testen!

          Nehmen Sie die digitale Zukunft selbst in die Hand.

          Mehr erfahren

          Trotz des niedriger als erwarteten Ausgabepreises wird Uber noch immer einer der größten Börsengänge der vergangenen Jahre sein. Das Unternehmen wird mehr als acht Milliarden Dollar einsammeln. Zum Vergleich: Das soziale Netzwerk Facebook kam bei seinem Börsengang 2012 auf einen Emissionserlös von 16 Milliarden Dollar und wurde mit 104 Milliarden Dollar bewertet. Anders als Uber war Facebook bei seinem Börsengang allerdings profitabel.

          Das Debüt von Uber am Freitag wird etwas anders ablaufen als bei vielen anderen Technologieunternehmen. Bei Facebook, Google oder auch zuletzt bei Lyft setzten sich Gründer öffentlichkeitswirksam in Szene und läuteten die Glocke zur Eröffnung des Aktienhandels. Uber hat allerdings 2017 nach einer Serie von Skandalen Mitgründer Travis Kalanick als Vorstandsvorsitzenden abgelöst und mit Khosrowshahi ersetzt. Trotz seiner Entmachtung hat Kalanick nach einem Bericht der „New York Times“ darauf gedrängt, bei dem Ritual am Freitag dabei zu sein. Khosrowshahi habe aber beschlossen, er sei nicht erwünscht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Pendler auf der London Bridge

          Mobilität : Wie London die Verkehrsflut meistert

          Die größte Stadt Europas baut ihr Bahnnetz aus und nutzt Big-Data-Analysen, um die U-Bahn zu verbessern. Ein anderes Verkehrsmittel soll hingegen aus der City verbannt werden – und das schon diesen Sonntag.
          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.
          Zur Arbeit auf dem Pedelc – das schon die Umwelt und langfristig die Geldbörse.

          Klimapaket : Wie teuer wird es für mich?

          Das Klimapaket der Bundesregierung kostet manche Leute Geld, anderen bringt es eine Ersparnis. Wir haben einige Fälle durchgerechnet. In manchen Fällen können Pendler zum Beispiel sogar Geld sparen.
          Das war’s: Antonio Brown zieht die Schuhe nicht mehr an für die Patriots.

          Suspendierter NFL-Star Brown : Der tiefe Fall des Ballfängers

          Das erwartbare Ende einer Football-Karriere: Nach dem Vorwurf sexueller Übergriffe kündigen die Patriots und Nike ihre Millionenverträge mit dem NFL-Profi. Eine Zukunft in der NFL ist so gut wie ausgeschlossen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.